London

Jüdische Londoner fühlen sich von Aktivisten eingeschüchtert

Auch an der Downing Street kam es am Dienstag zu israelfeindlichen Protesten. Foto: picture alliance / Anadolu

In einem überwiegend jüdisch geprägten Stadtteil im Nordwesten Londons hat eine unangemeldete Demonstration israelfeindlicher Aktivisten für scharfe Kritik gesorgt. Politiker und Vertreter der Gemeinde verurteilten den Aufmarsch, der nur wenige Tage nach einem antisemitischen Brandanschlag in der Nähe stattfand. Die britische Publikation »Jewish News« berichtete.

Nach Angaben der Polizei versammelten sich am Montagabend Demonstranten vor einer Einrichtung in Hendon. Einsatzkräfte rückten an, um ein mögliches Aufeinandertreffen mit Gegendemonstranten zu verhindern. Festnahmen gab es demnach nicht, beide Gruppen hätten den Ort nach rund zwei Stunden wieder verlassen.

In dem Bericht werden Augenzeugen zitiert, die demnach berichteten, rund 40 Personen seien in das Wohngebiet gezogen, hätten Parolen wie »Völkermord« skandiert und gefordert, der Staat Israel müsse verschwinden. Die Polizei eskortierte die Gruppe schließlich aus dem Viertel in Richtung U-Bahn-Station Hendon Central, während Anwohner das Geschehen beobachteten.

Große Verunsicherung

Der Vorfall ereignete sich unweit von Golders Green, wo erst vor wenigen Tagen Einsatzfahrzeuge einer jüdischen Rettungsorganisation bei einem Brandanschlag beschädigt worden waren. In der örtlichen Gemeinschaft hatte dies bereits für große Verunsicherung gesorgt.

Lesen Sie auch

Der für den Wahlkreis zuständige Parlamentarier David Pinto-Duschinsky reagierte mit scharfen Worten. Die Aktion sei »völlig entsetzlich, vollkommen inakzeptabel und eindeutig antisemitisch«, sagte er gegenüber »Jewish News«. Es sei besonders verwerflich, dass die Demonstration »mitten in einem ruhigen Wohngebiet mit einer großen jüdischen Bevölkerung« stattgefunden habe, das noch immer unter dem Eindruck des Angriffs stehe. »Zu einem Zeitpunkt, an dem die Gemeinschaft ohnehin verängstigt ist, haben sie versucht, die Lage weiter zu verschärfen«, erklärte er.

Er arbeite eng mit Sicherheitsbehörden und jüdischen Organisationen zusammen und dankte ihnen für ihr schnelles Eingreifen.

Kommunalpolitik alarmiert

Auch die Kommunalverwaltung von Barnet äußerte sich besorgt. Die zuständige Stadträtin Sara Conway bezeichnete die Szenen als »zutiefst beunruhigend und inakzeptabel«. Es sei nicht hinnehmbar, dass Demonstranten »Einschüchterung auf die Straßen« getragen hätten, während sich die jüdische Bevölkerung ohnehin besonders verletzlich fühle. Nach ihren Angaben handelte es sich um eine spontane Versammlung ohne vorherige Anmeldung.

Auch aus jüdischen Organisationen kam Kritik. Der Dachverband der britischen Juden forderte ein entschiedeneres Vorgehen der Behörden. Es sei »offensichtlich inakzeptabel, dass eine derart spaltende und provokative Demonstration« unter den aktuellen Umständen stattgefunden habe. Man erwarte, dass die Polizei prüfe, ob strafbare Inhalte verbreitet wurden, und künftig konsequenter einschreite. im

Meinung

Fertig Idylle!

Am Mittwoch sticht in der Winterthurer Innenstadt ein Mann auf vorbeilaufende Passanten ein und schreit »Allahu Akbar« – ein Weckruf für die Schweiz

von Nicole Dreyfus  28.05.2026

Warnung

Steven Spielberg will keine KI nutzen

Der Filmemacher sieht einen Platz für KI in der Medizin und in der Forschung.

 28.05.2026

Interview

»Das ist nicht normal«

Regina Sluszny überlebte die Schoa, weil sie von katholischen Belgiern versteckt wurde. Angesichts des Strafverfahrens gegen Mohalim fragt sich die Vorsitzende des jüdischen Dachverbands FJO, ob es für Juden in Belgien noch eine Zukunft gibt

von Michael Thaidigsmann  27.05.2026

Italien

Pride in Rom schließt jüdische LGBTQ-Organisationen aus

Die Organisatoren der Rome Pride Parade verbannen jüdische LGBTQ-Gruppen, die sich nicht von einem angeblichen Völkermord in Gaza distanzieren

von Nicole Dreyfus  27.05.2026

Antwerpen

Belgien: Empörung über Anklage gegen jüdische Beschneider

Wegen Anklagen gegen zwei jüdische Beschneider kritisieren jüdische Vertreter die belgischen Behörden scharf. Die European Jewish Association wirft der Staatsanwaltschaft vor, die Religionsfreiheit zu verletzen - Belgien weist dies zurück

von Marlene Brey  27.05.2026

New Jersey

Donald Newhouse mit 96 Jahren gestorben

Er war einer der einflussreichsten Medienmanager in den USA. Das Rampenlicht suchte er nur selten

 27.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Nachruf

Barney Frank mit 86 Jahren gestorben

Als liberale Stimme im Washingtoner Kongress prägte der jüdische Abgeordnete der Demokraten sowohl die Debatten über Finanzmarktregulierung als auch über die Rechte von Homosexuellen

 20.05.2026

Spanien

Mordverdacht: Sohn von Mango-Gründer festgenommen

Die Polizei in Katalonien hat Medienberichten zufolge den Sohn des Mango-Gründers und Philanthropen Isaak Andic festgenommen. Jonathan Andic war als einziger dabei, als sein Vater im Dezember 2024 einen Abhang hinunterstürzte

 19.05.2026