Großbritannien

»Gut, dass wir ihn endlich los sind«

Ken Loach sieht sich als das Opfer einer Hexenjagd: Eigenen Angaben zufolge wurde der 85-jährige britische Filmemacher aus der Labour-Partei ausgeschlossen. Grund dafür ist offenbar, dass Loach sich weigerte, aus einem Verein auszuscheiden will, den die Partei im Zuge der Antisemitismuskontroverse der letzten Jahre als unvereinbar mit den Werten Labours bezeichnet hat.

»SÄUBERUNG« Er habe sich nicht von Parteimitgliedern, die wegen antisemitischer Äußerungen die Partei verlassen mussten, distanzieren wollen und sei deshalb selbst hinausbeordert worden, behauptete Loach am Samstag auf seinem Twitterkanal: »Das Labour-Hauptquartier hat nun entschieden, dass ich nicht geeignet bin, Mitglied ihrer Partei zu sein, weil ich diejenigen, die bereits ausgeschlossen wurden, nicht verleugnen möchte. Ich bin stolz darauf, an der Seite der guten Freunde und Genossen zu stehen, die Opfer der Säuberung geworden sind. Es handelt sich in der Tat um eine Hexenjagd. Starmer und seine Clique werden niemals eine Partei des Volkes führen. Wir sind viele, sie sind wenige. Solidarität. KL. «

https://twitter.com/KenLoachSixteen/status/1426478744605274113

Hintergrund sind jahrelange – leider sehr berechtigte – Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Linken in der Labour Party, die auch bereits zum Rauswurf von Ex-Parteichef Jeremy Corbyn geführt hatten. Corbyns Parteiausschluss im vergangenen Jahr wurde zwar wieder zurückgenommen, doch eine Rückkehr in die Fraktion ist ihm von seinem Nachfolger Keir Starmer verwehrt worden. Corbyn hatte gesagt, das Antisemitismusproblem in der Partei werde »aus politischen Gründen dramatisch überbewertet«, seine Aussage später jedoch relativiert.

Im Juli stimmte Labours Parteivorstand für den Ausschluss von vier linken Gruppen, die mit den Werten der Partei »nicht vereinbar« seien. Darunter ist auch die Gruppe Labour Against The Witchhunt (»Labour gegen die Hexenjagd«), in der Loach eine führende Rolle gespielt hat und als Sponsor auftrat. In Teilen der Parteilinken werden die Antisemitismusvorwürfe als »Hexenjagd« gewertet.

BERICHT Vor einigen Monaten hatte die britische Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission, ein unabhängiges Gremium, aber Labour schwere Versäumnisse im Kampf gegen Judenhass vorgeworfen. Daraufhin hatte die Partei sich unter Starmers Führung zu drastischen Maßnahmen verpflichtet.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ken Loach, der unter anderem mit dem sozialkritischen Film »Ich, Daniel Blake« 2016 die Goldene Palme in Cannes gewann, gilt als Corbyn-Unterstützer und als Israelhasser. Bereits mehrfach forderte andere Künstler auf, nicht in Israel aufzutreten, und sprach von einem »Apartheid-Staat«. Loach sympathisiert zudem mit der in Zielen und Handlungen antisemitischen BDS-Bewegung.

CORBYN Sein Parteiausschluss löste zum Teil wütende Reaktionen aus. Der Corbyn-Verbündete und ehemalige Schattenfinanzminister John McDonnell twitterte, Loach sei immer ein »guter Sozialist« gewesen und sein Parteiausschluss eine »Schande«.

Auch Jeremy Corbyn reagierte, allerdings in gemäßigterem Ton. Ebenfalls auf Twitter schrieb er: »Ken Loach hat außergewöhnliche Filme produziert, von Cathy Cathy Home bis hin zu I Daniel Blake, er hat für Labour brillante Clips gedreht und hat immer auf der Seite der Unterdrückten gestanden. Er verdient unseren Respekt und unsere Solidarität.« Seinen Tweet versah Corbyn mit dem Hashtag #StandWithKenLoach.

Wesentlich deutlicher wurde Corbyns Frau Laura Alvarez und ging Parteichef Starmer frontal an. Sie nannte den Parteiausschluss des Regisseurs »schändlich« und erklärte: »Keir repräsentiert nicht die Werte jener Millionen, die Ken Loach bewundern«. Bei der letzten Wahl 2019, als Corbyn noch Parteichef war, hätten zehn Millionen Menschen für eine friedliche und faire Gesellschaft gestimmt, behauptete Alvarez.

Die Gruppierung Socialist Campaign Group - ein Sammelbecken linker Labour-Abgeordneter - forderte Starmer auf, den Ausschluss zurückzunehmen. Zwei Dutzend Abgeordnete der Partei unterschrieben den Aufruf.

ERLEICHTERUNG Jüdische Verbände zeigten sich dagegen zufrieden über Loachs Ausschluss. Die Präsidentin des Board of Deputies of British Jews, Marie van der Zyl, sprach von einer »richtigen Entscheidung«. Loach habe »sein Vermächtnis als Filmemacher beschmutzt, indem er sich wiederholt auf die Seite von Antisemiten gestellt hat«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Mike Katz, der Vorsitzende des Jewish Labour Movements, eines Verbands jüdischer Labour-Mitglieder, erklärte: »Gut, dass wir ihn endlich los sind.« Loach habe schließlich unterstellt, Juden nutzten den Holocaust für politische Zwecke aus, und die Behauptung verbreitet, eine angebliche Lobby kontrolliere Medien und Politik. »Wer Loach als guten Sozialisten verteidigt, sollte mal seine Definition von Sozialismus überdenken,« so Katz.

Auch aus dem Ausland kam Zustimmung. Der Geschäftsführer der amerikanischen Anti-Defamation League, Jonathan Greenblatt, schrieb auf Twitter: »Jeder Schritt, den die Labour Party in Richtung einer hassfreien Partei unternimmt, ist ein richtiger Schritt.« (mit dpa)

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Los Angeles

Rekord-Deal in der NBA: Iger und Kushner kaufen die LA Lakers

Die beiden jüdischen Geschäftsmänner Bob Iger und Joshua Kushner übernehmen das Basketball-Team für 12,5 Milliarden US-Dollar

 16.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Ein Mann aus Irland äußerte sich bei einer Begegnung mit jüdischen Touristen in einem französischen Supermarkt antisemitisch und drohte dem Paar gar mit Erschießung.

 14.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Italien

Ein Tempel für alle

Über der Biennale in Venedig schwebt eine Synagoge. Was sich die ukrainische Künstlerin Anna Kamyshan dabei dachte und wie sie es geschafft hat

von Sophie Albers Ben Chamo  13.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Familie befürchtet das Schlimmste

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter gibt es neue Details. Unter anderem über die Unterkunft in Wien. In Israel wurde eine Nachrichtensperre erlassen

 12.08.2026 Aktualisiert

Schweiz

Den eigenen Weg gehen

Kollektive Begeisterung macht blind und dumm, ganz gleich, ob sie von rechts oder links kommt, findet Berns Botschafter in Israel. Und liefert literarische und filmische Quellen als Inspiration für das Schwimmen gegen den Strom

von Simon Geissbühler  11.08.2026