Sydney

Jüdisches Ehepaar stirbt beim Versuch, einen der Angreifer zu stoppen

Rabbiner Motti Feldman spricht am Dienstag bei einer Chanukkah-Veranstaltung, bei der der Opfer des Anschlages gedacht wird. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Neue Erkenntnisse aus Australien und Israel zeichnen ein eindringliches Bild von den letzten Minuten mehrerer Opfer des Terroranschlags am Bondi Beach in Sydney. Im Mittelpunkt steht ein jüdisches Ehepaar aus dem Stadtteil Bondi, das beim Versuch getötet wurde, einen der Angreifer zu entwaffnen. Auch weitere Opfer zeigten nach Angaben von Angehörigen außergewöhnlichen Mut.

Als zwei der Todesopfer wurden Boris Gurman (69) und seine Ehefrau Sofia (61) identifiziert, wie australische Medien berichten. Das seit Jahrzehnten in Bondi lebende Paar griff nach übereinstimmenden Medienberichten einen der Schützen an, nachdem dieser sein Fahrzeug nahe der Brücke abgestellt hatte, von der aus die Täter das Feuer auf die Chanukka-Feier eröffneten.

Auf Dashcam-Aufnahmen, die inzwischen in sozialen Netzwerken kursieren, ist zu sehen, wie Boris Gurman auf den Täter zuläuft und versucht, ihm die Waffe zu entreißen, während seine Frau an seiner Seite bleibt.

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Die beiden wurden dabei tödlich verletzt. Nach Angaben aus dem Umfeld der Familie starben sie in den Armen des jeweils anderen. Freunde bestätigten ihren Tod am Dienstag, nachdem das Paar zunächst als vermisst gegolten hatte. Die Gurmans hinterlassen einen Sohn im dritten Lebensjahrzehnt.

In einer Stellungnahme beschrieb die Familie Boris und Sofia als fest in der Nachbarschaft verwurzelte Menschen, die ihr Umfeld liebten und sich durch Hilfsbereitschaft und stille Stärke auszeichneten. Ihr Handeln in den letzten Momenten ihres Lebens sei Ausdruck genau dieser Haltung gewesen. »Sie handelten instinktiv, um anderen zu helfen – trotz der Gefahr für sich selbst«, hieß es. Im Januar hätten sie ihren 35. Hochzeitstag gefeiert.

Die Aufnahmen zeigen zudem das Auto der Täter, über dessen Windschutzscheibe eine Fahne der Terrororganisation »Islamischer Staat« gespannt war. Insgesamt wurden bei dem Anschlag 15 Menschen getötet, darunter ein zehnjähriges Mädchen. Zahlreiche weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen.

Zivilcourage in Extremsituation

Auch über andere Opfer wurden in den vergangenen Stunden neue Details bekannt. Die Tochter des 62-jährigen Reuven Morrison, der ebenfalls erschossen wurde, sagte gegenüber amerikanischen Medien, ihr Vater habe versucht, den Angreifer aufzuhalten, nachdem ein Ladenbesitzer den Mann bereits angegangen sei. Morrison habe Steine nach dem Täter geworfen, um ihn zu stoppen.

Der erwähnte Ladenbesitzer, Ahmed al Ahmed, sprach unterdessen erstmals öffentlich aus dem Krankenhaus. Der Tabakhändler aus Sydney hatte einen der Schützen überwältigt, als diesem offenbar die Munition ausging. In einer kurzen Videobotschaft bat er um Gebete für seine Genesung und dankte Gott dafür, dass er diese Situation überlebt habe.

Die Tat hat in Australien und international tiefe Erschütterung ausgelöst. Angehörige, Freunde und Vertreter der jüdischen Gemeinden würdigten die Opfer nicht nur als Leidtragende eines Terroranschlags, sondern auch als Menschen, die in einer Extremsituation Zivilcourage zeigten – oft um den Preis ihres eigenen Lebens. im

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