Abkommen

Tamir und Bipin sind tot

Es ist die Botschaft, die sie nie bekommen wollten. Nach mehr als zwei Jahren der völligen Ungewissheit haben die Nimrodis die traurige Nachricht erhalten, dass ihr Sohn Tamir, eine Geisel in Gaza, tot ist. Der 18-jährige Soldat wurde am 7. Oktober 2023 von seinem Stützpunkt in der Nähe des Grenzübergangs Erez als Geisel genommen – und seitdem gab es nicht ein einziges Lebenszeichen. Am Dienstag wurde sein Leichnam nach Hause überführt.

Tamir Nimrodi kam zusammen mit den Leichen von Eitan Levy und Uriel Baruch nach Israel. Die Hamas hatte zudem eine vierte Leiche übergeben, die, wie sich später herausstellte, keine Geisel war.

Alon Nimrodi, Tamirs Vater, sagte im Fernsehkanal 12, er fühle sich »glücklich«, endlich eine Bestätigung erhalten zu haben, und betonte, der »Kampf« sei aber erst vorbei, wenn alle restlichen noch von der Hamas festgehaltenen Geiseln nach Israel zurückgebracht seien. Auf die Frage, ob die endgültige Nachricht vom Schicksal seines Sohnes Erleichterung bringe, sagte Alon, die Familie sei sehr erleichtert, Tamirs Leichnam erhalten zu haben.

Tamir Nimrodi war erst 18 Jahre alt

»Dies ist der Moment, den wir so gefürchtet haben, der Moment, an dessen Eintreten ich nicht geglaubt habe«, sagte er. »Die ganze Zeit habe ich gesagt, wenn auch nur die geringste Chance bestünde, würde ich alles daransetzen, damit Tamir gesund und munter nach Hause kommt. Doch leider kam es anders.«

Das Forum für die Familien der Geiseln berichtete, dass kurz nach seiner Entführung eine von Nimrodi an sich selbst verfasste Notiz in seinem Zimmer gefunden wurde. Darin stand: »So vielen Menschen wie möglich helfen, soziale Verbindungen herstellen und niemandem wehtun.« Der junge Israeli hinterlässt seine Eltern Herut und Alon sowie seine Schwestern Amit und Mika.

Am Mittwochmorgen waren bereits die Leichen von Bipin Joshi, Yossi Sharabi, Daniel Peretz und Guy Ilouz überführt worden. Ein Freund von Joshi erzählte nach der Bekanntgabe, dass der junge nepalesische Landwirtschaftsstudent während des Hamas-Angriffs eine Granate aus dem Bunker aufgehoben und hinausgeworfen und dadurch sein Leben gerettet habe. Die Familie des 24-Jährigen schrieb anschließend: »Unser Bipin ist ein Held.« Doch mit der Nachricht seines Todes »ist uns ist der Boden unter den Füßen weggezogen worden«.

Michel Ilouz: »Mein Guyschuk, es fällt mir schwer, mir eine Zukunft ohne dich vorzustellen. Sie haben meine Seele und mein Herz ermordet.«

Daniel Peretz war ein in Südafrika geborener Soldat. Er war mit dem lebend aus der Geiselhaft zurückgekehrten Matan Angrest in dem Panzer gewesen, der am Morgen des 7. Oktobers stundenlang gegen die Terroristen an der Grenze zu Gaza gekämpft hatte. Peretz, der nur 22 Jahre alt war, wurde am Mittwochabend auf dem Herzlberg in Jerusalem beigesetzt. Der am Montag freigelassene Angrest war bei der Beisetzung seines Kommandanten dabei und verabschiedete ihn mit den Worten: »Ich bin stolz darauf, wie wir Israel an diesem Tag verteidigt haben.«  

Yossi Sharabi (53) ist der Bruder der ehemaligen Geisel Eli Sharabi. Die beiden Männer wurden aus ihrem Kibbuz Be’eri entführt. Eli Sharabi kam im Februar frei. Yossi starb nach Angaben der ehemaligen Geisel Noa Argamani beim Einsturz eines Hauses nach dem Beschuss der israelischen Armee in Gaza. »Du hast mich beschützt«, schrieb Argamani, nachdem Sharabis Leiche nach Israel überführt wurde.

Guy Ilouz, der am 7. Oktober 2023 lebend vom Nova-Festival geborgen wurde und in Gaza an den Folgen von durch Terroristen verursachte Schussverletzungen starb, wurde am Mittwoch auf einem Friedhof in Zentralisrael beigesetzt.

Guys Vater Michel verabschiedete sich in einer emotionalen Rede: »Mein Guyschuk, es fällt mir schwer, mir eine Zukunft ohne dich vorzustellen. Sie haben dich mir entrissen. Sie haben dich ermordet. Sie haben mich entführt, meine Identität gestohlen und meine Seele und mein Herz ermordet.« Guy sei zu »seiner Erde und seinen Wurzeln zurückgekehrt«. Ilouz stammte aus Raanana, war Tontechniker und studierte Psychologie und Philosophie.

Die Geisel Maya Regev war bei Guy Ilouz, als er starb

Sein Vater erwähnte bei der Beerdigung auch die Aussage der ehemaligen Geisel Maya Regev, die am 7. Oktober als Geisel genommen und im November 2023 im Rahmen des ersten Waffenstillstandsabkommens freigelassen wurde. Regev hatte berichtet, dass sie in seinen letzten Tagen zusammen mit Ilouz in einem Krankenhaus im Gazastreifen festgehalten wurde. Nachdem Maya Regev freigelassen worden war, sagte sie, dass Guy nicht mehr am Leben sei.

Am späten Mittwoch wurden zwei weitere Leichen von der Hamas an das Rote Kreuz übergeben und nach Israel gebracht. Die Identifizierung dauert derzeit noch an.

Die Hamas veröffentlichte am späten Mittwochabend eine neue Erklärung, in der sie bestätigt, dass 19 Leichen israelischer Geiseln noch nicht geborgen worden seien. Die Terrororganisation gab jedoch an, nun alle ihr zugänglichen Leichen übergeben zu haben. Die Bergung der restlichen Leichen werde »erhebliche Anstrengungen und Spezialausrüstung« erfordern, so die Hamas.

Israelische Beamte wiesen die Behauptung zurück und erklärten, die Gruppe sei in der Lage, die Überreste von mindestens zehn weiteren Geiseln zu bergen. Ihrer Meinung nach handelt die Hamas nicht in Einklang mit dem aktuellen Waffenstillstandsabkommen. In den kommenden Tagen werden ägyptische und türkische Teams voraussichtlich im Gazastreifen nach weiteren sterblichen Überresten suchen. Israel hat den Vermittlern genaue Koordinaten mitgeteilt, wo die Leichen der Geiseln begraben sein könnten, warnte jedoch, dass der Prozess wohl Wochen in Anspruch nehmen werde.

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026