Dublin

Herzog-Park wird vorerst nicht für Palästina befreit

Protestmarsch gegen Israel am Samstag in Dublin Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Es wäre ein weiterer Sargnagel in den ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Irland und Israel gewesen. Doch am Sonntag machte die Stadtverwaltung von Dublin nach heftigen Diskussionen einen Rückzieher. Die Pläne, einen seit 30 Jahren nach dem früheren israelischen Präsidenten Chaim Herzog (1918-1997) benannten Park im Süden der irischen Hauptstadt in »Free Palestine Park« umzubenennen, wurden vorerstgestoppt.

Herzog war der Vater des amtierenden israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog. Er wurde in Belfast geboren und wuchs in Dublin auf. Sein Vater, Isaac Halevy Herzog, diente als Irlands jüdischer Gemeinde als erste Oberrabbiner nach der Unabhängigkeit von Großbritannien und war später auch erster israelischer Oberrabbiner.

Chaim Herzog nahm als Soldat der britischen Armee am Zweiten Weltkrieg teil und war Teil der Streitkräfte, die das NS-Todeslager Bergen-Belsen im April 1945 befreiten. Später wurde der Jurist israelischer Vertreter bei den Vereinten Nationen, Knesset-Abgeordneter und von 1983 bis 1993 Präsident des Staates Israel.

Ein Ausschuss des Gemeinderats von Dublin hatte schon im Juli beschlossen, den Park im Stadtteil Rathgar, in dessen Nähe die einzige jüdische Schule Dublins gelegen ist, nicht mehr nach Herzog zu benennen. Eine Begründung war in der Beschlussvorlage, über die der Stadtrat am Montag abstimmen sollte, nicht enthalten. Jedoch war eine Kampagne antiisraelischer Kreise vorangegangen.

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Nach lautstarken Protesten, unter anderem von Regierungschef Micheal Martin und Außenministerin Helen McEntee, kündigte Richard Shakespeare, Verwaltungschef der Dublin Corporation, am Sonntag jedoch an, dass er »aus verfahrenstechnischen Gründen« vorschlage, das Thema von der Tagesordnung zu streichen. Die Angelegenheit werde an den zuständigen Ausschuss zurückverwiesen. Nähere Angaben machte Shakespeare nicht. Unklar ist, ob die Fraktionen im Stadtrat den Rückzieher akzeptieren oder doch über das Vorhaben abstimmen werden.

Premierminister Martin hatte zuvor in den sozialen Netzwerken gefordert, dass die Umbenennung in Gänze zurückgezogen werden möge. Er nannte sie »eine Leugnung unserer Geschichte«, die »zweifellos als antisemitisch angesehen« werde. Sie wirke zudem »offenkundig spalterisch«.  McEntee betonte, man habe als irische Regierung die Politik und das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza und im Westjordanland »offen kritisiert, und das zu Recht«. Die Entfernung des Namens »eines irisch-jüdischen Mannes« habe damit allerdings nichts zu tun. Und es habe »in unserer integrativen Republik keinen Platz«, so die Außenministerin.

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Maurice Cohen, Vorsitzender des Zentralrats der gut 2000 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinschaft Irlands, sagte in einer Erklärung, die Angelegenheit werde von der Gemeinde »als grober Akt des Antisemitismus wahrgenommen«. Oberrabbiner Yoni Wieder erklärte, die Entfernung des Namens würde »einen zentralen Teil der irisch-jüdischen Geschichte auslöschen«.

Herzog-Familie spricht von »Schande«

Und auch Chaim Herzogs Kinder meldeten sich zu Wort. Auf X erklärte das Büro von Präsident Isaac Herzog, man verfolge das Ganze »mit Sorge«. Der Vorgang »beschädigt die historische Verbindung zwischen der irischen Öffentlichkeit und dem jüdischen Volk« und sei »ein beschämender Schritt«.

