Wetter

Sturzfluten in Israel

Auch in Jerusalem hat der Winter Einzug gehalten. Foto: Flash90

Nach Rekordtemperaturen im November folgten in Israel nach den ersten Winterregen Überschwemmungen in mehreren Teilen des Landes und Sturzfluten in der Wüste. Ein heftiger Sturm brachte Starkregen, Überschwemmungen und weitreichende Beeinträchtigungen, vor allem für Autofahrer, im ganzen Land. Die Winterfront traf über Nacht ein und beendete eine Phase ungewöhnlicher Hitze mit Donner, Blitz und heftigen Regenfällen.

In Neve Tzuf im Westjordanland verzeichneten Meteorologen 128 mm Regen in nur vier Stunden – ein neuer lokaler Rekord für dieses Datum. In Ariel fielen im gleichen Zeitraum fast 100 mm Regen, was die Entwässerungsanlagen überlastete und zu zahlreichen Notrufen führte. Ein Teil der Trennmauer zwischen Israel und dem palästinensischen Westjordanland stürzte durch starke Stürme der Nacht zum Dienstag ein.

Straßen mussten gesperrt werden

Auch im Süden des Landes, vor allem im Raum Beer Schewa und der Wüste Judäa, kam es zu erheblichen Überschwemmungen und Sturzfluten, insbesondere entlang Abschnitten der Bundesstraßen 90 und 40. Polizei und Feuerwehren mussten Straßen sperren und eingeschlossene Autofahrer retten. Heftige Winde verursachten in Teilen des Südens auch Schäden an Gebäuden.

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Sturzfluten können nach starken Regenfällen jederzeit und schnell auftreten, vor allem nach extremer Trockenheit, selbst wenn es an dem Standort noch nicht regnet. In Wüstenlandschaften können Sturzfluten entstehen, wenn starke Regenfälle nicht im Wüstensand versickern. Dabei können wilde Fluten entstehen, die alles mit sich reißen, was im Weg ist. Oft sind in Israel dabei Menschen ums Leben gekommen, weil die Gefahr oft unterschätzt wird.

Im Bezirk Haifa, einschließlich Kiryat Tivon, kam es zu Stromausfällen, Einsatzkräfte waren stundenlang unter extrem stürmischen Bedingungen mit der Reparatur beschädigter Leitungen beschäftigt. Auch hier mussten Pkw-Fahrer, die feststeckten, gerettet werden.

Dafna Halevi: »Die Leute unterschätzen, wie schnell ein Tal vom Regen volllaufen kann. «

Laut Dafna Halevi, Leiterin der polizeilichen Rettungskoordination im nördlichen Bezirk, habe der plötzliche Sturm viele Autofahrer unvorbereitet getroffen. »Wir hatten innerhalb weniger Stunden Dutzende von Vorfällen. Die Leute unterschätzen, wie schnell ein Tal vom Regen volllaufen kann und wie groß dann die Gefahr sein kann. Wir appellieren an die Bevölkerung: Wenn eine Straße gesperrt ist, hat das seinen Grund.« Die Behörden hätten zwar gewusst, dass der Regen kommen würde. »Aber nicht so. Innerhalb weniger Minuten stand unser gesamter Parkplatz unter Wasser.«

Viele freuten sich aber auch über die Abkühlung nach der extremen Hitze dieses Monats. Bis zu den Regenfällen hatte Israel eine November-Hitzewelle erlebt – mit den höchsten Werten seit Wetteraufzeichnung. Die Temperaturen kletterten an der Küste auf bis zu 34 Grad, im Jordantal sogar auf mehr als 36 Grad, teilweise bis zu zehn Grad über dem saisonalen Durchschnitt.

Der Klimaforscher Lior Sharoni von der Universität Tel Aviv meint, dass man diese abrupten Wetterextreme nicht als Einzelfälle betrachten dürfe. »Diese Art von Wetterumschwung – extreme Hitze gefolgt von heftigen Niederschlägen – tritt im östlichen Mittelmeerraum immer häufiger auf. Nach Hitzewellen kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen, wodurch Stürme heftiger und abrupter werden.«

Weitere Hochwasserwarnungen für Küstenebene

Der israelische Wetterdienst gab weiterhin Hochwasserwarnungen für die Küstenebene, die Judäische Wüste, das Tote-Meer-Becken und die Negev-Wüste heraus. Die Kommunen entsandten zusätzliche Einsatzkräfte, um Abflüsse freizuräumen und die Infrastruktur zu sichern.

Unterdessen erneuerten Umweltgruppen ihre Forderungen nach modernisierten Entwässerungssystemen. Jael Mor, Sprecherin von Green Horizon, sagte: »Unsere Städte sind nicht für die Art von Regen ausgelegt, die wir jetzt fast jeden Winter erleben. Ohne langfristige Planung wird jeder Sturm zu einem Notfall statt zu einem beherrschbaren Ereignis.«

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