Musik

Vom Kinderzimmer in Cholon in die US-Charts

Temper City Foto: Screenshot

Es sind diese Momente, da kann man es nicht mehr überhören. Dann, wenn ein Song plötzlich überall ist. Man öffnet TikTok, scrollt durch Instagram, klickt sich durch Spotify – und immer wieder taucht dasselbe Lied auf. »Self Aware« von Temper City ist genau so ein Lied. Eins, das sich fast unbemerkt angeschlichen hat und dann mit voller Wucht einschlug – bis in die Top 100 der Billboard Charts. Temper City ist damit die erste israelische Band, die es in die US-amerikanischen Charts geschafft hat.

Denn zwei der drei Musiker Chen Cordoba, Aviv Bernholz und Eitan Peled kommen aus Cholon. Die israelische Kleinstadt südlich von Tel Aviv mutet nicht unbedingt wie ein Inkubator für Welthits an. Und doch ist sie es offenbar. Denn mit dem englischen Titel »Self Aware« schafften es die drei jungen Israelis in die legendäre Musikauflistung. Aus dem Nichts ging es direkt auf Platz 91 der US-amerikanischen Charts.

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Ihr Ohrwurm kletterte bis an die Spitze der »Viral Charts«

Bevor er die internationalen Charts eroberte und auf Streaming-Plattformen bekannt wurde, ging der Song, der am 15. Februar veröffentlicht wurde, auf TikTok viral. Die Band hatte »Self Aware« bereits am 28. Januar angeteasert und kurze Clips von Aufnahmen mitten in der Wüste in den sozialen Medien gepostet. Und dann passierte das: Ihr Ohrwurm kletterte höher und höher bis an die Spitze der globalen Viral-Charts von TikTok und Spotify – etwas, das vor ihnen noch kein israelischer Künstler geschafft hatte.

Es folgten Platz eins in den USA, Kanada, England, Deutschland, Schweden und Australien. Sieben Millionen Streams, 131 Playlists, 125 Chartplatzierungen, zwei Millionen monatliche Hörer auf Spotify in weniger als einem Monat. Ein solides Fundament für das Album, das Temper City später in diesem Jahr veröffentlichen will.

»Und dabei hatten wir gar keine Erwartungen in diese Richtung«, sagte Bernholz anschließend in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung »Maariv«. Sie hätten einfach Musik machen wollen, »die sich für uns richtig anfühlt«.

Die Grundlage dafür wurde früh gelegt, nicht in großen Studios, sondern in den Kinderzimmern und später einem kleinen Proberaum in ihrer Heimatstadt. Dort begannen Cordoba und Bernholz schon als Kinder, Instrumente zu lernen, Lieder zu schreiben und Sounds auszuprobieren. Später arbeiteten sie als Produzenten für einige der bekanntesten Namen der israelischen Popmusik. Hits für andere zu schreiben war ihr Alltag – doch im Hinterkopf habe es den großen Wunsch nach einem eigenen Projekt gegeben.

Temper City: »Wir wollten nie in eine Schublade passen – uns ging es darum, etwas Ehrliches zu machen.«

Mit Peled kam schließlich die Stimme hinzu, die dem Ganzen eine neue Richtung gab. In den USA geboren, zwischen Tel Aviv und Los Angeles pendelnd, bringt er nicht nur internationale Erfahrung mit, sondern auch eine musikalische Vielseitigkeit, die den Sound von Temper City präge. Er ist sicher: »Wir haben schnell gemerkt, dass da etwas Besonderes entsteht, wenn wir zusammenarbeiten.«

Der Durchbruch kam fast beiläufig. Ein neuer TikTok-Account mit Null Followern und ein Video, hochgeladen ohne große Strategie. Was folgte, war ein digitaler Dominoeffekt: Der Song verbreitete sich, wurde tausendfach verwendet und millionenfach gehört. Und mittendrin begeisterte Kommentare wie dieser: »Das ist der beste Song, den ich je gehört habe«, schreibt jemand aus Moskau.

Der Song überschreitet Grenzen

»Auf einmal kommen Anfragen aus Märkten, mit denen wir vorher kaum Berührung hatten«, so Peled überrascht. »Das zeigt uns, dass der Song wirklich Grenzen überschreitet.« Und Cordoba fügt hinzu: »Wir sehen das nicht als Endpunkt, sondern als Startlinie für uns. Jetzt haben wir die Chance, wirklich zu zeigen, wer wir wirklich sind.«

Musikalisch bewegt sich Temper City in einer Mischung aus Indie-Einflüssen und modernem Rock-Track. Eingängige Produktion trifft auf eine gewisse Melancholie. So, wie sich die Band selbst fühlt: »Wir wollten nie in eine Schublade passen – uns ging es darum, etwas Ehrliches zu machen.«

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