Frankreich

Prozess eröffnet: Rima Hassan droht Entzug des passiven Wahlrechts

Ein inzwischen wieder gelöschter Post in den sozialen Medien könnte der politischen Karriere von Rima Hassan einen empfindlichen Dämpfer verpassen – ja, sie vorerst sogar beenden, denn neben einer Gefängnisstrafe droht ihr auch der Entzug des passiven Wahlrechts und der Verlust ihres Mandats im Europaparlament.

Am 26. März hatte die 34-jährige französische Politikerin mit palästinensischen Wurzeln, die seit 2024 für die linksradikale Bewegung LFI des Populisten Jean-Luc Mélenchon im Europäischen Parlament sitzt und dort überwiegend gegen Israel Stimmung macht, auf ihrem X-Account ein Zitat gepostet. »Kozo Okamoto: Ich habe meine Jugend der palästinensischen Sache gewidmet. Solange es Unterdrückung gibt, ist der Widerstand nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht.«

Der Japaner Okamoto, der im Juli in Beirut gestorben ist, war 1972 am Massaker der linksextremen Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) am Flughafen Lod in Israel beteiligt, bei dem 26 Menschen starben und Dutzende verletzt wurden. Gemeinsam mit zwei weiteren japanischen PFLP-Terroristen flog er von Rom aus mit einer Air-France-Maschine nach Israel. Die drei eröffneten anschließend in der Gepäckausgabe das Feuer auf Passagiere und warfen Handgranaten.

Hassans Tweet löste Empörung und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen aus

Okamoto wurde schwer verletzt festgenommen und in Israel zu drei Mal lebenslanger Haft verurteilt. 1985 kam er im Zuge eines Gefangenenaustausches zwischen Israel und der PFLP frei und lebte bis zu seinem Tod im Libanon, wo er politisches Asyl genoss.

Für Rima Hassan ist Okamoto im Widerstand gegen Israel offenbar ein Vorbild. Ihren Tweet löschte die Europaabgeordnete dennoch wieder, was ihr aber vermutlich nicht viel helfen dürfte, denn nach Anzeigen durch Frankreichs Innenminister und jüdische Organisationen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen sie ein wegen Verherrlichung von Terrorismus. Anfang April wurde Hassan kurzzeitig festgenommen und zu ihrem Tweet befragt.

Ihr Anwalt Vincent Brengarth sieht in dem Vorgehen der Justiz einen Versuch, eine unbequeme Frau zum Schweigen zu bringen und unterstellt »politische Motive«.

Hassan erstattete ihrerseits Anzeige gegen Innenminister Laurent Nuñez wegen angeblicher Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses. Nuñez wurde vergangene Woche dazu vernommen. Der Prozess gegen Hassan, der ursprünglich für Juli angesetzt war, dann aber verschoben wurde, findet nun am Montag und Dienstag in Paris statt.

Lesen Sie auch

Vor zwei Wochen erst stand die Europaabgeordnete im Mittelpunkt des medialen Interesses. Sie hatte im Parlamentsgebäude in Straßburg eine von der CDU-Parlamentarierin Hildegard Bentele organisierte Ausstellung zum Hamas-Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 besucht und die dort platzierte israelische Flagge umgestoßen. Auch die europäische Fahne fiel zu Boden. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola verurteilte den Vorfall scharf.

Zu ihrem Prozess erschien Hassan am Montag mit Sonnenbrille. Auf ihrer rechten Schulter hatte sie das Kufiya, das sogenannte Palästinensertuch, gelegt. mth

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026