Ankara/Jerusalem

Türkischer Innenminister fordert »Befreiung« Jerusalems

Innenminister Mustafa Çiftçi mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan Foto: picture alliance / Anadolu

Israels Außenministerium und Verteidigungsminister Israel Katz haben den türkischen Innenminister Mustafa Çiftçi scharf zurückgewiesen, nachdem dieser auf einer Konferenz der Regierungspartei AKP in der Stadt Çorum eine »Befreiung« Jerusalems und die Rückkehr der Stadt unter türkische Kontrolle gefordert hatte.

Çiftçi hatte Medienberichten zufolge in seiner Rede erklärt: »So wie wir die Befreiung von Damaskus, Aleppo und Karabach erlebt haben, werden wir mit Gottes Willen eines Tages auch die Befreiung Jerusalems erleben.« Er bezog sich dabei auf den Sturz des Assad-Regimes in Syrien im Dezember 2024 durch türkisch unterstützte Rebellen sowie auf die aserbaidschanische Rückeroberung von Bergkarabach 2023.

»Wie in der Vergangenheit werden diese Länder wieder uns gehören«, fuhr Çiftçi fort. Mit Gottes Willen würden sie »wieder unter unsere Souveränität und Herrschaft kommen« — und das, so Çiftçi, weil die Türkei mit Recep Tayyip Erdoğan »einen globalen Staatsmann« an der Spitze habe.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Nachdem Çiftçi einen Ausschnitt seiner Rede auf seinem X-Account veröffentlicht hatte, reagierte das israelische Außenministerium umgehend. «Das korrupte Osmanische Reich ist verschwunden. Für immer», schrieb das Ministerium und forderte den Minister auf, «aufzuwachen». Jerusalem werde «für immer die ewige Hauptstadt Israels bleiben».

Verteidigungsminister Katz reagierte in einer auf Türkisch verfassten Erklärung auf X: «Jerusalem ist nicht Konstantinopel, und der Staat Israel ist kein zerfallenes Kreuzfahrerreich.» Israel sei «ein starker und entschlossener Staat, der seine Fähigkeit bewiesen hat, sich gegen jede Bedrohung zu verteidigen.» Jerusalem sei seit 3000 Jahren die Hauptstadt des jüdischen Volkes und werde dies für immer bleiben.

An Erdoğan gerichtet, fügte Katz hinzu: «Sie haben nichts aus dem Erbe Atatürks gelernt, der die Türkei in einen modernen Staat verwandeln wollte. Im Gegenteil: Sie arbeiten daran, die Türkei in eine dunkle und rückständige Ära zurückzuführen.»

Lesen Sie auch

Die israelisch-türkischen Beziehungen, die einst zu den engsten Israels in der Region gehörten, haben sich seit dem Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 drastisch verschlechtert. Erdoğan gehört zu den schärfsten Kritikern Israels unter den Staats- und Regierungschefs weltweit. Er hat Israel Völkermord und Kriegsverbrechen vorgeworfen, die Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs gegen israelische Politiker begrüßt und die UN aufgefordert, den Einsatz von Gewalt gegen Israel zu empfehlen.

Erdoğan hat die Hamas-Terroristen als Freiheitskämpfer bezeichnet, Israel mit Nazi-Deutschland verglichen sowie Premierminister Benjamin Netanjahu mit Hitler gleichgesetzt. im

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026