Nahost

USA und Israel weiten Angriffe aus – Teheran feuert weiter Raketen ab

Der amerikanische Armeekommandeur Brad Cooper mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die militärische Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Regime in Teheran hat in der Nacht eine neue Dimension erreicht. Während Washington von massiven Erfolgen seiner Luft- und Seestreitkräfte spricht, meldet die israelische Armee eine weitere breit angelegte Angriffswelle tief im iranischen Staatsgebiet. Zugleich gingen erneut Raketenalarme in Jerusalem und Teilen Zentralisraels los. Israelische und amerikanische Publikationen berichteten.

Das für den Nahen Osten zuständige US-Kommando United States Central Command (CENTCOM) erklärte, man habe im Rahmen der Operation »Epic Fury« seit Beginn der Offensive fast 2000 Ziele im Iran angegriffen und dabei mehr als 2000 Präzisionswaffen eingesetzt. 17 iranische Schiffe seien zerstört worden, darunter ein einsatzfähiges U-Boot.

CENTCOM-Chef Brad Cooper sprach von Angriffen »rund um die Uhr«. Der iranische Gegenangriff umfasse inzwischen über 500 ballistische Raketen und mehr als 2000 Drohnen. »Wir sehen, dass die Fähigkeit Irans, uns und unsere Partner zu treffen, abnimmt, während unsere Kampfkraft wächst«, sagte er. Weiter erklärte er: »Wir versenken die iranische Marine – die gesamte Marine.« Derzeit befinde sich kein iranisches Kriegsschiff mehr im Persischen Golf, in der Straße von Hormus oder im Golf von Oman.

Tote in Kuwait

Nach Angaben der USA sind mehr als 50.000 amerikanische Soldaten sowie über 200 Kampfflugzeuge im Einsatz – die größte US-Truppenkonzentration in der Region seit einer Generation.

Eine Polizeistation in Teheran wurde bei den Angriffen zerstört.Foto: picture alliance / Sipa USA

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte die Namen von vier der sechs Soldaten, die bei einem iranischen Drohnenangriff auf eine Logistikeinrichtung im Hafen von Shuaiba in Kuwait ums Leben kamen. Die Drohne durchbrach demnach die Luftabwehr und traf ein Containergebäude, in dem sich die Soldaten aufhielten. Berichten zufolge war die Einheit erst vor wenigen Tagen in das provisorische Gebäude verlegt worden.

Auch zivile Opfer wurden gemeldet. In Kuwait starb ein elfjähriges Mädchen, nachdem Trümmerteile bei einem iranischen Angriff ein Wohngebiet getroffen hatten.

Evakuierungen angeordnet

Iranische Drohnen trafen zudem Einrichtungen mit US-Bezug in der Golfregion. Die US-Botschaft in Riad wurde beschädigt. Berichten zufolge brach ein Teil des Daches ein. Zudem soll eine Einrichtung des US-Geheimdienstes im Irak Ziel eines Angriffs geworden sein. Verletzte habe es dort nicht gegeben.

Das Außenministerium in Washington gestattete derweil nicht dringend benötigtem Personal in Zypern, Saudi-Arabien und Oman die Ausreise. Die Maßnahme wurde mit Sicherheitsrisiken infolge der iranischen Vergeltungsangriffe begründet.

Parallel dazu setzte die israelische Armee ihre Luftoffensive fort. Die Streitkräfte teilten mit, man habe in Teheran Dutzende Kommandozentren der Basij-Miliz sowie Einrichtungen interner Sicherheitsorgane attackiert. Diese dienten dem Regime zur Kontrolle der Lage im Land. Zudem seien Raketenwerfer, Luftabwehrstellungen und logistische Einrichtungen der iranischen Armee getroffen worden.

Lesen Sie auch

Sirenen in Israel

In den frühen Morgenstunden heulten in Jerusalem, im Zentrum des Landes und in Teilen des Westjordanlands erneut die Sirenen. Die Armee sprach von weiteren Raketenstarts aus dem Iran. Nach ersten Angaben des Rettungsdienstes gab es zunächst keine Verletzten. Bewohner der nordisraelischen Grenzstadt Metula sollten wegen Raketenbeschusses aus dem Libanon jedoch weiter in Schutzräumen bleiben.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten unterdessen, man habe die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus. Jedes Schiff, das die Passage nutze, müsse mit Beschädigungen durch Raketen oder Drohnen rechnen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, die US-Marine sei bereit, Öltanker durch die Route zu eskortieren.

Laut amerikanischen Medien stehen kurdische Milizen an der iranisch-irakischen Grenze in Gesprächen mit Washington über ein mögliches Vorgehen gegen iranische Sicherheitskräfte im Westen des Landes. Ziel sei es, den militärischen Druck zu erhöhen und oppositionellen Kräften Spielraum zu verschaffen. Eine endgültige Entscheidung über Art und Zeitpunkt einer solchen Operation sei jedoch noch nicht gefallen.

Auch Saudi-Arabien meldete die Abwehr mehrerer Drohnen sowie zweier Marschflugkörper nahe Riad. Das Königreich kündigte an, »alle notwendigen Maßnahmen« zu ergreifen, um seine Sicherheit zu gewährleisten. im

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein…«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026