Israel

Zu Weihnachten kehren die Touristen zurück

Issa Kassissieh als Weihnachtsmann vor der Altstadt in Jerusalem Foto: Flash 90

Es sind Bilder, die in Israel lange gefehlt haben: Reisegruppen, die bunten Fähnchen oder Schirmen folgen, Rollkoffer, die über Kopfsteinpflaster gezogen werden, Stimmen in vielen Sprachen auf den Straßen. Doch mit dem Ende des Gaza-Krieges und der Rückkehr internationaler Flugverbindungen erlebt der Tourismus im Land einen vorsichtigen Neustart. Im Dezember rechnet das Tourismusministerium mit rund 130.000 ausländischen Besuchern. Etwa 40.000 von ihnen kommen als christliche Pilger – pünktlich zur Weihnachtszeit.

Dass ausgerechnet Weihnachten den Auftakt bildet, ist kein Zufall. Religiöser Tourismus nach Israel gilt als besonders stabil, selbst in politisch angespannten Zeiten. So war es zu erwarten, dass Pilger zu den ersten gehören würden, die wieder durch das Heilige Land reisen.

Was sich in diesen Tagen in Nazareth, Jerusalem oder Akko beobachten lässt, könnte nach Einschätzung von Branchenexperten die Richtung für die kommenden Monate vorgeben. In der Tourismuswirtschaft wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Es ist der erste echte Test nach Monaten der Unsicherheit.

2019 war Rekordjahr für israelischen Tourismus

Es ist schon eine Weile her: 2019 war ein Rekordjahr für den israelischen Tourismus: Nach Angaben des Zentralen Statistikamtes kamen damals 4,55 Millionen ausländische Besucher ins Land, Hotels waren vielerorts ausgebucht, die Einnahmen erreichten historische Höchststände. Pandemie, politische Krisen und zuletzt der Krieg Israels gegen die Hamas nach dem Massaker der Terrororganisation im Süden Israels mit mehr als 1200 Toten und 251 Menschen, die als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden, ließen diese Zahlen dann drastisch einbrechen.

Die erste Jahreshälfte 2025 habe jedoch bereits »ermutigende Signale« gesendet, teilt das Tourismusministerium jetzt mit. Zwischen Januar und Juni reisten rund 610.900 Besucher ins Land. Auch wenn diese Zahl noch weit unter dem Vorkrisenniveau liegt, zeigt sie einen Anstieg von mehr als 23 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des stark beeinträchtigten Jahres 2024.

In Nazareth, einer christlich-arabischen Hochburg des Landes, wo die vergangenen zwei Winter ungewöhnlich still waren, ist der Wandel besonders spürbar. Zwei Jahre lang waren große Veranstaltungen abgesagt, doch in diesem Dezember füllen sich die Straßen wieder. Lichterketten tauchen die Gassen in warmes Licht, mehrere Weihnachtsmärkte mit Dutzenden von Ständen laden zum Verweilen ein. Auf dem zentralen Platz der Stadt erhebt sich ein überdimensionaler Weihnachtsbaum, geschmückt mit zahllosen Lichtern. Touristen und Einheimische freuen sich gleichermaßen über die Rückkehr der festlichen Atmosphäre.

Tarek Schihada aus Nazareth: »Anfang Dezember war dann allen klar, dass dieses Weihnachten ein anderes wird – so wie früher.«

»Dieses Jahr ist alles endlich anders«, sagt Tarek Schihada, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Hotelkette Golden Crown, dem Medium »The Media Line«. Ohne die Touristen habe zu dieser Jahreszeit auf den Straßen »gähnende Leere« geherrscht. Der Wandel sei spürbar geworden, als nach Inkrafttreten des Waffenstillstands Kirchen und lokale Vereine begonnen hätten, Weihnachtsveranstaltungen zu planen. Stadtverwaltung und Ministerium hätten daraufhin Lichterketten und Plakate an Kreuzungen und an den Eingängen zur Altstadt angebracht. »Und Anfang Dezember war dann allen klar, dass dieses Weihnachten ein anderes wird – so wie früher.«

Die Besucher aus dem Ausland kämen dabei nicht nur wegen der Kirchen, betont Schihada. »Sie wollen in einem Restaurant essen, in einem Hotel übernachten und die Straßen erkunden. Kultur, Architektur, Archäologie und Kulinarik – all das trifft hier aufeinander.«

Der Staat begleitet die Rückkehr des Tourismus mit gezielten Investitionen. Mehr als 600.000 Schekel – umgerechnet rund 150.000 Euro – hat das Tourismusministerium in Infrastruktur, Beleuchtung und festliche Gestaltung in Nazareth investiert. Weitere etwa 65.000 Euro flossen in die Werbung für die Weihnachtsfeierlichkeiten, sowohl im Ausland als auch im Inland.

Auch Jerusalem hat sich auf die Weihnachtspilger eingestellt

Neben Nazareth spielt auch Jerusalem eine zentrale Rolle. Im christlichen Viertel der Altstadt ist vieles in Rot, Weiß und Grün geschmückt, Kirchen und Gemeinden haben sich auf die Weihnachtspilger aus aller Welt eingestellt. Gottesdienste und Konzerte, Prozessionen und Besuche an den heiligen Stätten gehören für viele Reisende zum festen Programm. Für die Stadt, die in den vergangenen Jahren stark unter dem Ausbleiben internationaler Gäste litt, bedeutet das neue Bewegung – in Hotels, im Einzelhandel, bei Stadtführern und Transportunternehmen.

Und auch Issa Kassissieh, der jedes Jahr traditionell mit rotem Anzug und Rauschebart den Weihnachtsmann gibt, ist dieser Tage in der Stadt unterwegs.

In Jerusalem brach die traditionelle Weihnachtsprozession am Mittwochmittag auf und fuhr in Richtung Bethlehem im Westjordanland. Angeführt wurde die Fahrzeugkolonne vom höchsten Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, Kardinal Pierbattista Pizzaballa. Der Patriarch, der einen roten Umhang, ein rotes Käppchen sowie ein großes goldenes Kreuz auf der Brust trug, zelebrierte später in Bethlehem, der Überlieferung nach Geburtsort Jesu, auch die Mitternachtsmesse. 

In der historischen Hafenstadt Akko im Norden Israels wird die malerische Altstadt genutzt, um Besucher anzuziehen. Auf dem Weihnachtsmarkt im historischen Hof der Ritterhallen gilt die Atmosphäre als etwas ganz Besonderes.

Vertreter des Tourismusministeriums hatten sich im Vorfeld der Feiertage mit hochrangigen Geistlichen verschiedener Konfessionen getroffen, heißt es aus Jerusalem. Dies sei »ein Zeichen der Kontinuität und der Rückkehr zur Routine nach Monaten der Ausnahme«.

Noch ist der Tourismus nach zwei Jahren des Krieges weit entfernt von den Zahlen früherer Jahre. Doch die Rückkehr der Weihnachtsbesucher ist mehr als ein saisonales Ereignis. Sie zeigt, dass Israel wieder auf den internationalen Reiserouten erscheint – vorsichtig, aber deutlich sichtbar. Für viele Menschen in Israel ist das eine der positivsten Nachrichten dieses Winters.

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