Belgien

Grabschändung am Todestag

Jean Gol war Chef der liberalen Partei PRL in Belgien Foto: IMAGO/Photo News

Am 18. September 1995 starb der belgische Politiker Jean Gol überraschend im Alter von 53 Jahren an einer Hirnblutung. Er war Vorsitzender der liberalen Partei PRL, die sich heute »Mouvement Réformateur« (MR) nennt. Zuvor hatte Gol als stellvertretender Premier- und Justizminister gedient.

Er war 1942 in London zur Welt gekommen. Dorthin waren seine jüdischen Eltern vor den heranrückenden Nationalsozialisten geflüchtet. Auf Gols Grabstein prangt ein Davidstern.

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An diesem Donnerstag, exakt 30 Jahre nach dem Tod des Politikers, ging Déborah Gol zum Friedhof Robermont in Lüttich, um das Grab ihrer Eltern vor einer für den Nachmittag geplanten Gedenkfeier noch etwas zu säubern.

Sie fand eine mit roter Farbe beschmierte Grabplatte, auf der »Never again?« geschrieben stand sowie die Buchstaben »Hé! MRDE«, in Anspielung an die Partei und das französische Wort »Merde« (»Scheiße«). Dem öffentlich-rechtlichen Sender RTBF sagte Gol: »Die Farbe war noch frisch, es war also gerade erst passiert.« Sie sei sehr schockiert gewesen.

Die Tochter sieht einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Der MR nimmt unter seinem Vorsitzenden Georges-Louis Bouchez eine relativ pro-israelische Haltung ein. In dem von Sozialisten regierten Lüttich ist dagegen traditionell die Solidarität mit den Palästinensern groß.

»Die Positionen meines Vaters zu Gaza waren keineswegs radikal. Er hat sich sehr für die Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt. Daher halte ich das für eine abscheuliche Verquickung«, sagte Déborah Gol nun gegenüber RTBF. Sie will wegen der Schändung des Grabes Anzeige bei der Polizei erstatten.

Georges-Louis Bouchez zeigte sich empört über die Grabschändung. »Kann man eine solche Haltung noch mit Worten beschreiben?«, fragte er auf X. Am Nachmittag kam Bouchez nach Lüttich, um seinen Vorgänger als Parteichef zu würdigen. Studierende der örtlichen Universität wollten einen Protest gegen Bouchez inszenieren - er hat Israel immer wieder in Schutz genommen.

Der Palast in Brüssel gab unterdessen am Nachmittag auf X bekannt, dass König Philippe mit Gold Tochter telefoniert und die Grabschändung als »verwerfliche Tat« verurteilt habe. mth

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