Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Foto: Getty Images

Die israelischen Sicherheitsbehörden melden eine drastische Zunahme iranischer Cyberangriffe auf hohe staatliche Funktionsträger, Expertenkreise und Medienvertreter. In einer gemeinsamen Erklärung bestätigten der Inlandsgeheimdienst Schin Bet und das nationale Cyber-Direktorium (NCD), dass in den vergangenen zwölf Monaten hunderte zielgerichtete digitale Angriffe vereitelt worden seien, ein beispielloser Anstieg in der jüngeren Geschichte der israelisch-iranischen Spannungen.

»Iranische Hackergruppen haben wiederholt versucht, Daten und Zugänge von hochrangigen israelischen Politikern und Sicherheitskreisen an sich zu bringen – unter anderem durch maßgeschneiderte Phishing-Nachrichten, die darauf abzielen, Passwörter und zusätzliche Verifizierungs-Codes zu erlangen«, so die Erklärung.

Hacker wollen Zugang zu E-Mails, Apps und Cloud-Konten

Die Offensive sei Teil einer »ausgedehnten iranischen digitalen Kampagne« mit dem Ziel, Zugang zu privaten E-Mail-Accounts, Messaging-Apps und Cloud-Konten von Entscheidungsträgern zu erlangen, heißt es weiter. Betroffen seien nicht nur gegenwärtige Regierungsmitglieder und hohe Sicherheitsbeamte, sondern auch ehemalige Minister, Journalisten, Akademiker sowie Personen aus der Verteidigungs- und Technologiebranche.

»Ziel dieser Versuche ist es, persönliche und berufliche Informationen zu sammeln, die zur Förderung von Terrorismus, Spionage und Einflussaktivitäten genutzt werden können«, erklärten die Behörden.

Demnach haben iranische Akteure insbesondere versucht, über sogenannte »Spear-Phishing«-Methoden persönliche Anmeldedaten, inklusive Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierungs-Codes, abzugreifen. Die Angriffe wurden häufig über manipulierte E-Mails, gefälschte Sicherheitsanfragen oder orientierte Nachrichten verbreitet, die den Eindruck erwecken sollten, von vertrauenswürdigen Kontakten zu stammen.

Sicherheitsbehörden: »Ziel dieser Versuche ist es, persönliche und berufliche Informationen zu sammeln, die zur Förderung von Terrorismus, Spionage und Einflussaktivitäten genutzt werden können.«

Zu den mutmaßlichen Zielen gehören Berichten zufolge ehemalige Premierminister wie Naftali Bennett und weitere hochrangige Persönlichkeiten in Israel. In einigen Fällen beanspruchten Hackergruppen, sie hätten auf Geräte oder Accounts dieser Personen zugegriffen und Daten veröffentlicht. Die Behörden betonen jedoch, dass der tatsächliche Umfang dieser Zugriffe in Einzelfällen noch unklar ist.

Die Angriffe seien strategisch auf sensible persönliche und berufliche Informationen ausgerichtet, die potenziell für Spionage, Desinformation oder weitere gezielte Einflussoperationen genutzt werden könnten. Israels Behörden machen eine klare zeitliche Korrelation mit dem Konflikt zwischen Israel und Iran vom Juni 2025 aus: Seither sei die Zahl der Cyberversuche deutlich gestiegen und die Methoden zunehmend ausgeklügelt.

Inlandsgeheimdienst und NCD betonen, dass alle bislang bekannt gewordenen Angriffe abgewehrt oder gestoppt worden seien. Israel habe mehrere Schutz- und Überwachungsmechanismen etabliert: gezielte Warnmeldungen an potenzielle Opfer, Aufklärung über ungewöhnliche Aktivität, Sperrung unbefugter Zugriffe und regelmäßige Sicherheitstrainings stehen im Zentrum der Verteidigungsstrategie.

Digitale Konten sollen besser gesichert werden

Gleichzeitig riefen die Behörden Privatpersonen und Amtsträger dazu auf, ihre digitalen Konten besser abzusichern, insbesondere durch Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Überprüfung der Recovery-E-Mail-Adressen und kritisches Verhalten gegenüber unaufgeforderten Nachrichten.

Analysten warnen, dass Cyberkrieg längst ein integraler Bestandteil moderner Konflikte sei und weitreichende politische wie sicherheitspolitische Folgen habe. Besonders ins Gewicht falle, dass Angriffe auf persönliche Accounts, wenn sie Erfolg hätten, nicht nur Datenverlust, sondern potenziell auch Erpressung, Einflussnahme oder psychologische Destabilisierung nach sich ziehen könnten.

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  01.07.2026

Libanon

Erster Schritt zum Frieden?

Jerusalem und Beirut begrüßen das überraschende Abkommen. Die Terrormiliz Hisbollah weist es entschieden zurück

von Sabine Brandes  01.07.2026

Israel

»Ich habe ein bisschen abgenommen«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird in einem Interview gefragt, wie der 7. Oktober ihn persönlich verändert habe. Seine Antwort sorgt für heftige Kritik von der Opposition

 01.07.2026

Jerusalem

Israelische Polizei nimmt mutmaßlichen Iran-Spion fest

Der 20-jährige US-Bürger soll gegen Geld Ziele für das Mullah-Regime ausgespäht haben

 01.07.2026

Libanon

Hisbollah: Netanjahu befiehlt Zerstörung der Terrorinfrastruktur

Israels Ministerpräsident weist die Armee an, alle ober- und unterirdischen Anlagen der Hisbollah im Südlibanon zu zerstören. Einen Truppenrückzug schließt er vorerst aus

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen aus

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026