Gesprächsfetzen

Morgens, vier Uhr, im Bunker

Aus dem Schlaf gerissen: Israelis im Luftschutzbunker Foto: Sabine Brandes

Schlaftrunken, ungewaschen, unrasiert, die Wolldecke über das Shirt mit Spaghettiträgern gehängt, an den Füßen Adiletten. So (oder ähnlich) stolpern Israelis am Dienstagmorgen in den öffentlichen Bunker in Neve Zedek im Süden von Tel Aviv. Viele Hunde, groß und klein, zerren an ihrer Leine. In Erwartung der Raketen aus dem Iran quetschen sich um die 50 Leute auf die ausrangierten Bänke der Schule, die nebenan ist, und den Raum offensichtlich als ihren Abstellraum benutzt.

4.10 Uhr morgens:

An den Wänden surren zwei Ventilatoren.
Waffenstillstand? Waffenstillstand! Und wieso sitzen wir dann überhaupt hier?

Sirenengeheul im Hintergrund. Hysterisches Hundegebell eines Schäferhundes, eines großen Mischlings und eines weißen Minihundes unbekannter Rasse, der unter dem Arm getragen wird. Scheket, Schoschi! Scheket, Bamba! Scheket, Love! (Übersetzt: Ruhe, Schoschi! Ruhe, Bamba! Ruhe, Liebe!)

So, ihr schönen Menschen. Jetzt könnt ihr endlich wieder an den Strand gehen. Das ist doch, was ihr jeden Tag tut, oder? Äh nein. Aber das ist doch wunderbar. Okay.

Ob Bibi das wollte? Jetzt schon? Oder nur Donald? Aber die sind doch Freunde. Trotzdem, ich sage dir, Bibi wollte das noch nicht.

Ich kann nicht mehr, mein Rücken. Gähn.

Diese verfluchte Werbung hier. Wie lange soll man darauf warten, dass man noch ein paar Früchte zusammenmatscht? Eine halbe Stunde? Solange sitzen wir hier schon. Nicht ganz. Ok, 25 Minuten.   

Waffenstillstand. Doch noch Sommer? Was ist mit dem Flughafen? Ist der jetzt wieder auf? Wenn die Iraner immer noch schießen und wir hier sitzen, ist er wohl nicht auf. Vielleicht kann man die Stornierung von Wizz rückgängig machen? 200 Schekel. Und 700 Euro für El Al nach Rom. Eyse Chuzpanim! (Übersetzt: Was für Unverschämte!)

Entwarnung! Yalla! Ich habe nichts bekommen. Hast du Zewa Adom? Nein, Tzofar. Die sind immer später. Ich hoffe, ich kann wieder einschlafen. Mein Rhythmus ist völlig messed up. Anat sagt, sie schläft seit zehn Tagen nicht mehr. Na klar, wie wir alle. Yalla, geh hoch.

4.45 Uhr:

Ping! Ping! Ping! Was? Schon wieder. Ich fass es nicht! Die Iraner nehmen es ja sehr genau mit dem Waffenstillstand. Augenrollen.  Wow, das kann ja nicht ...

Nein! Nein, das ist ein gutes Zeichen. Die ballern jetzt nochmal so richtig, damit sie gut dastehen, und dann ist Schluss. Naja, wenn das die Logik ist. Wallah …

Nicht drängeln! Alle wollen die Treppe runter.

Wieso sitzen Sie hier am Eingang auf einem Stuhl? Das ist nicht sicher. Ich kann die Treppe nicht hinuntergehen, es fällt mir schwer. Soll ich Ihnen helfen? Nein Danke! Ich kann Sie tragen. Um Himmels Willen!  

Es ist zu kalt vor der Klimaanlage. Besser als Gestank. Was hat Gestank mit Kälte zu tun? (Achselzucken)

Sirenengeheul. Hundegebell. Scheket! Scheket! Scheket! (Ruhe! Ruhe! Ruhe!)

Keine Lust mehr! Es wird alles gut. Schau mal, das ist doch jetzt das Ende. Ich frage mich, was für ein Ende. Du traust den Mullahs?

Willst du mit mir nach Hause kommen? Moment, wir müssen erstmal schlafen. Später rufen wir Yuvali an und dann könnt ihr zusammen spielen, ja?

Und das ist jetzt der Waffenstillstand? Ja, das ist der Anfang. Aha.

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