Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

US-Außenminister Marco Rubio und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Parallel zu den anhaltenden Protesten im Iran wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung in Jerusalem ihre Minister angewiesen, sich öffentlich nicht zu möglichen ausländischen Interventionen im Zusammenhang mit den Unruhen zu äußern, wie der öffentlich-rechtliche Sender Kan am Sonntag berichtet.

Auslöser der erhöhten Anspannung ist unter anderem ein Telefonat zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Samstag. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sei es dabei auch um mögliche Szenarien einer US-Intervention im Iran gegangen. Ein US-Regierungsvertreter bestätigte den Anruf, machte jedoch keine Angaben zu dessen Inhalt. In Israel sei daraufhin laut Reuters die Alarmbereitschaft erhöht worden.

Keine Hinweise, dass Israel militärische Beteiligung erwägt

Die Zurückhaltung Jerusalems folgt auf deutliche Warnungen aus Teheran. Sollte US-Präsident Donald Trump einen militärischen Schlag gegen den Iran anordnen, werde das Regime israelische und amerikanische Militäreinrichtungen im Nahen Osten angreifen, zitierten Medien Regierungskreise in der iranischen Hauptstadt. Trotz der angespannten Lage gibt es laut Kan derzeit keine Hinweise darauf, dass Israel eine eigene militärische Beteiligung erwägt.

Einzelne israelische Koalitionsmitglieder haben dennoch Sympathie für die Protestbewegung erkennen lassen. So hatte die Wissenschafts- und Technologieministerin Gila Gamliel zuvor Solidaritätsbekundungen mit den Demonstrierenden geäußert. Gamliel unterhält zudem Kontakte zum im Exil lebenden iranischen Kronprinzen Reza Pahlavi, einem der bekanntesten Gegner des Regimes, der die Proteste unterstützt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: »Der Iran muss mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen, sollte er Israel angreifen.«

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch scharfe Töne aus Washington. Trumps Worten zufolge »überprüfe das US-Militär sehr starke Optionen« im Umgang mit Teheran vor dem Hintergrund des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte gegen Demonstrierende.

Aktivisten zufolge sind seit Beginn der Proteste am 28. Dezember mindestens 538 Menschen getötet worden. Die wachsende Zahl der Opfer erhöht den internationalen Druck auf den Iran und lässt zugleich die Gefahr wachsen, dass aus der innenpolitischen Krise eine regionale Konfrontation wird.

Lesen Sie auch

Netanjahu und Trump sind sich einig

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte bereits vor einer Woche gewarnt, dass der Iran mit »sehr schwerwiegenden Konsequenzen« rechnen müsse, sollte er Israel angreifen. In einer Sonderdebatte der Knesset, an der auch Oppositionsführer teilnahmen, sagte er, Israel und der US-Präsident seien sich nach ihrem Treffen auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida in der Iran-Frage und den regionalen Problemen weitgehend einig.

»Was den Iran betrifft, der im Nahen Osten und darüber hinaus die Fäden des Terrors zieht, haben Präsident Trump und ich eine klare Position bezogen«, so Netanjahu. »Wir werden dem Iran nicht erlauben, seine Raketenindustrie wieder aufzubauen, und schon gar nicht, sein Atomprogramm wieder aufzunehmen.«

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur schwer oder gar nicht vollständig zerstörbar, so die IDF. Die Terroristen hätten den Tunnel für unterschiedliche operative Zwecke genutzt

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026

Jerusalem

Umfrage: 92 Prozent der Israelis sehen Iran als Kriegssieger

Nur wenige Israelis halten die Kriegsführung ihrer Regierung für erfolgreich. Die Mehrheit sieht eine geschwächte Sicherheit und unerreichte Ziele.

 21.06.2026

Jerusalem

Israel lehnt Einschränkungen im Kampf gegen Hisbollah ab

Verteidigungsminister Israel Katz kündigt an, dass die israelische Armee auch weiterhin »Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen« im Südlibanon ergreifen könne

 21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026