Trauer

»Verzeih, dass ich dich in eine grausame Welt brachte«

Kfir war neun Monate alt, als er entführt wurde.

Kein Kinderlachen, kein Kuchen, keine Kerzen. Stattdessen Stille und unendliche Traurigkeit. Am Sonntag (18. Januar) wäre Kfir Bibas drei Jahre alt geworden. Wahrscheinlich hätte er ein Superhelden-Outfit geschenkt bekommen. Spiderman oder Captain America vielleicht. Dann wären er und sein Bruder Ariel, der große Batman-Fan, lachend durch ihren Kibbuz gefegt, während ihre orange-roten Haare im Wind wehen. Doch Kfir und Ariel feiern nicht. Sie wurden zusammen mit ihrer Mutter Shiri von palästinensischen Terroristen nach Gaza entführt und dort ermordet.

Am Geburtstag wandte sich sein Vater Yarden Bibas in den sozialen Netzwerken auf Hebräisch an seinen Sohn, den er nicht aufwachsen sehen durfte. Denn Kfir war nicht einmal ein Jahr alt, als er, Ariel und Shiri so unvorstellbar brutal aus ihrem Leben gerissen wurden.

In seinem Beitrag blickt der 35-Jährige auf Kfirs kurzes Leben zurück: von seiner Geburt über die ersten festen Mahlzeiten und den Moment, als er zu krabbeln begann, und zur Teilnahme an der Feier zum vierten Geburtstag seines älteren Bruders. »Du konntest deinen ersten Geburtstag nicht feiern«, so Bibas. »Wie soll ich denn nur deinen dritten begehen?«

Der Schmerz, sein Kind nicht beschützen zu können

»Es tut mir leid, dass ich dich in diese grausame Welt gebracht habe«, schreibt er weiter. Ein Satz, der vor Ohnmacht, Schuld und Liebe schreit. Er denke jeden einzelnen Tag an Kfir, stellt sich vor, wie er heute aussehen würde, wer er hätte werden können. Von dem Band zwischen Vater und Sohn – und dem unvorstellbaren Schmerz, sein Kind nicht beschützt zu haben.

Zu dem Text stellt er ein Foto, aufgenommen vor dem 7. Oktober. Es zeigt einen Moment aus einem früheren Leben: Auf einem Spielplatz im Sonnenschein hält Yarden Baby Kfir im Arm. Er schmiegt sein Gesicht an das seines kleinen Sohnes. Ein Bild glücklicher Normalität, die es nicht mehr gibt.

Kfir Bibas war neun Monate alt, als Terroristen in das Haus der Familie im Kibbuz Nir Oz eindrangen. Zusammen mit seiner Mutter Shiri und seinem vierjährigen Bruder Ariel wurde er entführt. Keiner der drei kehrte lebend zurück. Alle wurden in der Geiselhaft ermordet. Ihre Leichen wurden erst im Februar 2025 nach Israel überführt.

Yarden Bibas: »Du konntest deinen ersten Geburtstag nicht feiern. Wie soll ich denn nur deinen dritten begehen?«

Auch der Vater und Ehemann Yarden Bibas wurde am 7. Oktober – getrennt von seiner Familie – verschleppt und 484 Tage lang von der Hamas festgehalten. Während seiner Geiselhaft waren seine Frau und seine Kinder bereits tot. Als er zurückkehrte, war niemand von seiner jungen Familie mehr da.

Seit dem Tag des von der Hamas angeführten Massakers in südlichen israelischen Gemeinden mit mehr als 1200 Toten und 251 nach Gaza gekidnappten Menschen, ist die Familie Bibas zu einem der bekanntesten Symbole dieses Horrors geworden. Die Bilder von Shiri Bibas, die Ariel und Kfir während der Entführung an sich drückt, gingen um die Welt. Sie tauchten immer wieder auf Plakaten, bei Mahnwachen, auf Demonstrationen und in sozialen Netzwerken auf.

Später bestätigte Israel, dass Shiri und ihre Söhne von der sogenannten Mudschaheddin-Fraktion, offiziell Kataib al-Mudschaheddin genannt, entführt und ermordet wurden. Sie ist der bewaffnete Arm der palästinensischen Mudschaheddin-Bewegung und gehört zu den Organisationen, die Israel überfielen.

Vor einigen Wochen wurde nahe dem Kibbutz Tze’elim, in dem Yarden Bibas aufgewachsen ist, ein Erinnerungsort eingeweiht, »Bibas Fußabdrücke«. Der vom Architekten Zvika Pasternak entworfene Park zeigt Fußabdrücke, in Beton gegossen, von Shiri, Ariel und Kfir, eingebettet in sich ausweitende Kreise, die für Nähe und Verlust, für Freiheit und Gefangenschaft stehen.

Fußabdrücke für die Erinnerung an die drei ermordeten Menschen

Shiris Abdrücke sind die einer erwachsenen Frau, Ariel die eines vierjährigen Jungen und Kfir, der bei seiner Entführung noch nicht laufen konnte, krabbelt. Zu sehen sind Hand- und Knieabdrücke. Ein Anblick, der jedem Menschen das Herz bricht.

Bei der Einweihung sagte Yarden Bibas, es falle ihm noch immer schwer zu begreifen, wie aus dem privaten Schicksal seiner Familie ein weltweites Symbol geworden sei. »Wir waren vor dem 7. Oktober eine völlig anonyme Familie. Ganz normale Menschen. Jetzt ist ›Bibas‹ einer der bekanntesten Namen in Israel – und sogar weit darüber hinaus.«

Gegen Ende des Geburtstagsbeitrags schreibt er, dass er überzeugt sei, Kfir feiere seinen Geburtstag im Himmel, zusammen mit seiner Mutter Shiri, seinem Bruder Ariel und dem Familienhund Tony. »Ich bin sicher, Mama bereitet dir den schönsten und glücklichsten Geburtstag, den es gibt, so wie nur sie es kann.« In Anlehnung der Haarfarbe seiner Söhne Er fügt er drei orangefarbene Herz-Emojis hinzu und schließt: »Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt, für immer und ewig.«

Der Post des Vaters, der seinem kleinen Sohn gewidmet ist, holt das grauenvolle Schicksal der unschuldigen Opfer zurück in das Bewusstsein. Schmerzhaft markiert er die unerträgliche Leerstelle, die niemals wieder gefüllt werden kann. Dabei richtet sich Yarden Bibas nicht an die Öffentlichkeit, sondern an sein Kind. Ein Vater, der zu seinem Sohn spricht, der nie drei Jahre alt werden durfte. An einem Geburtstag, der niemals wieder gefeiert wird.

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