Schweiz

Antisemitische Hetze in Zürich

Offener Antisemitismus in den Straßen von Zürich: An Bus- und Tramstationen in Zürich-Wollishofen sowie Zürich-Enge wurden am Mittwoch Plakate mit israelfeindlichem Inhalt gesichtet, auf denen in hebräischer Schrift zu lesen ist: »Mörder, wir wollen euch nicht hier haben.« Während auf einem der Plakate die palästinensische Flagge sowie die Zeilen »From the River to the Sea, Palestine will be free« zu sehen ist, säumt den anderen Schriftzug eine Karikatur.

Darauf fegt eine Palästinenserin mit einem Besen einen israelischen Soldaten und einen religiösen Juden vom Tempelberg, im Hintergrund sind die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom zu sehen. Die Karikatur bedient sich antisemitischer Klischees wie beispielsweise das Motiv der Hakennase. Ironischerweise wurde sie vermutlich einer Publikation der NGO »Palestinian Media Watch« entnommen, deren Ziel es ist, derartige antisemitische Karikaturen aufzuspüren.

Auch an der Synagoge an der Löwenstraße wurden Plakate angebracht

Auch an der großen Synagoge an der Löwenstraße in der Züricher Innenstadt, die sich unweit von den beiden anderen Standorten befindet, wurden Plakate angebracht. Sowohl am Haupt- als auch am Seiteneingang haben Unbekannte am Dienstag Poster mit anti-israelischem Inhalt in Bezug auf den Gaza-Konflikt angeheftet.

Diese Art von Hetze ist für Zürich neu. Vor allem, dass die Plakate in Gegenden, die von jüdischer Nachbarschaft geprägt sind, beziehungsweise direkt an einer Synagoge angebracht wurden, sorgt für Irritation unter der jüdischen Bevölkerung der Stadt.

Das bestätigt auch Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), auf Anfrage: »Problematisch ist vor allem die Verknüpfung von anti-israelischen Pamphleten mit einer jüdischen Institution in Zürich. Wir sehen hier die andauernde Vermengung von Israel, dem Nahostkonflikt und der jüdischen Gemeinschaft als Ganzes.« Nach der IHRA-Definition müsse die Aktion insofern auch als antisemitisch motiviert gewertet werden. Es sei traurig, dass solche Vorfälle bereits seit zwei Jahren und auch weiterhin Alltag in der Schweiz seien, so Kreutner weiter.

Weitere Informationen über den Urheber lägen dem SIG derzeit nicht vor. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass es Verbindungen zu übergeordneten Gruppen gibt.

Vermuteter Zusammenhang zwischen den Plakaten

Die Vermutung, dass ein Zusammenhang bestehe zwischen den Plakaten an den Haltestellen, liege nahe, könne aber nicht schlüssig belegt werden. »Für uns ist jenes Poster mit dem Kampfslogan ›From the River to the Sea‹ jedoch als klar antisemitisch zu werten«, sagt Kreutner.

Von einer veränderten Bedrohungslage für die jüdische Gemeinschaft in Zürich könne derzeit nach Meinung der Stadtpolizei nicht gesprochen werden. Derartige Vorfälle habe es bereits in der Vergangenheit gegeben. So bestätigte ein Sprecher auf Anfrage, aktuell gebe es »keine konkreten Hinweise auf eine erhöhte Gefährdung der jüdischen Institutionen in der Stadt«. Man beobachte die Lage jedoch sehr genau und stehe in engem Austausch mit der jüdischen Sicherheit in Zürich. »Sollte sich die Lage signifikant verändern, so würden weitere Maßnahmen umgesetzt«, so die Stadtpolizei weiter.

Lesen Sie auch

Auch Jonathan Kreutner stuft den Vorfall im Vergleich zu anderen nicht als außerordentlich beunruhigend ein. Grundlegend beunruhigend sei allerdings die Vielzahl der Vorkommnisse seit dem 7. Oktober 2023. »Die ganze Dynamik, die sich hier seither ungebremst entfaltet, verunsichert die jüdische Gemeinschaft und verbreitet weiter ein Gefühl der Bedrohung.« ja

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain

Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Der israelisch-britische Koch erinnert sich zum Filmstart von »Tony« an seine Begegnung mit seinem berühmten amerikanischen Kollegen

von Katrin Richter  21.08.2026

Schweiz

»Death to Zionism«: Anti-Israel-Demo sorgt in Basel für Unruhe

Ausgerechnet am Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses soll eine Kundgebung stattfinden, bei der die Vernichtung Israels propagiert wird

 20.08.2026

Wien

Sieben Tage vermisst

Das Verschwinden zweier Israelinnen löste eine groß angelegte internationale Suchaktion aus. Die Geschichte aus realer Angst, einer Nachrichtensperre und wilden Gerüchten hat zwei Versionen

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  19.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert

Portugal

Staatsanwaltschaft soll Antisemitismus-Vorwürfe an Universität Coimbra untersuchen

Auch auf dem Campus im Coimbra wird offenbar antisemitische Propaganda verbreitet. Ein jüdischer Student soll Todesdrohungen erhalten haben

 18.08.2026

USA

Die berühmteste Nähmaschine der Welt

Vor 175 Jahren ließ Isaac M. Singer seine »Sewing Machine« patentieren – und löste damit in der Textilindustrie und in Privathaushalten eine Revolution aus

von Sarah Thalia Pines  17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026