Frankreich

First Lady an Abittans Seite – und gegen Feministinnen

Brigitte Macrons Ausfall gegen Aktivistinnen entfacht eine landesweite Debatte.
Brigitte Macrons Ausfall gegen Aktivistinnen entfacht eine landesweite Debatte. Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP

Brigitte Macron sorgt mit herabwürdigenden Worten für Empörung. Am 8. Dezember 2025 wurde ein Video veröffentlicht, das ein vermeintlich privates Gespräch zwischen Brigitte Macron und dem Schauspieler und Komiker Ary Abittan zeigt und zu einem landesweiten Skandal in Frankreich geführt hat. Im Video, das hinter den Kulissen eines Theaters in Paris entstand, bezeichnet Brigitte Macron feministische Aktivistinnen, die zuvor eine Vorstellung Abittans gestört hatten, als »sales connes« — was im Deutschen in etwa »dreckige Schlampen« bedeutet.

Diese Worte kursieren inzwischen breit in sozialen Medien. Dass ausgerechnet Frankreichs First Lady sich so über Feministinnen geäußert hat, sorgt für heftige Kritik in Frankreich. Der Auslöser war eine Protestaktion des feministischen Kollektivs #NousToutes. Am Vorabend hatten mehrere Aktivistinnen während einer Show von Ary Abittan im Pariser Theater Folies Bergère deren Auftritt gestört. Maskiert und mit Plakaten, auf denen »Violeur« (»Vergewaltiger«) zu lesen war, provozierten sie lautstark und riefen »Abittan violeur!« — in französischer Sprache: »Abittan, Vergewaltiger!«.

Die Gruppe erklärte, sie wolle mit der Aktion gegen das öffentliche Auftreten von Männern protestieren, die sexueller Gewalt beschuldigt wurden — und damit auf eine ihrer Meinung nach verbreitete Kultur der Straflosigkeit aufmerksam machen.

Einen Tag später begab sich Brigitte Macron mit ihrer Tochter ins Theater, um dieselbe Show anzusehen. Hinter der Bühne fragte Abittan die First Lady, wie es ihm gehe — er sei verunsichert, sagte er. Daraufhin fiel die abgefilmte Äußerung Macrons: »Wenn da diese dreckigen Schlampen sind, werfen wir sie raus. Vor allem die maskierten Banditen.«

Ermittlungen eingestellt

Ary Abittan ist ein etablierter französischer Komiker und Schauspieler. Er ist unter anderem für seine Rolle in dem Film »Monsieur Claude und seine Töchter« bekannt. Ab Mitte der 1990er-Jahre stand er als Komiker auf der Bühne und hatte dort seinen größten Erfolg im Jahr 2007 mit der Hauptrolle in dem Theaterstück »Happy Hanoukah«.

Im Jahr 2021 wurde ihm von einer Frau — mit der er zu jener Zeit in einer Beziehung gewesen sein soll — Vergewaltigung vorgeworfen. Die Ermittlungen dauerten mehrere Jahre, bis die Staatsanwaltschaft 2023 das Verfahren mangels hinreichender Beweise einstellte. Ein Berufungsgericht bestätigte im Januar 2025 diese Einstellung. Damit sind die juristischen Vorwürfe gegen ihn vorläufig beigelegt.

Trotz des Urteils sehen viele Aktivistinnen und Menschenrechtsorganisationen die Einstellung des Verfahrens kritisch. Sie zeigt nach ihrer Ansicht, wie schwer es ist, sexualisierte Gewalt vor Gericht aufzuklären, besonders wenn Betroffene und Angeklagte Aussagen mit Widersprüchen liefern. Für sie war Abittans Rückkehr auf die Bühne 2025 einer der Gründe, erneut auf die Problematik sexueller Gewalt und öffentlicher Verantwortung aufmerksam zu machen.

Heftige Rückmeldungen

Dass die First Lady in genau diesem Moment mit scharfen Worten abwertend über Aktivistinnen spricht, wurde von vielen als symbolische Parteinahme verstanden. Entsprechend heftig fielen auch die Rückmeldungen: von feministischen Gruppen, linken Politikern, Prominenten bis hin zur breiten Öffentlichkeit. So schrieb etwa die Schauspielerin Judith Godrèche auf sozialen Medien: »Ich bin auch eine stupid bitch« — als Zeichen der Solidarität mit den insultierten Aktivistinnen. Die feministische Gruppe #NousToutes sprach von einem »schockierenden Signal« und kritisierte, dass Brigitte Macron mit ihrer Wortwahl sexistische Gewalt und die Anliegen von Überlebenden und Aktivistinnen verharmlose.

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Auch politische Stimmen meldeten sich: Der ehemalige Präsident François Hollande nannte die Äußerung »vulgär« und warf der First Lady mangelnden Respekt vor. Hingegen verteidigten politisch rechte Kreise teils Brigitte Macron — mit dem Argument, dass das Video aus dem »privaten Bereich« stamme und ihre Worte in diesem Kontext vielleicht weniger schwer zu bewerten seien.

Viele sehen in Macrons Äußerung nicht nur einen Ausrutscher, sondern ein Signal, das Zweifel weckt an der Sensibilität der französischen Elite gegenüber feministischen Anliegen und Opfern sexueller Gewalt. Für zahlreiche Aktivistinnen zeigt dieser Vorfall, wie schnell die Anliegen von Frauen, die sexualisierte Gewalt thematisieren, delegitimiert werden können – selbst von den ranghöchsten Repräsentantinnen des Landes.

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