Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Mohammed Dahlan bei einem Treffen 2006 Foto: Flash 90

Es klingt eher nach einem Spionageroman als nach einer diplomatischen Routine-Begegnung: Ein israelischer Geheimdienstchef reist diskret in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort trifft er einen palästinensischen Machtpolitiker, der seit Jahren im Exil lebt, offiziell keine Funktion innehat – und trotzdem immer wieder auftaucht, wenn über die Zukunft Gazas gesprochen wird. Die Protagonisten dieser ungewöhnlichen Geschichte: Israels neuer Schin-Bet-Chef David Zini und Mohammed Dahlan, einst einer der mächtigsten Männer im Gazastreifen. Der Schauplatz: Abu Dhabi.

Mehrere israelische Medien berichteten am Dienstag, dass sich die beiden jüngst zu einem vertraulichen Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen haben. Offiziell bestätigt wurde die Begegnung nicht, der Shin Bet verweigerte eine Stellungnahme. Doch jeder einzelne Bestandteil dieses Treffens wirkt außergewöhnlich und wirft viele Fragen auf.

Warum ist die Begegnung so ungewöhnlich? Zum einen wegen der Rollen der Beteiligten. Der neue Schin-Bet-Chef gilt als nationalreligiös und wird politisch dem rechtsnationalen Lager zugerechnet. Er steht für ein politisches Umfeld, das palästinensischen Machtfiguren traditionell mit großem Misstrauen begegnet – erst recht einem Mann wie Dahlan, der seit Jahren außerhalb der offiziellen Strukturen agiert.

Dahlan ist seit Jahren kein amtierender Politiker mehr

Denn Dahlan ist kein amtierender Politiker, kein Regierungsmitglied und auch kein offizieller Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde. Dennoch zählt er seit Jahrzehnten zu den schillerndsten und zugleich umstrittensten Figuren der palästinensischen Politik.

Hinzu kommt der Ort. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in den vergangenen Jahren zu einem regionalen Machtzentrum entwickelt – und zunehmend auch zu einem Ort diskreter Gespräche. Seit den Abraham-Abkommen pflegen Israel und die Emirate enge Beziehungen. Hinter den Kulissen hat Abu Dhabi inzwischen mehrfach als Ort für sensible Kontakte und Sicherheitsgespräche gedient.

Worüber Zini und Dahlan gesprochen haben könnten, ist nicht bekannt. Offizielle Details gibt es nicht. Doch in politischen und sicherheitspolitischen Kreisen Israels kursiert seit Langem ein Thema: die Zukunft Gazas nach dem Krieg. Und genau hier fällt immer wieder der Name Mohammed Dahlan. Vielleicht ging es um Sicherheitsfragen. Vielleicht um Gaza. Vielleicht um die politische Ordnung nach Hamas oder um die Zeit nach Abbas.

Dahlans Name taucht seit Jahren immer wieder auf, wenn es um mögliche Nachfolger für PA-Präsident Abbas geht.

Der 64-jährige Dahlan stammt aus Khan Yunis im Gazastreifen und gehörte über Jahre zu den starken Männern der Fatah, der größten palästinensischen Bewegung und dominierenden Kraft innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Die von Yassir Arafat gegründete Organisation kontrolliert bis heute die Führung in Ramallah und steht seit Jahren in einem erbitterten Machtkampf mit der Terrororganisation Hamas, die den Gazastreifen beherrscht.

Dahlan leitete in den 1990er-Jahren die Präventivsicherheitskräfte der PA in Gaza und galt zeitweise als enger Vertrauter von Arafat. Später entwickelte er sich zu einem erbitterten Gegner der Hamas und wurde zu einer zentralen Figur im Machtkampf innerhalb der palästinensischen Führung.

Doch auch innerhalb der Fatah machte er sich Feinde. Vor allem sein Verhältnis zu Präsident Mahmoud Abbas verschlechterte sich im Laufe der Zeit dramatisch. Der Konflikt eskalierte und Dahlan wurde 2011 aus der Fatah ausgeschlossen. Er verließ die palästinensischen Gebiete und lebt seitdem im Exil in Abu Dhabi. Es heißt, er habe enge Beziehungen zur Führung der Emirate.

System um Abbas herum gilt als durch und durch korrupt

Trotz des Exils ist Dahlan politisch nie ganz verschwunden. Im Gegenteil: Sein Name taucht seit Jahren immer wieder auf, wenn es um mögliche Nachfolger für Abbas geht. Denn der ist mit 90 Jahren kaum mehr in der Lage, die Behörde zu führen. Zudem gilt das System um ihn herum als durch und durch korrupt. Die Frage nach der Zeit nach ihm wird also immer drängender. Dahlan gilt dabei für manche als möglicher Machtfaktor, für andere wiederum als Vertreter einer alten politischen Elite. Genau deshalb sorgt diese Zusammenkunft für Aufmerksamkeit.

Denn wenn sich Israels Geheimdienstchef und Mohammed Dahlan heimlich in Abu Dhabi treffen, geht es kaum um einen bloßen Austausch von Höflichkeiten. Solche Gespräche finden statt, wenn an politischen Szenarien gearbeitet wird, die die Zukunft der gesamten Region beeinflussen könnten – hinter verschlossenen Türen.

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