Türkei

Ehemalige israelische Soldatin in Istanbul festgenommen

Israelische Soldatinnen (2018) Foto: Copyright (c) Flash90 2017

Eine ehemalige Soldatin der israelischen Armee mit israelisch-türkischer Doppelstaatsbürgerschaft ist während eines Familienbesuchs in Istanbul vorübergehend festgenommen worden. Nach mehreren Tagen unter Hausarrest konnte sie das Land verlassen und nach Israel zurückkehren. Israelische Medien berichten, dass diplomatische Bemühungen – auch seitens der USA – zu ihrer Freilassung geführt hätten.

Die Frau, deren Name nicht veröffentlicht wurde, war vergangene Woche in Gewahrsam genommen worden. Grundlage war offenbar ein türkisches Gesetz, das Staatsbürgern den Dienst in ausländischen Streitkräften untersagt. Nach einigen Stunden in einer Haftanstalt wurde sie unter Hausarrest gestellt.

Der Festnahme ging eine Online-Kampagne israelfeindlicher Aktivisten in der Türkei voraus. Diese hatten persönliche Informationen der Frau verbreitet und sie als Angehörige der »zionistischen Armee« bezeichnet. In Beiträgen in sozialen Netzwerken forderten sie die Behörden auf, Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Gesetze zu Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuleiten.

Belastetes Verhältnis

Auslöser der Kampagne soll ein Bericht über die Zahl von Doppelstaatlern in den Reihen der israelischen Armee gewesen sein. Aktivisten konzentrieren sich nach Medienangaben insbesondere auf Soldatinnen mit doppelter Staatsangehörigkeit und veröffentlichen gezielt Details zu deren militärischem Werdegang.

Lesen Sie auch

Israels Außenminister Gideon Sa’ar schaltete sich in den Fall ein und führte demnach Gespräche mit internationalen Partnern. Auch die US-Regierung übte nach israelischen Berichten Druck auf Ankara aus. Schließlich durfte die Frau in ein Drittland ausreisen und kehrte von dort unter Begleitung israelischer Stellen nach Israel zurück.

Der Vorfall sorgt in Jerusalem für zusätzliche Anspannung im ohnehin belasteten Verhältnis zur Türkei. Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Massaker der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 haben sich die Beziehungen deutlich verschlechtert.

Angebliche Kriegsverbrechen

Erst Anfang des Monats war bereits eine andere Israelin in der Türkei festgenommen worden. In diesem Fall ging es Berichten zufolge um den Vorwurf, sie habe die türkische Flagge geschändet und Präsident Recep Tayyip Erdogan beleidigt.

International versuchen zudem verschiedene Gruppen, israelische Soldaten bei Auslandsreisen juristisch belangen zu lassen. Besonders aktiv ist dabei die in Belgien ansässige Hind Rajab Foundation. Die Organisation sammelt über soziale Netzwerke Informationen über Soldaten und stellt in europäischen Ländern Strafanzeigen wegen angeblicher Kriegsverbrechen. im

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026