Nachruf

Prinz der Liebe

Dramatiker, Journalist, Autor, Lyriker, Liedermacher, Sänger und Komiker: Yehonatan Geffen (1947–2023) Foto: Flash 90

Er war ein Tausendsassa. Und einer, der sich nicht festlegen ließ. Yehonatan Geffen, Autor, Lyriker, Liedermacher, Sänger, Komiker, Dramatiker und Journalist der ersten Generation, die im jüdischen Staat aufwuchs, ist tot. Er starb am 19. April im Alter von 76 Jahren. Am vergangenen Freitag wurde er auf dem Friedhof von Nahalal im Norden des Landes beerdigt.

Vielleicht kennen nicht alle Israelis sein Gesicht, vielleicht nicht einmal seinen Namen. Aber sie alle kennen seine Kindergedichte und Lieder. Denn jeder, der einen israelischen Kindergarten besucht hat, selbst Kinder oder Enkel hat, kann sie auswendig: »Jalda hachi jafa bagan« (Das hübscheste Mädchen im Kindergarten) oder »Gan sagur« (Der Kindergarten ist zu). Die Israelis sind mit Geffens Klassikern aufgewachsen, und noch heute trällern Mädchen und Jungen im ganzen Land sie rauf und runter.

Tausende kamen am Freitag nach Nahalal, um sich zu verabschieden. Geffens Familie und Freunde, darunter viele Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben Israels, der ehemalige Präsident Reuven Rivlin, Oppositionsführer Yair Lapid, die Sänger David Broza, Dafna Armoni, Riki Gal und andere. Lapid beschrieb den verstorbenen Künstler als einen Mann voller Liebe: »Einmal schrieb Yehonatan: ›Wenn die Liebe ein Land wäre, wäre ich Außenminister.‹ Er irrte sich. Die Liebe hat ein Land, und er war ihr Prinz.«

geleit Außerdem gaben ihm viele, die ihn aufgrund seiner Werke kannten und liebten, das letzte Geleit. Geffen wurde 1947 im Moschaw Nahalal im Yisrael-Tal als ältester Sohn geboren und gehörte zur berühmten Dayan-Familie um Armeegeneral Moshe Dayan, dem Bruder seiner Mutter. Er entstammte derselben Generation wie der Schriftsteller Meir Shalev, ebenfalls aus Nahalal, der eine Woche zuvor gestorben war und ebenfalls hier beerdigt ist.

Jeder, der einen israelischen Kindergarten besucht hat, kann seine Lieder auswendig.

Im Laufe seines Lebens veröffentlichte Geffen neben seinen Liedern viele Bücher, schrieb zahllose Gedichte und mehrere Theaterstücke. Er inszenierte auch Unterhaltungs- und Satireshows und wirkte anfangs bei der Gruppe »Lul« (Hühnerstall) mit Uri Zohar, Arik Einstein und Shalom Hanoch als Comedian mit.

Ernstere Worte fand er für seine Kolumne, die er mehr als vier Jahrzehnte lang in der israelischen Tageszeitung »Ma’ariv« veröffentlichte. Er gehörte zu einer Gruppe von Journalisten, die 1973 das Buch The Failure über den Jom-Kippur-Krieg veröffentlichten. Er war zudem scharfer Kritiker der israelischen Rechten und der Präsenz im palästinensischen Westjordanland. Wegen seiner linken Überzeugung, mit der er auch provozierte, wurde er oft angegriffen, erhielt sogar Morddrohungen. Doch er dachte gar nicht daran, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, und tat seine Meinung bis zu seinem Tode kund.

Kolumne In seiner letzten Kolumne im März wandte er sich an Lapid als Oppositionsführer. Obwohl die beiden eine Vereinbarung getroffen hätten, öffentlich keine politischen Diskussionen zu führen, müsse er Lapid nun auffordern, »verdammt hart zu kämpfen, um die Bemühungen zu stoppen, die israelische Demokratie tödlich zu verletzen«.

