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1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Der Moment, in dem ein Mensch seine Geschichte erzählt, ist einzigartig. Gleichsam ist er oft kurzlebig. Denn Erinnerungen verblassen – doch Aufzeichnungen bleiben. Mit der Frage, wie sich Tausende von Zeugenaussagen bewahren, zugänglich machen und viele Jahre später noch hörbar- und sichtbar sein können, befassen sich die Hebräische Universität Jerusalem (HU) und Edut 710. Da die Welt an diesem Donnerstag des 1000. Tages seit den Massakern vom 7. Oktober gedenkt, haben sie ein KI-gestütztes Archiv für die Zeugnisse der Überlebenden auf den Weg gebracht.

Fast 2000 Überlebende, Augenzeugen, Ersthelfer, Hinterbliebene und freigelassene Geiseln haben seit dem 9. Oktober 2023 ihre Erlebnisse vom Schwarzen Schabbat geschildert. Als Tausende von Terroristen, angeführt von der Hamas in Gaza, Blutbäder in südlichen israelischen Gemeinden mit mehr als 1200 Toten und 251 Geiseln anrichteten. Es sei dringender denn je, »die Stimmen derer zu bewahren, die diesen Tag miterlebt haben«, so die HU.

KI-gestütztes Archiv mit Zeugenaussagen zum 7. Oktober

Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben die Hochschule und Edut 710 (übersetzt Zeugenaussage 710) eine Vereinbarung unterzeichnet, um ein KI-gestütztes Archiv mit Zeugenaussagen zum 7. Oktober aufzubauen. Das von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Digitale Geisteswissenschaften der HU entwickelte Archiv wird im Oktober 2026, dem dritten Jahrestag der Anschläge, offiziell eröffnet.

Seit dem 9. Oktober 2023 hat Edut 710 fast 2000 Zeugenaussagen von Überlebenden, Augenzeugen, Ersthelfern, Hinterbliebenen und freigelassenen Geiseln dokumentiert. Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Stimmen zugänglich zu machen und es Pädagogen, Forschern, Museen, Künstlern, Kuratoren und der breiten Öffentlichkeit zu ermöglichen, die individuellen Geschichten zu entdecken und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, die gemeinsam das kollektive Gedächtnis des 7. Oktober prägen.

Gil Levin, Geschäftsführer von Edut 710, bezeichnet es als »unsere Mission, die Stimmen der Überlebenden und Zeugen zu bewahren«. Damit diese Stimmen weiterhin direkt und auf bedeutsame Weise den Menschen begegnen, wie er sagt.

Gil Levin: »Es ist unsere Mission, die Stimmen der Überlebenden und Zeugen zu bewahren.«

Das Archiv ist als »lebendiges Archiv der Gegenwart« konzipiert. Statt lediglich als Speicherort für Zeugnisse zu dienen, ermöglicht es den Nutzern, Tausende von Augenzeugenberichten in natürlicher Sprache zu erkunden. Mithilfe künstlicher Intelligenz, die »exklusiv mit der wachsenden Sammlung von Zeugenaussagen von Edut 710 trainiert wurde«, können Nutzer die Berichte durchsuchen, in mehrere Sprachen übersetzen, wiederkehrende Themen und Erfahrungen identifizieren sowie Geschichten über Orte, Personen und Ereignisse hinweg miteinander verknüpfen. Gleichzeitig würde die »Integrität einer jeder einzelnen Aussage gewahrt werden«, wie die Initiatoren betonen.

Das digitale Archiv umfasst Transkripte, Metadaten, Übersetzungen und verwandte Materialien und werde durch »die technologische Infrastruktur und die akademische Expertise der Geisteswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Digitale Geisteswissenschaften« gepflegt, erklärt die HU. Es würden dabei höchste ethische und akademische Standards angewandt.

Ehemalige Geisel Ilana Gritzewsky spricht vor Menschenrechtsrat

»Eine der wichtigsten Aufgaben der Hebräischen Universität ist es, Wissen zu bewahren und es der Gesellschaft zugänglich zu machen«, sagt die so die HU-Professorin für Rechts- und Digitale Geisteswissenschaften. »Die Zeugenaussagen vom 7. Oktober gehören zu den bedeutendsten Dokumenten der Menschheitsgeschichte. Und gemeinsam mit Edut 710 schaffen wir ein lebendiges Archiv der Gegenwart, das sicherstellt, dass jede Aussage sowohl eine individuelle Geschichte als auch Teil eines größeren Wissenskorpus bleibt, aus dem Pädagogen, Forscher, Künstler, Museen und zukünftige Generationen weiterhin lernen können.«

Wie wichtig der unmittelbare Zugang zu Augenzeugenberichten ist, hat sich auch in den vergangenen Wochen erneut gezeigt. Als die ehemalige Geisel Ilana Gritzewsky vergangene Woche vor dem UN-Menschenrechtsrat sprach, sagte sie: »Ich stehe heute hier – nicht als Bericht, nicht als Statistik. Ich bin der lebende Beweis.«

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