Covid-19

»Wir lassen uns nicht zu Lockerungen verführen«

Die Israelis haben das Einkaufen vermisst. Foto: Flash 90

Die Neuinfektionen mit Covid-19 »gehen in eine völlig andere Richtung«, meint Gesundheitsminister Yuli Edelstein (Likud). Am Montag sagte er in Jerusalem, dass die Regierung keine weiteren Erleichterungen des Lockdowns genehmigen werde, sollten die Zahlen weiter steigen.

Israel befindet sich seit 18. September in der zweiten nationalen Abriegelung, die nur schrittweise gelockert wird. Am Sonntag durften nach zehn Wochen zum ersten Mal wieder 400.000 Schüler der Oberschulen in ihre Klassenräume zurückkehren. Sie dürfen mindestens zweimal die Woche in den Schulgebäuden lernen. Auch hatten 15 Indoor-Einkaufszentren in verschiedenen Städten für Kunden geöffnet.

einkaufen Wochenlang waren bis auf Supermärkte, Drogerien und einige Fachgeschäfte alle Läden geschlossen. Das Einkaufen fehlte den Israelis offenbar sehr.

Denn nach der Wiedereröffnung bildeten sich besonders vor den Malls lange Schlagen. Die Zahl der Kunden, die sich zum selben Zeitpunkt in einem Geschäft aufhalten darf, ist derzeit noch immer stark limitiert. Am Mittwoch war sie von vier auf zehn angehoben worden.

»Ich war schockiert, als ich das Gedränge in den Einkaufszentren sah.«

Gesundheitsminister Yuli Edelstein

»Ich war schockiert, als ich das Gedränge in den Einkaufszentren sah«, sagte Edelstein. Man werde sich nicht dazu verführen lassen, weiter zu öffnen. Die steigenden Zahlen bedeuteten nicht, dass man sich in einer Woche wieder im totalen Lockdown befinde, »doch das Corona-Kabinett wird sehr klare Vorgaben für eine dritte Schließung verabschieden«.

LANDSLEUTE Auch Premierminister Benjamin Netanjahu machte klar: »Wenn es nötig ist, werden wir die Öffnungen stoppen und sogar wieder striktere Maßnahmen einführen.« Er forderte seine Landsleute auf, sich unbedingt an die soziale Distanz und das Tragen von Masken zu halten.

Nach Angaben des Ministeriums am Montag habe es am Tag zuvor 985 neue Fälle von Covid-19 gegeben. Die Positivrate der Tests lag bei 2,5 Prozent. In der Mitte der Woche zuvor habe sie 1,8 Prozent betragen. Die Gesamtzahl der Infizierten liegt in Israel mittlerweile bei rund 356.000. In den Krankenhäusern werden derzeit 263 Patienten behandelt, 114 müssen künstlich beatmet werden. 2864 Menschen sind an den Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus gestorben.

Auch die Armee reagiert auf die wieder steigenden Zahlen. In der vergangenen Woche waren 1000 Soldaten positiv getestet worden. Die Stabsführung erklärte, dass ein Großteil der Soldaten in den Militärkasernen wird bleiben müssen. Sie wurden aufgefordert, ihre Taschen für einen Aufenthalt von vier Wochen zu packen.

»Wenn es nötig ist, werden wir wieder striktere Maßnahmen einführen.«

Premier Benjamin Netanjahu

Derweil wurde bekannt, dass etwa Dreiviertel der Rückkehrer aus dem Ausland die Quarantäneregeln brechen. Das berichtete der israelische Fernsehkanal zwölf am Wochenende. Bei den Reisezielen handelt es sich um sogenannte rote Gebiete, in denen die Infektionszahlen hoch sind. Deutschland gehört derzeit auch dazu. Vor allem ankommende Israelis aus Griechenland, Türkei und Bulgarien hätten sich infiziert, heißt es.

QUARANTÄNE Derzeit gibt es keine Test-Pflicht für Rückkehrer ins Land. Die Vorgabe besagt, dass sie sich für 14 Tage in Heimisolierung begeben müssen, im Fall von zwei negativen Corona-Tests kann diese Zeit auf zwölf Tage verkürzt werden. Angeblich würde das Gesundheitsministerium jetzt in Erwägung ziehen, einen Covid-19-Test für alle Rückkehrer verpflichtend zu machen.

»Es gibt keinen anderen Ausweg als drakonische Maßnahmen, um dieses Phänomen zu bekämpfen«, wird Edelstein in Kanal zwölf zitiert. »Wie wir sehen, wird die Pandemie ins Land importiert. Das muss sofort gestoppt werden.«

Tel Aviv/Lod

Ben Gurion Airport: Nur jeder dritte Flug startet pünktlich

Die auf dem Flughafen geparkten Tanker der US-Luftwaffe sind nur einer von mehreren Gründen für ständige Verspätungen

 31.07.2026

Libanon

Reaktion auf Drohnenangriff: Israel sprengt Hisbollah-Tunnelsystem

Auslöser für die nun erfolgte Zerstörung sei ein Drohnenangriff der Hisbollah am Mittwoch gewesen, erklären Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz

 31.07.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026

Tel Aviv

»Und dann musste ich mein eigenes Grab schaufeln«

Über zwei Jahre lang war Evyatar David in Gewalt der Hamas. Jetzt berichtet er davon, wie er – ausgezehrt und geschwächt – sein eigenes Grab ausheben musste

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kairo

Verhandler sollen Fortschritte bei Hamas-Entwaffnung gemacht haben

Die Hamas signalisiert Bereitschaft, ihre Waffen unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung zu stellen. Im Gegenzug fordert sie einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Investition

Finanzierung für Stadtbahn im Norden steht

Von Haifa nach Nazareth mit der Bahn? Ab 2029 soll dies möglich sein. Das Projekt kostet viel Geld

 30.07.2026

Gaza

Zukunft ungewiss

Seit Monaten stagniert Trumps Gaza-Plan. Können ein israelisches Pilotprojekt in Rafah und das versprochene Ende der Hamas-Regierung daran etwas ändern? Eine Analyse

von Joshua Schultheis  30.07.2026