Im Laufe seines Lebens veröffentlichte Geffen neben seinen Liedern viele Bücher, schrieb zahllose Gedichte und mehrere Theaterstücke

Geffen, selbst Kulturikone, hatte auch berühmte Kinder: Sein Sohn Aviv Geffen ist Rocksänger und Shira Geffen eine Schriftstellerin, die mit dem Autor Etgar Keret verheiratet ist. Aus seiner zweiten Ehe hat er eine Tochter, Natascha Geffen. Aviv Geffen rezitierte das jüdische Trauergebet Kaddisch und nannte seinen Vater »meinen Helden«.

Alle drei Geschwister sangen gemeinsam das Lied »Das 16. Lamm« aus dem Jahr 1978. Shira Geffen beschrieb den letzten Monat mit ihrem Vater: »Dir war schon die Geduld ausgegangen. Du hast mich gebeten, dass wir die Arbeit abschließen und die Korrekturen machen. Aber ich habe mit dir gestritten und sagte, es gebe noch Arbeit. Denn ich wollte weiter mit dir auf deiner Veranda neben den Katzen sitzen, Likör und Limonade trinken und die Lieder korrigieren.«

songs Weiter erzählte seine Tochter: »Du sagtest, du seist müde. Und dass die Songs deiner Erfahrung nach zerstört werden, wenn wir zu hart an ihnen arbeiten. Aber ich habe dich nicht gelassen. Vielleicht weil ich das Gefühl hatte, dass du gehen würdest, wenn die Arbeit abgeschlossen ist.«
Auch Geffens Wegbegleiter und Freunde verabschiedeten sich mit emotionalen Reden und Liedern. Broza, einer der berühmtesten Sänger des Landes, sang »If Death Shall Come«, das Geffen für ihn geschrieben hatte. Es sei das einzige Lied, das sich sein Freund für seine Beerdigung gewünscht hatte.

»Ich habe keine Worte. Wir waren zu viert, zwei sind nun übrig«, sagte seine jüngere Schwester Zohar Betser unter Tränen. »Yehonatan war immer der älteste Sohn, der alles konnte. Der Erste, der den Raum verließ, der Erste, der nach Tel Aviv ging, der Erste, der ein Buch veröffentlichte. Noch vor zwei Wochen feierten wir Pessach, verabredeten uns für ein baldiges Wiedersehen. Wir waren zu viert, zwei sind nun übrig. Es ist so schrecklich, wie es sich anhört.«

Nachrichten

Geisel, Hamas, Charedim

Kurzmeldungen aus Israel

 22.07.2026

Jerusalem

Bericht: Kabinett billigte Maßnahmen gegen Siedlergewalt

Ministerpräsident Netanjahu bezeichnet die Gewalt extremistischer Siedler gegen Palästinenser als ein »metastasierendes Krebsgeschwür«

 22.07.2026

Medallienregen

Israelische Schüler holen 13 Medaillen bei internationalen Wissenschafts-Olympiaden

Besonders erfolgreich war das israelische Team bei der Internationalen Physik-Olympiade in Kolumbien

 22.07.2026

Jerusalem

Herzog warnt vor Gewalt im Wahlkampf: »Wahlen sind kein Bürgerkrieg«

Der Präsident appelliert an Politiker, Kandidaten und Wahlkampfhelfer aller Parteien, »rote Linien« nicht zu überschreiten

 22.07.2026

Beit Lid

Nach Festnahme eines Wehrdienst-Verweigerers: Tausende Haredim demonstrieren

Einzelne Teilnehmer versuchten, einen Zaun vor dem Gefängnis niederzureißen

 21.07.2026

Flugverkehr

Wegen des Krieges: Dutzende Flugausfälle pro Tag möglich

Die Amerikaner wollen weitere fliegende Tanker schicken. Die Konsequenzen: Tausende Passagiere pro Tag könnten ohne Flugverbindung dastehen

 21.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

Tel Aviv

Zamir warnt Iran vor Angriffen auf Israel

»Wir werden mit großer Stärke gegen jeden vorgehen, der uns schadet«, sagt der Generalstabschef, nachdem Trümmer einer iranischen Rakete auf Israel niedergegangen sind

 20.07.2026

Protest

Minister und Aktivisten demonstrieren für Wiederaufbau von Siedlungen in Gaza

Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir setzt sich seit Jahren für israelische Siedlungen im gesamten Gazastreifen ein. Premier Netanjahu lehnt das ab

 20.07.2026