Nach einem gewalttätigen Angriff israelischer Siedler nahe Nablus im nördlichen Westjordanland haben israelische Sicherheitskräfte drei Israelis festgenommen, wie die »Times of Israel« berichtet. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds und der israelischen Armee wurden dabei mehrere Palästinenser verletzt und Fahrzeuge in Brand gesetzt.
Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag in der Nähe der Milchfabrik al-Junaida beim Dorf Deir Scharaf. Während Armee und Polizei von drei Festnahmen sprachen, zeigen Videoaufnahmen, dass mindestens ein Dutzend vermummter Angreifer beteiligt war. Der Bürgermeister des nahegelegenen palästinensischen Ortes Beit Lid erklärte, es habe mehr als eine Stunde gedauert, bis israelische Sicherheitskräfte die Angreifer zerstreuten.
In einer gemeinsamen Mitteilung teilten IDF und Polizei mit, zwei Palästinenser seien mit mittelschweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Der Rote Halbmond berichtete hingegen von drei Verletzten im Alter von 48, 50 und 65 Jahren, die schwer misshandelt worden seien. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA erlitt der älteste Mann einen Armbruch, die beiden anderen Prellungen.
Überwachungskameras dokumentierten, wie mehrere maskierte Personen einen Mann attackierten, der auf dem Boden kniete. Er wurde von mehreren Angreifern getreten und mit Knüppeln geschlagen, bis er stürzte und die Täter flüchteten.
Die Sicherheitskräfte erklärten, sie hätten die drei Verdächtigen am Eingang der nahegelegenen Siedlung Schavei Schomron festgenommen, nachdem gemeldet worden war, dass Extremisten vier Autos angezündet und Palästinenser angegriffen hätten, darunter einen Mann in seinem Fahrzeug. Die Verdächtigen wurden zur Vernehmung auf die Polizeistation Ariel gebracht; weitere Ermittlungen laufen.
Beit Lids Bürgermeister Hussein Hammadi sagte gegenüber AFP, der Angriff habe sich entlang der Hauptstraße nahe seines Dorfes abgespielt. »Drei Autos wurden angezündet. Ein gehörloser Mann wurde schwer verletzt, zudem gab es Verletzungen durch Tränengas«, erklärte er. Erst nach über einer Stunde seien die Angreifer von den Sicherheitskräften zurückgedrängt worden.
Auch aus dem Siedlerlager kam eine Verurteilung der Gewalt. Yossi Dagan, Vorsitzender des Regionalrats der Siedlungen im nördlichen Westjordanland, forderte, »diese gewalttätige Handvoll vor Gericht zu bringen«.
Siedler setzen Klassenzimmer in Brand
Israelische Siedler haben palästinensischen Medienberichten zufolge auch ein Klassenzimmer in einer Schule im Westjordanland in Brand gesetzt. Die Bewohner des Dorfes Dschalud südlich von Nablus konnten das Feuer demnach löschen. Da der Angriff außerhalb der Unterrichtszeit stattgefunden habe, sei niemand verletzt worden. Israelischen Medien zufolge sei es auch zu Zerstörungen und Graffiti mit den Worten »Rache« gekommen.
In einer Stellungnahme bestätigte die israelische Armee die Brandstiftung in der Schule. Nach Berichten über Vandalismus seien Soldaten in das Dorf geschickt worden, hätten aber keine Verdächtigen gefunden.
Übergriffe haben seit dem 7. Oktober zugenommen
Bereits im November 2025 war die Gegend um Deir Scharaf Ziel eines Siedlerangriffs gewesen, bei dem palästinensisches Eigentum beschädigt und zehn Menschen verletzt wurden; damals gab es vier Festnahmen. Insgesamt haben Übergriffe von Siedlern auf Palästinenser seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 deutlich zugenommen. Die IDF registrierte im Jahr 2025 mehr als 750 Fälle nationalistischer Gewalt – nach 675 im Vorjahr. Festnahmen sind der »Times of Israel« zufolge dabei vergleichsweise selten, Anklagen und Verurteilungen noch seltener. ja/dpa