Wieder zu Hause

Leibspeisen und Lieblingssänger für die Ex-Geiseln

Die befreiten Geiseln Evyatar David (Mitte) und Avinatan Or (rechts) treffen den Musiker »Nechi Nech« Ravid Plotnik. Foto: Guy Yihieli

In den Krankenhäusern, in die die ehemaligen Geiseln aufgenommen wurden, spielten sich in den vergangenen Tagen emotionale Szenen ab. Nicht nur bei den Wiedersehen zwischen den Befreiten und ihren Angehörigen und Freunden, sondern auch mit anderen ehemaligen Geiseln.

So veröffentlichte Omer Wenkert auf seinem Instagram-Account Aufnahmen der Umarmung mit Evyatar David und Guy Gilboa-Dalal, die mit ihm und Tal Shoham in den Tunneln unterhalb von Gaza festgehalten wurden. In einer Szene geht David durch eine Tür und ruft: »Wo ist er?«, bevor er Wenkert in die Arme fällt.

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Elkana Bohbot traf auf Menasche Haroush, einen Cousin seines Vaters, der sich seit dem 7. Oktober 2023 unermüdlich für seine Freilassung eingesetzt hatte. »Es gibt niemanden auf dem Geiselplatz, der ihn nicht kennt«, schrieb das Forum für Familien von Geiseln über ihn. »Menasche war vom ersten Tag an da. Er verließ den Platz nie und erinnerte die Welt ständig daran, Elkana nicht zu vergessen.«

Ein Buffet voller Lieblingsspeisen

»Du hast mir so sehr geholfen«, sagte Bohbot bei dem Wiedersehen zu Haroush und umarmte ihn minutenlang. Er hatte im Fernsehen in Gaza Haroush bei den Kundgebungen für die Befreiung der Geiseln erkannt. »In den schwersten Momenten wusste ich, dass immer jemand für mich da ist - während der ganzen Zeit.«

Von den Krankenhäusern wurden auch Aufnahmen veröffentlicht, die zeigen, wie bekannte israelische Musiker, darunter Schlomo Artzi und Ravid Plotnik alias »Nechi Nech« in Aufenthaltsräumen Gitarre spielen und singen. Avinatan Or, der die gesamte Geiselhaft in Gaza allein in einem Tunnel gefangen war, ist zu sehen, wie er das Lieder von Plotnik mitsingt und seine Freundin Noa Argamani in den Arm nimmt. »Und vielleicht erinnerst du dich daran, wie wir über alles gelacht haben und große Träume hatten... Wir hatten alles, gestern war gestern, heute ist ein neuer Tag.«

Andere Filme zeigen ein Buffet, an dem Köche die Lieblingsspeisen der Männer zubereiten: Humus und Pita oder Schnitzel im Challah-Brötchen etwa. Man sieht, wie sie sich auswählen, was sie gern hätten, mit den Köchen einen Plausch halten und ob der ganzen Köstlichkeiten, die auf den Tischen liegen, begeistert sind.

Die Leiterin der Ernährungsabteilung im Beilinson-Krankenhaus, Sigal Frishman, erklärt, dass jeder Geisel ein persönlicher Ernährungsberater zugewiesen ist, der den Zustand ständig überwacht. »Am ersten Tag haben wir jeden Einzelnen getroffen und gefragt, wie viel Gewicht er verloren hat, was er in Gaza gegessen hat und was er gern essen würde. Am zweiten Tag kommen wir wieder und fragen, wie es ihm nach dem Essen gegangen ist.«

Ernährungsberaterin Sigal Frishman: »Wir fragen, worauf sie Appetit haben und was ihnen guttut. Manche möchten Sushi, andere einen Hamburger, manche bevorzugen Pizza oder Eis.«

Der Ansatz des Krankenhauses basiere aber nicht nur auf körperlicher Rehabilitation, sondern auch auf der Wiederherstellung des Kontrollgefühls. »Wir fragen, worauf sie Appetit haben und was ihnen guttut. Manche möchten Sushi, andere einen Hamburger, manche bevorzugen Pizza oder Eis. Wir integrieren das in Maßen, je nach ihren Möglichkeiten. Es ist sehr wichtig, ihnen die Wahl zurückzugeben – das ist ebenso Teil der psychischen wie der körperlichen Rehabilitation«, so Frishman.

Natürlich würden Familien selbstgemachtes Essen bringen, »und auch dafür ist Platz, denn wir möchten, dass sie sich wie zu Hause fühlen. Sobald die Patienten ihre Angst verloren haben, beginnen sie zu essen. Das ist immer emotional«.

Weitere Geiseln verlassen das Krankenhaus

Andere wünschten sich auch einen Haarschnitt. So wie Matan Angrest, der als Soldat nach Gaza entführt und dort von der Hamas gefoltert wurde. In einem Beitrag in den sozialen Medien zeigt der Friseur Hen Oryev, wie er dem jungen Mann nicht nur die Haare schneidet, sondern auch Bart und Schnäuzer stutzte.

Nach einer Woche am Montag weitere Männer die Krankenhäuser und kehrten in ihr Zuhause zurück. Darunter Rom Braslavski, auch er ein israelisch-deutscher Doppelstaatsbürger, Segev Kalfon und Bar Kuperstein.

In einer Erklärung des Sheba Medical Centers heißt es, sie alle werden die ambulante Behandlung in der »Returning to Life«-Klinik fortsetzen, die für die Rückkehrer und ihre unmittelbaren Familienangehörigen konzipiert ist. Langsam, aber sicher kehren die befreiten Geiseln ins Leben zurück.

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