Gesa Ederberg

»Globaler und vielfältiger«

Gesa Ederberg Foto: Martin Ly

Frau Ederberg, Sie sind gerade zur Präsidentin der »Rabbinical Assembly« gewählt worden. Was macht dieses Gremium?
Die »International Rabbinical Assembly of Conservative Judaism« ist ein Dachverband von mehr als 1600 Masorti-Rabbinern und -Rabbinerinnen weltweit. Wir arbeiten über die ganze Welt verteilt, eine Mehrheit jedoch in den USA, wo ungefähr 1300 unserer Mitglieder tätig sind. Wir sind quasi ein Berufsverband konservativer Rabbiner. Das heißt: Wir schauen, was gemeinsame Themen sind, organisieren Seminare und Fortbildungen. Es geht auch um praktische Dinge wie Modellarbeitsverträge oder die Schlichtung von Konflikten.

Sie sind die erste Europäerin an der Spitze des Gremiums …
Und auch die Erste, die nicht aus Nordamerika oder Israel kommt! Auch die Kolleginnen und Kollegen aus Südamerika, wo ich selbst gelebt habe und die Mehrheit der Gemeinden Masorti sind, haben sich über meine Wahl gefreut. In den europäischen Gemeinden ist die Masorti-Bewegung hingegen für viele noch etwas Neues, wir sind erst dabei, Strukturen aufzubauen, und begegnen vielen Menschen, die ihr Judentum neu entdecken und sich bewusst damit auseinandersetzen wollen. Sie möchten verstehen, warum sie etwas tun – nicht nur gesagt bekommen, dass sie es tun sollen. Masorti bringt diese Offenheit mit sich.

Und das ist in den USA anders?
Dort sind die Masorti-Gemeinden etabliert, oft groß, mit hervorragender Infrastruktur – aber auch mit umfangreichen Verwaltungsstrukturen, die Veränderungen manchmal schwerer machen. Für jüngere Menschen ist es nicht immer attraktiv, in eine Synagoge zu gehen, die noch genauso funktioniert wie zu Großelterns Zeiten. Die US-Rabbiner können also einiges von dem Elan lernen, den wir mitbringen. Ich will ihnen zeigen, wie spannend und lebendig unser Ansatz ist. Es geht nicht nur darum, Bestehendes zu verwalten, sondern darum, neue Wege zu gehen. Für die nächsten zwei Jahre habe ich mir vorgenommen, dass wir uns globaler und auch diverser aufstellen.

Woran wollen Sie konkret arbeiten?
Etwa 40 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen arbeiten nicht als klassische Gemeinderabbiner, sondern zum Beispiel in Schulen, jüdischen Organisationen oder als Krankenhausseelsorger. Ich will dieses vielfältige Rabbinat unterstützen.

Was bedeutet der Vorsitz für Deutschland?
Viele meiner internationalen Kollegen kennen Deutschland als den Ort, an dem das moderne Judentum seinen Anfang genommen hat … und sein bitteres Ende fand. Die Präsidentschaft gibt mir die Chance, zu zeigen: Es gibt uns hier wieder, wir sind lebendig, und wir sind ein ganz normaler Teil der weltweiten jüdischen Gemeinschaft. Gleichzeitig können wir vorsichtig an die deutsche jüdische Tradition anknüpfen – und feststellen, dass viele der damaligen Debatten erstaunlich aktuell sind.

Mit der Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde Berlin sprach Mascha Malburg.

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Großbritannien

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Die jüdische Gemeinschaft sieht den neuen Premier Andy Burnham kritisch – er will die Nahostpolitik des Landes ändern

von Rudolf Hönnige  23.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026