Covid-19

Was bringt die Impfung tatsächlich?

Auch wenn Geimpfte keineswegs sicher sein können, von der Krankheit verschont zu bleiben, bleibt das Risiko eines schweren Verlaufs für Ungeimpfte deutlich höher. Foto: Getty Images/iStockphoto

Bei vielen Coronaskeptikern und Impfgegnern macht sich angesichts der neuesten Infektionszahlen aus Israel Häme breit. Dort sind in den letzten Tagen die Neuerkrankungen sprunghaft angestiegen.

Wirken die Impfstoffe, insbesondere die sogenannten mRNA-Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna, die in Israel verabreicht wurden, also doch nicht wie ursprünglich versprochen? Sind nicht zahlreiche der nun an Covid-19 Erkrankten bereits zweifach immunisiert? Ist die Lage in Israel nicht Beweis, dass die Impfkampagne, die jetzt auch in Deutschland nochmals forciert wird, wenig oder nichts bringt?

experten Gesundheitsexperten in Israel widersprechen solchen Aussagen energisch. Auch wenn die Wirksamkeit des Covid-19-Impfstoffs in den letzten Monaten etwas nachgelassen habe, so Nadav Davidovitch von der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva, seien vollständig Geimpfte fünf- bis zehnmal so gut geschützt gegen eine Coronainfektion wie jene, die sich der Spritze verweigerten.

Allerdings sei klar, dass jene, die schon Anfang des Jahres geimpft worden seien, heute etwas weniger gut geschützt seien als erst vor Kurzem Geimpfte, sagte Davidovitch, der auch Vorsitzender der Vereinigung von Ärzten für Volksgesundheit ist, der Tageszeitung »Haaretz«. Zudem sei die Delta-Variante des Coronavirus infektiöser als frühere Mutationen und könne womöglich auch schwerere Verläufe verursachen.

Sowohl der Zeitraum, der seit der Impfung vergangen sei, als auch das Alter eines Patienten beeinflussten die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken. In Israel sind bislang knapp zwei Drittel der Bevölkerung vollständig geimpft, bei den Erwachsenen sind es sogar 80 Prozent.

Wie viele von den aktuell rund 600 schwer an Covid-19 erkrankten und stationär behandelten Menschen geimpft sind, ist bislang nicht klar.

Wie viele von den aktuell rund 600 schwer an Covid-19 erkrankten und stationär behandelten Menschen geimpft sind, ist bislang nicht klar. Allerdings sagte Ministerpräsident Naftali Bennett am Dienstag, bei den 6000 Neuinfektionen handele es sich »zu 90 Prozent« um Personen, die älter als 50 Jahre seien.

Vor einigen Tagen berichteten Medien wie »Haaretz« und die »Financial Times« aber über genauere Zahlen des israelischen Gesundheitsministeriums. Demnach waren zum 8. August in der Gruppe der über 60-Jährigen 85,6 von 100.000 ungeimpften Menschen schwer an Covid-19 erkrankt. In der Vergleichsgruppe der Geimpften lag diese Zahl bei 16,3. Mit anderen Worten: Bei den älteren »Impfmuffeln« lag demnach das Risiko eines schweren Verlaufs um fünf Mal höher als bei jenen, die sich seit Dezember mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna hatten spritzen lassen.

ALTER Bei den Jüngeren ist der Abstand zwischen beiden Gruppen dagegen etwas geringer – allerdings liegen die schweren Verläufe dort insgesamt auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Von den Ungeimpften unter 60 Jahren erkrankten zuletzt 1,4 Menschen pro 100.000 Einwohner schwer an Covid-19, in der Gruppe der Geimpften lag diese Zahl dagegen nur bei 0,5.

Auch wenn Geimpfte keineswegs sicher sein können, von der Krankheit verschont zu bleiben, bleibt das Risiko eines schweren Verlaufs für Ungeimpfte deutlich höher. Und für alle steigt es mit zunehmendem Alter stark an.

Wenn sich der Rest der Bevölkerung impfen lasse und die Älteren ihren Impfschutz durch eine dritte Spritze auffrischen würden, könne man einen weiteren Lockdown vermeiden, sagte ein namentlich nicht genannter Offizieller der »Financial Times«. Impfstoff sei jedenfalls genug vorhanden. mth

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