Israel

»Keine Bürger zweiter Klasse«

»Ich frage mich, was ist das Problem mit Arabern?«: TV-Moderatorin Rotem Sela Foto: Flash 90

Jetzt mischt sich auch der Präsident ein. Seit dem Wochenende brodelt es in Israel. Es wird getweetet, gepostet und in Radio und Fernsehen debattiert. Thema ist das umstrittene Nationalstaatsgesetz.

Den Stein losgetreten hatte die TV-Moderatorin und Schauspielerin Rotem Sela, als sie auf ein Interview mit Kulturministerin Miri Regev auf Instagram reagierte: »Ich frage mich, was ist das Problem mit Arabern?«

KRITIK Sela kritisierte die Worte der Likud-Politikerin, die der neuen Union von Benny Gantz und Yair Lapid, Blau-Weiß, vorwarf, sich als Zentrumsvereinigung zu präsentieren, doch insgeheim plane, eine Regierung mit Arabern zu formen.

Premierminister Netanjahu antwortete der TV-Moderatorin höchstpersönlich.

Sela schrieb: »Und was ist das Problem mit Arabern? Lieber Gott, es gibt also auch Araber in diesem Land. Wann zum Teufel wird jemand aus dieser Regierung der Öffentlichkeit mitteilen, dass Israel ein Staat all seiner Bürgern ist. Dass die Menschen gleich sind, und dass sogar Araber, Drusen, LGBTs und – welch ein Schock – auch Linke Menschen sind.«

Es dauerte nicht lange, bis Premierminister Benjamin Netanjahu höchstpersönlich antwortete und damit die Debatte um das Gesetz in den sozialen Medien neu entfachte. »Liebe Rotem, eine wichtige Korrektur: Israel ist nicht Staat aller seiner Bürger. Entsprechend dem Nationalstaatsgesetz, das wir durchgebracht haben, ist Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes – und nur von diesem.«

»WONDER WOMAN« Er fügte hinzu, Sela habe recht, dass es kein Problem mit den arabischen Bürgern Israels gebe. »Sie haben gleiche Rechte, und die Likud-Regierung hat mehr als alle anderen Regierungen in die arabische Bevölkerung investiert.« Doch auch er tönte in dasselbe Horn wie seine Kulturministerin, dass Gantz als Regierungschef »die Sicherheit des Landes unterminieren« würde.

»Rotem, Schwester, du bist eine Inspiration für uns alle!«, schrieb »Wonder Woman« Gal Gadot.

Sela erhielt nach einigen Angaben daraufhin eine Ladung bösartiger und scharfer Posts. Ihr Kommentar: »Diese ekelhaften Antworten werden mich niemals davon abhalten, meine Meinung kundzutun.« Dafür stellen sich andere hinter die 35-Jährige – sogar solche mit Superkräften.

»Wonder Woman« Gal Gadot schrieb: »Rotem, Schwester, du bist eine Inspiration für uns alle!« Es sei keine Sache von Links oder Rechts, Jude oder Araber, Säkularen oder Religiösen. »Es geht um Dialog für den Frieden und Gleichheit und unsere Toleranz für den anderen. Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst«, schrieb die Schauspielerin, der mehr als 28 Millionen Menschen auf ihrem Instagram-Account folgen.

MUT Auch arabische Parlamentarier lobten Sela für ihren Mut. Darunter der Vorsitzende der Partei Chadasch-Taal, Ayman Odeh. »Rotem Sela, wir kennen uns nicht. Doch: Bravo«, schrieb er. Die israelische Anti-Defamation League kritisierte die »politische Rhetorik, die israelische Araber diffamiert«, scharf.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Deutlich sprach sich auch Präsident Rivlin aus: »Jene, die daran glauben, dass der Staat Israel jüdisch und gänzlich demokratisch sein muss, sollten sich daran erinnern, dass er vollständige Gleichheit der Rechte für all seine Bürger garantiert. Es gibt keine Bürger erster und zweiter Klasse. Wir sind alle gleich an der Wahlurne, wir sind alle in der Knesset vertreten.«

Dann zitierte Rivlin den einstigen Ministerpräsidenten Menachem Begin mit den Worten: »Wir sollen nicht für einen einzigen Moment getäuscht sein: Die Schwierigkeiten des Friedens sind immer den Schrecken des Krieges vorzuziehen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Jerusalem

Netanjahu: Siedlergewalt geht von »150 jugendlichen Straftätern« aus

Der Ministerpräsident verurteilt Selbstjustiz im Westjordanland, betont aber auch, dass »99 Prozent« der Siedler gesetzestreue Bürger seien

 13.07.2026

Jerusalem

Knesset-Ausschuss billigt Gesetz zur Aussetzung von Einberufung für Haredim

Nach dem Gesetzentwurf würden zehntausende Haredim, die bereits als Wehrdienstverweigerer gelten, bis mindestens Ende November vor einer Festnahme geschützt

 13.07.2026

Gaza

Enthülltes Sinwar-Dokument: Hamas-Chef hielt israelischen Atomschlag für möglich

Der damalige Hamas-Anführer Yahya Sinwar rechnete bereits mehr als ein Jahr vor dem Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 mit einer extremen militärischen Reaktion Israels

 13.07.2026

Brüssel

EU: Außenminister beraten über mögliche Israel-Sanktionen

Bei ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause beraten die Außenminister der EU-Staaten über Strafmaßnahmen wegen Israels Siedlungspolitik. Zudem geht es auch um Russland und den Iran

 12.07.2026

Jerusalem

Wahl in Israel am 27. Oktober erwartet

Der Termin für die Wahl der Knesset steht Berichten zufolge fest

 12.07.2026

Justiz

Verfassungskrise und Anarchie?

Die Regierung ignoriert ein Urteil des Obersten Gerichtshofs

von Sabine Brandes  12.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  13.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026