Schweiz

Arzt, Forscher, Präsident

IGB-Präsident Manuel Battegay (58) Foto: Derek Li Wan Po

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Arzt, Forscher, Präsident

Manuel Battegay leitet seit Neuem die Geschicke der Israelitischen Gemeinde Basel

von Peter Bollag  12.11.2018 18:38 Uhr

Ein Erfolg gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident der Israeli­tischen Gemeinde Basel (IGB): Nach jahrelangen Verhandlungen um die Sicherheitskosten gab die Basler Regierung kürzlich bekannt, sie werde ab 2019 acht Polizisten zum Schutz der jüdischen Institutionen der Stadt abstellen. Für diese speziell ausgebildeten Polizisten kommt vollständig der Staat auf.

Für den neuen IGB-Präsidenten Manuel Battegay ist dies auch ein persönlicher Erfolg. Denn er gehörte einige Monate lang der Verhandlungsdelegation der Gemeinde an, der es schließlich gelang, die Behörden zu überzeugen, dass es an der Zeit sei zu handeln.

sicherheit Für den 58-jährigen Medizinprofessor ist das ein guter Einstieg in sein schwieriges Amt. Hatten sich doch sein Vorgänger Guy Rueff und dessen Vorstand ebenfalls um eine Lösung in der Sicherheitsfinanzierung bemüht, doch ohne Erfolg.
Während der Verhandlungen seien einige Gemeindemitglieder an ihn herangetreten, so erzählt Manuel Battegay in seinem Büro im Basler Universitätsspital, und hätten ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, IGB-Präsident zu werden. »Nach einer gewissen Bedenkzeit fand ich: Ja, ich könnte mir das vorstellen.«

Der Vater zweier erwachsener Kinder ist erst der zweite Mediziner auf dem Stuhl des Präsidenten der Basler jüdischen Gemeinde überhaupt.

Allzu lange ausruhen auf dem Erfolg in der Sicherheitsfrage, der für die Schweiz sogar Vorbildcharakter hat, kann sich Ma­nuel Battegay allerdings nicht. Denn die zweitgrößte jüdische Gemeinde des Landes be­findet sich in Turbulenzen. Ne­ben der Sanierung der Finanzen gibt es verschiedene Baustellen. Und das ist zunächst einmal ganz wörtlich gemeint. Die Synagoge, die in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden ist (auf ein ursprünglich geplantes aufwendiges Fest verzichtete man aus finanziellen Gründen), muss teilweise saniert werden.

mitgliederschwund Baustellen gibt es aber auch im übertragenen Sinne: Da ist vor allem der konstante Mitgliederschwund zu nennen, welcher der Gemeinde zu schaffen macht. Die einst stolze IGB hat inzwischen nur noch knapp 1000 Mitglieder.

Manuel Battegay hat klare Vorstellungen: »Wir müssen auch für jüdische Familien, die dem Judentum etwas entfernter sind, attraktiv sein und ihnen eine Heimat bieten.« Helfen soll dabei, das Modell der Einheitsgemeinde weiterzuentwickeln. Für Battegay ist es »die schönste Form jüdischen Zusammenlebens«. Er möchte dieses Modell auch den zahlreichen vor allem englischsprachigen jüdischen Familien näherbringen, die wegen ihrer Arbeit nach Basel kamen, aber nur selten Mitglied der Gemeinde wurden.

Der Vater zweier erwachsener Kinder ist erst der zweite Mediziner auf dem Stuhl des Präsidenten der Basler jüdischen Gemeinde überhaupt.

In den USA, aber auch in Israel finden viele ihren Platz in einer Synagogengemeinde, die ihren religiösen Vorstellungen entspricht. Die Einheitsgemeinde, in der sowohl eher orthodoxe als auch eher liberale Kreise ihren Platz finden können sollen, ist ihnen oftmals völlig fremd.

erfahrung Nicht wenige Gemeindemitglieder dürften wohl überrascht gewesen sein, als sie erfuhren, dass der bekannte Arzt und Forscher bereit ist, sich in der IGB an vorderster Front zu engagieren.

Aufgrund seiner langjährigen Führungserfahrung im Basler Unispital und in internationalen medizinischen Organisationen habe er sich entschlossen, die neue Herausforderung anzunehmen, sagt Manuel Battegay im Gespräch. Tatsächlich zeigt sein Lebenslauf, dass er neben seinen medizinischen Schwerpunkten immer auch Leitungsfunktionen innehat: Nach dem Studium in seiner Geburtsstadt Basel absolvierte er Aufenthalte in den USA. Von 1990 bis 1993 arbeitete er im Labor des Immunologen Rolf Zinkernagel, der 1996 den Nobelpreis erhielt. Seit fast 17 Jahren leitet Battegay die Klinik Infektiologie und Spitalhygiene am Basler Universitätsspital. Daneben hat er noch Zeit gefunden, mit einigen anderen Autoren ein großes Buch über Aids in Basel (2018) herauszugeben.

Das Thema Aids ist einer der beruflichen Schwerpunkte Battegays. Vielen gilt er als einer der kompetentesten klinischen Aids-Forscher in Europa.

Was ihn besonders gefreut hat, ist die Reaktion seiner Vorgesetzten auf die Entscheidung, Gemeindepräsident zu werden. Sowohl der Direktor des Spitals als auch die Rektorin der Basler Universität hätten sein neues Engagement ausdrücklich begrüßt, erzählt Battegay. »Da fühle ich mich sehr gestützt und getragen.«

sparprogramm Natürlich sei ihm klar, dass die Gemeindearbeit ihn in den nächsten Jahren fordern werde. Die neun Vorstandsmitglieder müssen neue Strukturen entwickeln und ein Sparprogramm verabschieden, das vermutlich nicht nur gut ankommen wird, zumal der Weg zur Sanierung der Gemeindekassen über höhere Steuern ausgeschlossen scheint.

Das Thema Aids ist einer seiner beruflichen Schwerpunkte. Vielen gilt er als einer der kompetentesten klinischen Forscher in Europa.

Manuel Battegay und seine Vorstandskollegen sind gegen eine Erhöhung der Steuern. Helfen soll stattdessen, die Gemeindemitglieder stärker in die Kommis­sionen einzubinden. »Dort soll mehr entschieden werden. Gemeindemitglieder, die Kommissionsarbeit leisten, sollen sich ernst genommen fühlen«, findet Battegay.

Und was sagt er jenen Gemeindemitgliedern, die Basel doch verlassen, zum Beispiel, um wie jüngst wieder einige Familien, Alija zu machen? »Ich sehe es natürlich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wenn IGB-Mitglieder nach Israel gehen«, sagt er. »Aber klar: Israel ist auch eine spirituelle Heimat.«

Battegay hat eine Idee, wie auch die Auswanderung einer Gemeinde helfen könnte: »Wieso nicht in Israel einen Basler Freundeskreis gründen?« Genügend Mitglieder gäbe es sicher, davon ist er überzeugt.

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