Jerusalem

Netanjahu bittet Israels Präsidenten um Begnadigung

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2025

Der wegen Korruption angeklagte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Staatspräsidenten seines Landes offiziell um Begnadigung gebeten. Das Büro des Präsidenten Isaac Herzog teilte mit, dieser habe ein formelles Gnadengesuch von Netanjahu erhalten. Es handele sich dabei um einen Brief Netanjahus und einen Brief seines Anwalts. 

In dem Brief Netanjahus hieß es, der Prozess gegen ihn sei zu einem »Brennpunkt heftiger Auseinandersetzungen« in Israel geworden. Er habe keinen Zweifel daran, »dass ein Abschluss des Prozesses dazu beitragen wird, die Intensität der entstandenen Auseinandersetzungen zu verringern«. Der Regierungschef verwies dabei auch auf die »sicherheitspolitischen Herausforderungen und politischen Chancen, denen der Staat Israel derzeit gegenübersteht«.

In einer Video-Botschaft sprach Netanjahu zudem von einer »unmöglichen Forderung« der Richter, dass er dreimal in der Woche aussagen müsse. 

Das Gesuch werde nun an eine zuständige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, die die Meinungen aller relevanten Behörden dazu einholen werde, hieß es in der Mitteilung des Präsidenten. Auf der Basis werde das juristische Beratungsteam im Büro des Präsidenten dann eine weitere Meinung formulieren. 

»Das Büro des Präsidenten ist sich bewusst, dass es sich um ein außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen handelt«, hieß es weiter in der Mitteilung. »Nachdem alle relevanten Stellungnahmen eingegangen sind, wird der Präsident das Gesuch verantwortungsvoll und gewissenhaft prüfen.«

US-Präsident Donald Trump hatte Herzog dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die Unabhängigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hieß es einem von Trump unterschrieben Brief an Israels Präsidenten, den Herzogs Büro zuletzt veröffentlicht hatte. Auch bei einem Besuch in Israels Parlament im Oktober hatte Trump die Forderung geäußert. 

Trump schrieb, Netanjahu sei ein »beeindruckender und entschlossener Kriegsministerpräsident« gewesen und führe Israel nun in eine Zeit des Friedens. »Seine Aufmerksamkeit darf nicht unnötig abgelenkt werden«, argumentierte der US-Präsident.

Gegen den Regierungschef läuft seit mehr als fünf Jahren ein Korruptionsprozess. Er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, als Kommunikationsminister dem Telekom-Riesen Bezeq Vergünstigungen gewährt zu haben.

Außerdem soll er Luxusgeschenke im Wert von umgerechnet rund 174.000 Euro von befreundeten Milliardären angenommen haben - Schmuck, Zigarren und rosa Champagner. Netanjahu beteuert seine Unschuld und hat immer wieder von einer »Hexenjagd« gesprochen.

In Israel hatte es vor dem Hintergrund der schweren politischen Verwerfungen im Land immer wieder Debatten um eine Begnadigung Netanjahus gegeben. Herzog hatte in der Vergangenheit gesagt, kein Mensch stehe über dem Gesetz, er behalte sich aber vor, in der Frage nach seinem Gewissen zu handeln.

Der israelische Oppositionsführer Yair Lapid rief den Präsidenten dazu auf, Netanjahu nicht ohne ein Schuldeingeständnis, den Ausdruck der Reue sowie eine sofortige Beendigung seiner politischen Karriere zu begnadigen. Auch der Vorsitzende der Oppositionspartei Die Demokraten, Yair Golan, sprach sich für ein Ausscheiden Netanjahus aus der Politik aus. »Nur ein Schuldiger fordert seine Begnadigung«, schrieb er bei X. 

Der Oppositionspolitiker und Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot schrieb bei X: »Netanjahu, Israel ist ein Rechtsstaat. Es gibt kein Gesetzeswerk für den einfachen Bürger und ein anderes für dich.« Netanjahu sei selbst der Hauptverursacher der Spaltung in Israel. Diese könne daher »nicht als Vorwand für seinen Antrag dienen, sich dem noch laufenden Strafverfahren zu entziehen«. 

Die israelische Bewegung für Regierungsqualität schrieb in einem Post auf der Plattform X: »Präsident Herzog muss Nein zur Begnadigung Netanjahus sagen!« Eine Begnadigung mitten im Prozess bedeute den »Tod der Demokratie«, hieß es in der Mitteilung. »Herzog darf die Gleichheit vor dem Gesetz nicht verletzen!«

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