EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 53 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze

Nahost

Stehen die Zeichen auf Krieg?

Israelische und US-amerikanische Militärs trafen sich am Samsatag in Jerusalem. Foto: IDF-Spokesperson

Die israelische Armee ist bereits seit Tagen in erhöhter Alarmbereitschaft. Nach dem Besuch des Kommandeurs des US-amerikanischen Zentralkommandos (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, ist die Anspannung im Land noch weiter gestiegen. Cooper war am Samstag mit Generalstabschef Eyal Zamir in Jerusalem zu einem »persönlichen und langen Treffen« zusammengekommen, wie die IDF später erklärte.

Die Gespräche hätten die »enge strategische Beziehung zwischen der IDF und dem US-Militär« weiter gestärkt, fügte sie hinzu, ohne nähere Details zu den Inhalten zu geben. Zamir selbst hatte zuvor öffentlich in einer Reihe von Auftritten die Fähigkeit der IDF betont, auf »mehrfrontige Bedrohungen« zu reagieren und unterstrich die Vorbereitung selbst auf unvorhergesehene Szenarien.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Nevatim sagte der Stabschef, Israel sei »bereit, kraftvoll in jedem Einsatzbereich zuzuschlagen, gegen jeden Feind, der die Sicherheit des Staates Israel bedroht« und verwies auf die im vergangenen Jahr gesammelte Erfahrung im Konflikt mit dem Iran.

Keine neuen Anweisungen des Heimatfrontkommandos

Ob all diese Schritte tatsächlich auf einen unmittelbar bevorstehenden Schlag gegen den Iran hindeuten, bleibt offen. Bislang hat das Heimatfrontkommando keine neuen Anweisungen für die Bevölkerung herausgegeben. Fest steht jedoch, dass Israel seine militärische Vorbereitung anpasst und zusammen mit den USA strategische Verbindungen aktiviert.

Inmitten der wachsenden Spannungen zwischen dem Iran, den USA und Israel hat der Leiter der iranischen Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) eine Warnung ausgesprochen, die nicht nur in Israel, sondern weltweit für Aufsehen sorgt. Mohammad Pakpour erklärte, die Revolutionsgarden seien »mehr bereit als je zuvor, den Finger am Abzug zu haben« und würden die Anweisungen ihres Obersten Anführers »ausführen«, wie staatlich kontrollierte Medien aus Teheran berichteten. Pakpour richtete seine Worte ausdrücklich an die USA und Israel und forderte beide auf, »Fehlkalkulationen zu vermeiden«.

Ende Dezember 2025 begannen im Iran landesweite Proteste, zunächst wegen der Wirtschafts- und Währungskrise, die sich später auch klar gegen die Regierenden richteten. Doch wie bei vorherigen Volksaufständen wurde auch dieser blutig vom Regime niedergeschlagen.

Stabschef Eyal Zamir: »Israel ist bereit, kraftvoll in jedem Einsatzbereich zuzuschlagen, gegen jeden Feind, der unsere Sicherheit bedroht.«

Jüngste Berichte deuten dabei auf ein deutlich höheres Ausmaß der Gewalt hin. Wie das US-Magazin Time berichtet, erklärten zwei hochrangige, namentlich nicht genannte Beamte des iranischen Gesundheitsministeriums, dass allein zwischen dem 8. und 9. Januar rund 30.000 Menschen getötet worden seien. Diese Zahl liegt weit über den offiziellen Angaben der iranischen Regierung, die zuletzt von 3.117 Todesopfern sprach.

Time betont, dass die Angaben der Gesundheitsbeamten nicht unabhängig verifiziert werden konnten, weist jedoch auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen den internen Schätzungen und den öffentlich kommunizierten Zahlen hin.

Teheran sieht sich selbst in einer defensiven Position und stellt jede mögliche militärische Aktion gegen sich als existenzielle Bedrohung dar. Ein hoher iranischer Beamter sagte gegenüber internationalen Nachrichtenagenturen, dass »jeglicher Angriff auf Iran als umfassender Krieg gegen uns behandelt wird«.

Am Samstagabend berichtete das regimekritische Medium »Iran International«, dass Irans oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei in einen »speziellen unterirdischen Schutzraum in Teheran« verlegt worden sei. Dem Bericht zufolge erfolgte der Schritt nach Lageeinschätzungen hochrangiger Militär- und Sicherheitsvertreter des Regimes, die vor einem »erhöhten Risiko eines möglichen amerikanischen Angriffs« gewarnt hätten. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran gibt es nicht.

Trump spricht von »massiver Flotte« in Richtung Nahost

Die Aussagen fallen in eine Phase intensiver strategischer Bewegungen. Die USA verstärken ihre militärische Präsenz in der Region, unter anderem durch den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, der sich in Richtung Naher Osten bewegt. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor von einer »massiven Flotte« gesprochen, die sich in die Region bewegt. Er fügte hinzu, sie sei auf dem Weg dorthin »nur für den Fall, dass wir sie brauchen«.

Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran sind nicht neu, sie verschärften sich in den vergangenen Jahren vor allem im Angesicht des Atomprogramms, der imperialistischen Bestrebungen und massiven Terrorunterstützung durch das Regime in Teheran zusehends. Die Mullahs machten immer wieder klar, »Israel von der Landkarte löschen« zu wollen.

Im Juni 2025 kämpften Israel und Iran zwölf Tage lang. Hunderte israelischer Kampfjets griffen Dutzende Ziele im Iran an und nahmen dabei auch das iranische Raketen- und Atomprogramm ins Visier. Gleichzeitig reagierte der Iran mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen gegen die zivile Bevölkerung in israelischen Städten.

Israel

Dafür stehen die arabischen Parteien in Israel

Die arabisch geprägten Parteien in Israel haben bei der Parlamentswahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Wofür setzen sie sich ein, was sind ihre Ziele?

 28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber wehren sich mit dem Stimmzettel gegen den Sicherheitsminister – und könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026