Istanbul

Attacken gegen Synagogen

Istanbul, 21. Juli 2017: Eine türkische Demonstrantin mit einem Modell des Felsendoms in Jerusalem. Mehrere Hundert Menschen protestierten gegen die israelischen Sicherheitsmaßnahmen auf dem Tempelberg. Foto: Flash 90

Nach gewalttätigen Demonstrationen vor zwei Synagogen in Istanbul hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag die Attacken verurteilt, zugleich aber die »Verletzung religiöser Rechte in Jerusalem« kritisiert. Erdogan äußerte sich bei einer Pressekonferenz am Flughafen von Istanbul vor seine Reise nach Saudi-Arabien und betonte die Wichtigkeit von Religionsfreiheit.

Zuvor hatte der türkische Präsident am Samstag in Zusammenhang mit den Zusammenstößen am Jerusalemer Tempelberg und den Protesten gegen die Metalldetektoren Israels »exzessive Gewalt« verurteilt und die während der Demonstrationen getöteten Palästinenser als »Märtyrer« bezeichnet.

In der Nacht zum Freitag hatten Demonstranten Steine gegen die Neve-Shalom-Synagoge in Istanbul geworfen, gegen die Türen getreten und versucht, in das Gebäude einzubrechen. Laut Medienberichten war auch ein Lokalpolitiker der rechtsextrem-islamistischen Büyük Birlik Partisi (Große Einheitspartei), Kürsat Mican, vor Ort.

Alperen Hearts
Mican, der vor einem Jahr als Vorsitzender der ultra-nationalistischen Jugendbewegung Alperen Hearts gegen eine Gay Pride Parade in Istanbul protestiert hatte, wurde mit der Äußerung zitiert, Israel belästige »unsere palästinensischen Brüder« und gefährde die Religionsfreiheit. »Entweder bekommt man die Zionisten in den Griff, oder wir kommen wieder hierher«, kündigte Mican weiter an. Zwei Demonstranten kletterten den Berichten zufolge auf die Synagoge und platzierten dort Bilder des Felsendoms.

Die jüdische Gemeinde war laut Angaben der israelischen Online-Zeitung »ynet« überrascht darüber, dass ein Patrouillenfahrzeug der Polizei das Gebiet rund um die Synagoge kurz vor Beginn der Demonstration verlassen hatte. Am Samstag ereignete sich dem Bericht zufolge Ähnliches vor der historischen Ahrida-Synagoge in Balat: Das Polizeiauto verließ das Viertel, die Demonstranten attackierten die Synagoge und riefen anti-israelische Parolen.

Am Samstag forderte die jüdische Gemeinde den türkischen Präsidenten und den Innenminister dazu auf, den Demonstrationen ein Ende zu bereiten. Auch die Anti-Defamation League (ADL) kritisierte die Vorfälle.

Celal Altuntas, ein türkischer Oppositioneller, der in den Niederlanden lebt, schrieb auf Twitter, die jüdische Gemeinde in der Türkei fühle sich derzeit nicht sicher. Ein Journalist der türkisch-jüdischen Wochenzeitung »Shalom« twitterte: »Ich bin ein türkischer Bürger. Warum protestiert ihr draußen vor meinem Gotteshaus?«

Große Einheitspartei Die Große Einheitspartei gehört der Regierung Erdogans nicht an, steht ihr aber ideologisch nicht fern. Der Vorsitzende der Großen Einheitspartei, Mustafa Tsesti, sagte laut »Times of Israel«, die »Besatzung und das Massaker« Israels müssten verurteilt werden, die Türkei dürfe aber ihre jüdischen Bürger nicht verletzten. Sie seien »Abkömmlinge von Mohammed, dem Eroberer, der Religionsfreiheit für alle versprochen hat«.

Mitglieder der Jugendbewegung Alperen Hearts waren im vergangenen Winter in der türkischen Provinz Aydin aufgefallen, als sie am 28. Dezember 2016 einen als Weihnachtsmann verkleideten Mann mit Waffen bedrohten. Man wolle gegen christliche Feiertage protestierten und »Menschen zurück zu ihren Wurzeln bringen«, sagte der Vorsitzende im Bezirk Aydin laut einem Bericht von »Hürriyet Daily News«.

http://www.hurriyetdailynews.com/ultranationalist-group-hold-man-dressed-as-santa-claus-at-gunpoint-to-protest-christmas-celebrations-.aspx?PageID=238&NID=107901&NewsCatID=341

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Historiker Marģers Vestermanis mit 100 Jahren gestorben

Seine Eltern und Brüder und weitere Angehörige werden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Er selbst überlebte als einziges Familienmitglied. Nach dem Krieg wurde er Historiker

 03.08.2026

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml. Eine Annäherung

von Alexander Friedman  02.08.2026