Brüssel

»Der Eiserne Vorhang schließt sich wieder«

Der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, hat der russischen Führung vorgeworfen, gezielt den Judenhass im Land zu schüren.

»Wenn wir auf die russische Geschichte zurückblicken, hat die Regierung immer dann, wenn das politische System ins Wanken geriet und eine Krise ausbrach, versucht, den Zorn und die Unzufriedenheit der Massen umzulenken, indem sie sie auf die jüdische Gemeinschaft lenkte. Das war so zu Zeiten des Zarismus und am Ende des stalinistischen Regimes. Jetzt erleben wir es erneut, mit dem Anstieg des Antisemitismus in ganz Russland«, erklärte Goldschmidt bei einem Treffen religiöser Verantwortlicher mit dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Margaritis Schinas, am Freitag in Brüssel.

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»Schritt für Schritt schließt sich der Eiserne Vorhang wieder«. Gleichzeitig nehme der Hass gegen die jüdische Gemeinschaft zu, sagte Goldschmidt. Es sei zwar wichtig, sich an die Vergangenheit zu erinnern, betonte der langjährige Oberrabbiner Moskaus, der vergangenes Jahr im Zuge der Invasion der Ukraine Russland verließ und sein Amt aufgeben musste.

MEINUNGSAUSTAUSCH »Wir müssen aber auch der Zukunft ins Auge sehen und bereit sein, als religiöse Führer eine moralische Haltung einzunehmen«, forderte Goldschmidt. Am Donnerstag hatte das Europäische Parlament in Anwesenheit von Israels Staatspräsident Isaac Herzog der Opfer der Schoa gedacht.

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Schinas sagte, Russlands Krieg gegen die Ukraine habe das Gesicht Europas verändert. Othmar Karas, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, und Frans van Daele, Sonderbeauftragter des Rates der EU für die Förderung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit außerhalb der EU, betonten in ihren Beiträgen, dass der Krieg den Religionsgemeinschaften in Osteuropa enorm geschadet habe.

Zu den Teilnehmern des Treffens zählten auch Bernhard Felmberg, evangelischer Militärbischof für die Bundeswehr, und hochrangige Vertreter verschiedener anderer Glaubensgemeinschaften in der Europäischen Union. Seit rund 15 Jahren lädt die Europäische Kommission alljährlich Repräsentanten der Religionsgemeinschaften zum Meinungsaustausch nach Brüssel ein. In diesem Jahr stand das Treffen unter dem Motto »Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die europäische Lebensweise«. mth

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