Gaza

Jetziger und einstiger Stabschef warnen erneut

Generalstabschef Eyal Zamir Foto: Flash 90

Es ist eine klare Warnung in Richtung Hamas: Hunderte von gepanzerten Armeefahrzeugen, Bulldozern und Panzern stehen bereit, in den Gazastreifen hineinzufahren. Sie sollen die Hochburgen der Terrororganisation angreifen und Gaza-Stadt vorübergehend besetzen, so die Ansage der Regierung. Doch der Stabschef der israelischen Armee, Eyal Zamir, warnt erneut vor den Folgen der Operation mit Namen Gideons Streitwagen II.

Premierminister Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag angekündigt, dass die IDF ihre Operationen in Gaza-Stadt intensivieren, terroristische Infrastruktur angreifen und wichtige Hamas-Hochburgen zerstören werde. Der Beginn erfolgte mit schweren Luftangriffen auf Hochhäuser, die die Hamas zur Überwachung genutzt haben soll. »Hunderte von Überwachungskameras, Scharfschützennester und Panzerabwehrraketenstellungen« seien zerstört worden sein, erklärten israelische Beamte gegenüber der Tageszeitung Yedioth Acharonot.

Das Ziel von »Die Streitwagen Gideons II« bestehe, wie die IDF erläutert, nicht darin, die Hamas endgültig zu besiegen oder alle Kämpfer zu töten, sondern ihre Infrastruktur in Gaza-Stadt, sowohl ober- als auch unterirdisch, schwer zu beschädigen.

Strategisch solle Israel einen Geiseldeal anstreben

Jedoch, meint Zamir, dass Israel aus strategischer Sicht einen Geiselbefreiungs-Deal, auch einen teilweisen, anstreben sollte. Sowohl aus moralischer Pflicht als auch um das erklärte Kriegsziel, die Freilassung der Geiseln, zu erreichen. Er drängte die Regierung außerdem, über die Nachkriegsregierung in Gaza zu entscheiden, und warnte davor, in eine ungeplante Militärverwaltung abzudriften, die Tausende israelischer Soldaten erfordern würde.

Dazu sei Zamir über eine potenzielle Opferzahl auf Seiten der israelischen Armee in den kommenden Monaten besorgt, brachte er zum Ausdruck. In jüngsten Diskussionen habe er wiederholt das Prinzip »Sicherheit vor Geschwindigkeit« betont, um nicht in Gassen und Tunneln in die Fallen der Hamas zu tappen, schreibt Yediot Acharonot.

Was Zamir jedoch angeblich am meisten frustriert, so der Bericht weiter, sei »das Zögern von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Finanzminister Bezalel Smotrich, der entscheidenden Stimme im Kabinett, eine langfristige Entscheidung« für ein sogenanntes Tag-danach-Szenario für Gaza zu treffen.

Gadi Eizenkot: »Einnahme von Gaza-Stadt könnte zu einem unumkehrbaren Im Stich lassen der Geiseln führen.«

Am Freitagmorgen meldete sich auch Gadi Eizenkot, er selbst ehemaliger Stabschef und Knesset-Mitglied, vor einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in Jerusalem zu Wort. Er ist der Meinung, dass eine israelische Übernahme von Gaza-Stadt wahrscheinlich zu einem unumkehrbaren »im Stich lassen der Geiseln« führen würde. Auch Eizenkot warnt, es würde zudem das Leben vieler Soldaten gefährden.

Netanjahu handle »in seinem eigenen Interesse und im völligen Widerspruch zu den Empfehlungen aller führenden Politiker des Verteidigungssektors«, so Eizenkots harsche Einschätzung. »Diese Entscheidung wird unter dem Opfer unserer besten Kräfte getroffen und die Geiseln werden – und dieses Mal für immer – ihrem Tod überlassen«. Eizenkots Sohn Gal wurde im Dezember 2023 bei einer Geiselbefreiungsaktion in Gaza getötet. Später starb auch sein Neffe bei einer Militäroperation.

Er wandte sich auch direkt an die Mitglieder des Sicherheitskabinetts: »Sie tragen persönliche Verantwortung und können sich nicht hinter Netanjahu verstecken. Behalten Sie Israels Langlebigkeit im Auge, nicht ewige Kriege.«

Angehörige der Geiseln sind entsetzt über Plan

Auch viele Angehörige der Geiseln sind entsetzt über den Plan, Gaza-Stadt einzunehmen, wo sich zumindest einige der verschleppten Israelis in der Gewalt der Hamas befinden sollen.

Dani Miran, dessen Sohn Omri seit fast zwei Jahren festgehalten wird, sagte: »Die Entscheidung, die Kampfhandlungen auf die städtischen Gebiete Gazas auszuweiten, wo die Geiseln angeblich versteckt werden, könnte dazu führen, dass sie von unseren Soldaten beschossen werden. Ein weiser Anführer hätte sich nicht zu einer solchen Mission entschieden, wenn praktisch ein Geiseldeal auf dem Tisch liegt.«

»Die Familien warteten auf den Abschluss der Gespräche in der Hoffnung, dass die Geiseln zu den Feiertagen bei uns sein würden, aber auch diese Hoffnung ist geschwunden. Und wieder sind wir untröstlich.« Der Vater fügte hinzu: »Hört auf, uns zu misshandeln. Tut alles, um unsere geliebten Menschen zurückzubringen. Ich will mein Kind wieder!«

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