Wuchs in Dublin auf: Israels sechster Präsident Chaim HerzogFoto: imago/Sven Simon

Chaim Herzog sei »einer der Helden des Kampfes gegen die Nazis in Europa« gewesen und »eine Persönlichkeit, die ihr Leben der Förderung von Freiheit, Toleranz, Frieden und dem Kampf gegen Antisemitismus widmete«. Die Benennung des Parks nach ihm habe »die tiefe Freundschaft zwischen dem irischen und dem jüdischen Volk zum Ausdruck« gebracht, welche sich »in den letzten Jahren leider verschlechtert« habe.

Sein Bruder, der frühere israelische Botschafter Michael Herzog, schrieb auf X: »Es ist traurig mitanzusehen, wie in Irland, einst Heimat einer stolzen, blühenden jüdischen Gemeinde, der Antisemitismus wütet. Irland ist heute eines der Länder in Europa, in denen Israel am heftigsten bekämpft wird, wobei die Grenze zwischen Kritik an der israelischen Politik und der Infragestellung des Existenzrechts Israels zunehmend verschwimmt.« Er forderte die jüdischen Organisationen in den USA auf, ihre Stimme zu erheben, um »diese Schande anzuprangern«.

Israels Außenminister Gideon Sa’ar äußerte sich noch eindeutiger. »Die antisemitische und antiisraelische Besessenheit der Iren ist widerwärtig«, erklärte Sa’ar am Wochenende. Dublin sei zur »Hauptstadt des Antisemitismus in der Welt geworden«. Schon vor einem Jahr hatte Sa’ar die Schließung der israelischen Botschaft in Irland angeordnet. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen Jerusalem und Dublin weiter verschlechtert.

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Und auch der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, mischte sich ein. »Was für eine unglaubliche Beleidigung für die Familie Herzog, die tief in Irland verwurzelt ist. Hoffen wir, dass anständige Iren diesem Wahnsinn ein Ende setzen!« schrieb Huckabee auf X.

Die Befürworter der Umbenennung sprachen indes von »Desinformation« und erklärten, Chaim Herzog sei »zeitlebens ein bösartiger Anwalt des Zionismus« gewesen. Und die Splittergruppe »Jews for Palestine Ireland« schrieb auf X: »Chaim Herzog verließ Irland, um sich an einer Kolonialisierungskampagne in Palästina zu beteiligen. Als postkoloniale Nation sollten wir keine Parknamen beibehalten, die diese Arbeit würdigen.«

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Als Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen hatte Chaim Herzog in einer berühmten Rede vor der Vollversammlung im November 1975 die Gleichsetzung des Zionismus als eine Form des Rassismus kritisiert und den Vertretern der Mitgliedsstaaten zugerufen: »Ich stehe hier nicht als Bittsteller. Stimmen Sie so ab, wie es Ihnen Ihr moralisches Gewissen vorschreibt. Denn es geht hier weder um Israel noch um den Zionismus. Es geht um den Fortbestand dieser Organisation, die durch eine Koalition von Despoten und Rassisten auf den Tiefpunkt ihrer Diskreditierung gebracht wurde.«

Die Stimme jeder Delegation werde »in die Geschichte eingehen und die Haltung ihres Landes zu antisemitischem Rassismus und Antijudaismus dokumentieren. Sie selbst tragen die Verantwortung für Ihre Haltung vor der Geschichte, denn so werden Sie in die Geschichte eingehen. Wir, das jüdische Volk, werden das nicht vergessen.« Die Resolution sei nichts weiter als ein Stück Papier - »und als solches werden wir sie behandeln«, sagte Herzog, bevor er den Entwurf am Rednerpult symbolisch zerriss.

Die »Zionismus-ist-gleich-Rassismus«-Resolution wurde dennoch mit 72 zu 35 Stimmen angenommen. Irland votierte wie die meisten westlichen Staaten dagegen. 1991 wurde der Beschluss dann wieder aufgehoben.

Bonn/Berlin

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