Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

Französische Olim bei der Ankunft am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (2016) Foto: imago/UPI Photo

Genaue Zahlen gibt es nicht und werden staatlicherseits in Frankreich auch nicht erhoben. Gesichert ist aber, dass knapp eine halbe Million Juden noch in Deutschlands größtem Nachland leben. Frankreich hat damit weiterhin die größte jüdische Gemeinschaft in Europa und die drittgrößte weltweit nach Israel und den USA. Doch immer mehr Juden kehren dem Land den Rücken.

Vergangene Woche gab die israelische Regierung bekannt, dass im vergangenen Jahr 3300 Franzosen Alija gemacht hätten – ein Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zu 2024, als nur 2228 Menschen avon dort nach Israel gekommen waren. Nach den Juden aus Russland (8800; 57 Prozent weniger als 2024) und den USA (3500; plus 5 Prozent) stellte Frankreich den größten Anteil an den knapp 22.000 Zuwanderern aus insgesamt 105 Ländern.

Auch in der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Europas, der britischen, stieg die Auswanderungsbereitschaft nach Israel an. Allerdings waren es nur 840 Juden, die ihre Zelte in Großbritannien abbrachen, um nach Israel überzusiedeln, 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut dem Zensus von 2021 sind 270.000 der knapp 70 Millionen Einwohner des Vereinigten Königreichs jüdisch.

Insgesamt sei jeder dritte Zugewanderte zwischen 18 und 35 Jahre alt gewesen, schrieb Israels Ministerium für Alija und Integration Ende Dezember auf seiner Facebookseite. Die Tendenz scheint weiter nach oben zu zeigen: 30.000 neue Anträge auf Einbürgerung seien 2025 eingegangen.

»Gefühl des Unbehagens«

Zwar variieren die Gründe, warum Juden auswandern, von Fall zu Fall. Nicht immer ist es der zunehmende Antisemitismus, der sie zum Wegziehen bringt. Doch Emmanuel Sion von der »Jewish Agency for Israel« sagte dem TV-Sender »Euronews«: »In Frankreich herrscht ein Gefühl des Unbehagens, das dazu führt, dass sich die Menschen Fragen über ihre Zukunft stellen.« Auch Israels Einwanderungsminister Ofir Sofer stellte einen direkten Zusammenhang her zwischen dem ansteigenden Antisemitismus in Ländern wie Frankreich und Großbritannien.

Nach den tödlichen Terroranschlägen der Jahre 2012 auf eine jüdische Schule in Toulouse und einen koscheren Supermarkt im Pariser Vorort Vincennes war die jüdische Auswanderung schon einmal sprunghaft angestiegen. 2015 verließen 7900 französische Juden ihr Heimatland in Richtung Israel, 2016 waren es immerhin noch 5100. Anschließend sank die Zahl wieder. Unklar ist, wie viele Juden Frankreich verlassen und in andere Länder umgesiedelt sind.

Gemäß dem »Rückkehrgesetz« gewährt Israel Juden, die sich dort niederlassen, automatisch die Staatsbürgerschaft. Diese Regelung gilt auch für bestimmte Nichtjuden, insbesondere wenn ihr Ehepartner oder ein Elternteil jüdischer Herkunft ist. Seit der Staatsgründung 1948 sind rund 130.000 französische Juden nach Israel eingewandert. mth

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026