Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Ein Lastwagen mit Hilfsgütern am Grenzübergang zu Gaza. Gegen die Hilfslieferungen hatten zwei Französinnen protestiert. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Frankreich hat Haftbefehle gegen zwei französisch-israelische Aktivistinnen wegen »Beihilfe zum Genozid« erlassen. Wie die »Jewish Telegraphic Agency« und die »Times of Israel« berichteten, richten sich die Maßnahmen gegen Nili Kupfer-Naouri, Präsidentin der Organisation »Israel Is Forever«, sowie gegen Rachel Touitou, eine Aktivistin der rechten israelischen Gruppe »Tsav 9«.

Beide sollen wiederholt versucht haben, humanitäre Hilfslieferungen bei der Einfahrt in den Gazastreifen zu blockieren. Die Frauen sind in Frankreich geboren und leben in Israel.

Nach Angaben der französischen Justiz beziehen sich die Vorwürfe auf Aktionen zwischen Januar und November 2024 sowie auf weitere Proteste im Mai 2025. Ihnen wird neben »Beihilfe zum Genozid« auch »öffentliche und direkte Anstiftung zum Genozid« vorgeworfen.

Könnte Präzedenzfall werden

Der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte der Anwalt der Kläger, dies sei das erste Mal, dass ein nationales Gericht über Tatsachen der Beihilfe zum Genozid durch die Blockierung humanitärer Hilfe entschieden habe.

Die Haftbefehle wurden bereits im Juli ausgestellt, wie die französische Zeitung »Le Monde« berichtete. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP sehen sie keine sofortige Inhaftierung vor, sondern verpflichten die Beschuldigten lediglich zur Vorladung vor einen Ermittlungsrichter.

Propalästinensische Organisationen hatten Anzeige erstattet

Hintergrund der Ermittlungen ist eine Anzeige, die unter anderem vom »Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte« sowie den Organisationen »Al-Mezan« und »Al-Haq« eingereicht wurde. Diese hatten die Blockaden als gezielte Behinderung lebenswichtiger Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen bezeichnet.

Die Organisationen gelten als umstritten. Sie wurden im September in den USA mit Sanktionen belegt, weil sie »direkt an den Bemühungen des Internationalen Strafgerichtshofs beteiligt waren, israelische Staatsangehörige ohne Israels Zustimmung zu verhaften, festzuhalten oder strafrechtlich zu verfolgen«.

Unterstützt wurde die Anzeige von der antizionistischen »französischen Jüdischen Union für den Frieden«, die die Haftbefehle als »historischen Schritt im Kampf gegen Straflosigkeit« bezeichnete.

»Frankreich ist genauso wie der Iran«

Kupfer-Naouri und Touitou weisen die Vorwürfe zurück. Sie hätten zwar an den Protesten an der Grenze zum Gazastreifen teilgenommen, doch, so ihr Argument, wollten sie Hilfslieferungen bockieren, die von der Hamas missbraucht worden seien. Beide kritisierten die Ermittlungen scharf und warnten vor einem gefährlichen Präzedenzfall für französisch-israelische Staatsbürger.

Touitou schrieb auf X: »Wenn friedliches Demonstrieren mit einer israelischen Flagge gegen eine Terrororganisation, die humanitäre Hilfe beschlagnahmt, umleitet und zu Wucherpreisen an die Bevölkerung im Gazastreifen weiterverkauft, ein Verbrechen ist – dann gibt es keinen Grund, auf die Mullahs herabzusehen, Frankreich ist genauso wie der Iran!«

Nur einer von mehreren Fällen

Der Fall ist Teil einer ganzen Reihe von Anzeigen, die derzeit vor französischen Gerichten verhandelt werden. So wurden zwei französisch-israelische Soldaten einer Eliteeinheit der israelischen Armee angezeigt, denen »standrechtliche Hinrichtungen« von Zivilisten im Gazastreifen vorgeworfen werden.

Auch erstatte eine Großmutter Anzeige, nachdem ihre beiden französischen Enkel im Oktober 2023 bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen ums Leben gekommen waren. Die Nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft (PNAT) beantragte Ende November 2025 bei einem Untersuchungsrichter Ermittlungen wegen »Kriegsverbrechen«. Das französische Rüstungsunternehmen Eurolinks wurde ebenfalls angezeigt. ja

Zürich / Washington

Neue alte Verstrickungen

US-Ermittler entdeckt Hunderte neue Konten der Credit Suisse mit NS-Bezug

 09.02.2026

Raumfahrt

Jessica Meir fliegt zur Internationalen Raumstation

Jessica Meir soll acht Monate im All verbringen. Diese Tour ist für sie dieses Mal emotional besonders herausfordernd, wie sie bei einer Pressekonferenz erzählte

 09.02.2026

USA

Werbespot gegen Antisemitismus beim Super Bowl

Beim Finale der amerikanischen Football-Liga NFL wird auch ein Clip gegen Judenhass gezeigt. Finanziert hat ihn der jüdische Besitzer der »New England Patriots«, die heute Abend gegen die »Seattle Seahawks« antreten

 08.02.2026

Alice Zaslavsky

»Hühnersuppe schmeckt nach Heimat«

Die Kochbuch-Autorin kam als Kind mit ihrer Familie aus Georgien nach Australien und kennt die jüdische Gemeinde von Bondi Beach. Ein Gespräch über Verbundenheit, Gerüche und Optimismus

von Katrin Richter  08.02.2026

Europa

Das Verbindende über das Trennende stellen

Rund 450 orthodoxe Rabbiner und Gäste aus den europäischen Gemeinden tagten in Jerusalem. Im Mittelpunkt standen weniger politische Debatten als vielmehr der Austausch über praktische Fragen

von Michael Thaidigsmann  07.02.2026

Basketball

Ein »All-Star« aus dem Kibbuz

Mit Deni Avdija schafft es erstmals ein Israeli in die NBA-Auswahl der USA

von Sabine Brandes  07.02.2026

Italien

Viererbob und Eisprinzessin

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina treten mindestens 16 israelische und jüdische Athleten an

von Sophie Albers Ben Chamo  06.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026