Nachrichten

Wetter, Katargate, Bevölkerung

Der Himmel leuchtete knallrot über Israel. Foto: Sabine Brandes

Wetter
Am Sonntagabend haben die Israelis erstaunt in den Winterhimmel geblickt: Minutenlang war nahezu das ganze Land in leuchtendes Rot, Purpur und Pink getaucht. Die ungewöhnlich intensiven Farbspiele zeigten sich von der Küste im Norden über Tel Aviv und Jerusalem bis in die Arava-Wüste. Viele machten von dem Wetterphänomen beeindruckende Aufnahmen, die in den sozialen Medien viral gingen. Meteorologen erklären das Lichtspektakel folgendermaßen: »Der Grund für die leuchtenden Farben waren starke, trockene Winde von Osten und hohe Zirruswolken in etwa sechs Kilometern Höhe«, so der Leiter des meteorologischen Dienstes, Amir Givati, auf der Nachrichtenseite »Ynet«. Diese dünnen Wolken würden aus Eiskristallen bestehen, die das Licht besonders effektiv brechen und streuen.

Katargate
Die israelische Polizei plant, Minister und hochrangige Beamte im Rahmen der »Katargate«-Ermittlungen vorzuladen. In der Affäre geht es vor allem um den Vorwurf, dass Berater aus dem unmittelbaren Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auch als bezahlte Lobbyisten für Katar tätig waren, um das Emirat am Golf in einem möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen. Katar war lange einer der wichtigsten Geldgeber der Hamas und galt Israel gegenüber als feindlich eingestellt. Seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Terrororganisation wurde Katar jedoch zu einem wichtigen Vermittler. Die Polizei gab an, ihre Ermittlungen abgeschlossen und die Akte an die Staatsanwaltschaft übergeben zu haben. Diese werde über eine Anklageerhebung oder weitere Schritte entscheiden.

Bevölkerung
Zum ersten Mal seit der Staatsgründung hat Israels Bevölkerungswachstum unter einem Prozent gelegen. Die genaue Zahl für 2025 beträgt 0,9 Prozent. Das meldete das Taub Center for Social Policy Studies in Jerusalem. Zur selben Zeit gab das staatliche Statistikamt die Zahl 1,1 Prozent bekannt. Der Direktor des unabhängigen Taub Center, Alex Weinreb, sprach von einem »ungewöhnlichen Wert«. Allerdings zeigen beide Zahlen einen Abwärtstrend, denn im Jahr zuvor hatte das Bevölkerungswachstum laut Statistikamt bei 1,6 Prozent gelegen, davor waren es 2,2 Prozent. Nur zwei weitere Jahre seit der Gründung Israels habe das jährliche Bevölkerungswachstum unter 1,5 Prozent gelegen, hieß es in dem Bericht des Taub Center: 1981 sank es auf 1,4 Prozent und 1983 auf 1,4 Prozent.

Geisel
Mehr als zwei Monate nach seiner Freilassung hat Elkana Bohbot über sein persönliches Schicksal als Geisel in der Gewalt der Hamas gesprochen. Der 36-Jährige wurde am 7. Oktober 2023 während des Massakers der Terroristen beim Supernova-Musikfestival entführt. Zu den verstörendsten Erlebnissen zählte er die erzwungene Teilnahme an einem inszenierten Video, das als Suizidversuch dargestellt werden sollte – Aufnahmen, die letztlich nie veröffentlicht wurden. »Sie haben uns absichtlich verletzt«, berichtet er. »Sie schnitten und schlugen uns, bis wir bluteten, und befahlen uns, so zu tun, als hätten wir versucht, uns umzubringen.« Laut Bohbot ging der Missbrauch weit über körperliche Gewalt hinaus. Seine Entführer manipulierten ihn wiederholt mit Lügen über seine Familie.

Proteste
Ein 14-jähriger ultraorthodoxer Junge ist am Dienstagabend getötet worden, drei weitere Personen wurden verletzt, als ein Bus in Jerusalem in eine Gruppe raste. Der Vorfall ereignete sich an einer stark befahrenen Kreuzung, wo Tausende von Charedim die Straßen blockierten, um gegen die Ausweitung der Wehrpflicht für streng religiöse Männer zu protestieren. Ersten Untersuchungen zufolge sei der Busfahrer von ultraorthodoxen Randalierern angegriffen worden, die ihm den Weg versperrten, bevor das Fahrzeug mehrere Personen erfasste. Er wurde festgenommen, die Behörden ermitteln weiter. Die Demonstration, an der Zehntausende teilnahmen, eskalierte, als es zu Straßenblockaden, Bränden und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Tel Aviv

Sirenen und Schlagzeilen

Unsere Israel-Korrespondentin Sabine Brandes über das Arbeiten im Ausnahmezustand

von Sabine Brandes  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Luftfahrt

El Al eröffnet größte koschere Fluglinien-Küche der Welt

El-Al-Chef Levi Halevi sagt, das Projekt sei Teil einer langfristigen Strategie zur Verbesserung des Reiseerlebnisses

 07.05.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Vollständige Koordination« mit den USA zu Iran

Israel bereite sich auf unterschiedliche Entwicklungen vor, sagt der israelische Ministerpräsident. »Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.«

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Nachrichten

Licht, Erfolg, Reise

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  06.05.2026

Wahlkampf

Alte Bekannte, neue Bündnisse

Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten

von Sabine Brandes  06.05.2026