Bayern

»Israelische Bürger nicht willkommen«: Antisemitischer Eklat in Fürth

Foto: picture alliance / Daniel Karmann

Die israelitische Kultusgemeinde Fürth protestiert gegen einen Aushang eines örtlichen Restaurants, mit dem »israelische Bürger« dort für nicht willkommen erklärt wurden. »So eine Ausgrenzung ist einfach beschämend und fürchterlich«, sagte die Vorsitzende Julia Tschekalina der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorfall sei antisemitisch, er erinnere sie an das Jahr 1933. »Damals hat das auch so angefangen.« Sie kündigte unter anderem an, eine Anzeige zu prüfen.

Auch der bayerischen Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle kritisierte den Vorfall. »Dass ein Gasthaus israelische Bürger ausgrenzt und ihnen das Haus verbietet, ist unhaltbar und unerträglich. Damit nehmen die Gastwirte Erwachsene, Kinder und Jugendliche aus Israel dafür in Verantwortung, was die israelische Regierung beschließt und umsetzt.« Die Zivilgesellschaft sei gefragt, »entsprechend auf den Vorfall zu reagieren«. 

Spaenle machte am gleichen Tag noch einen ähnlichen Vorfall öffentlich. »Es ist unvorstellbar. Ein Musikalienhandel verlangt von einem israelischen Orchester eine Bewertung der Lage im Gazastreifen, um diesem einen Verstärker zu vermieten«, hieß es in einer Mitteilung. Das gleiche einer »öffentlichen Gewissensprüfung«. Das Musikgeschäft in Oberbayern vertritt damit nach Ansicht Spaenles die Ziele der antisemitischen Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions (BDS). Er betonte: »Das ist eine Form von Antisemitismus.«

In Fürth bestätigte der Restaurantbetreiber den von der Kultusgemeinde kritisierten Aushang auf dpa-Nachfrage. Dieser sei aber nicht antisemitisch gewesen und habe auch keine Beleidigung enthalten, sagte er. Man habe das Plakat, das auch nur im Inneren angebracht worden sei, auch nach zwei oder drei Stunden wieder entfernt. 

Dort stand laut einem Foto, das die israelitische Kultusgemeinde weitergab: »Wir lieben alle Menschen, egal woher sie kommen. Wir glauben, dass die Kinder dieser Welt unter keinen Umständen angetastet werden sollten. Wir sind ein internationales Team. Wir gehören zur Zivilgesellschaft und werden daher nicht wie der Rest der Welt tatenlos zusehen. Deshalb haben wir uns entschieden zu protestieren. Unser Protest hat keinen politischen, geschweige denn rassistischen Charakter«.

Und dann: »Israelische Bürger sind in diesem Lokal nicht willkommen. Natürlich werden sie wieder willkommen sein, sobald sie sich entscheiden, ihre Augen, Ohren und Herzen zu öffnen.«

Tschekalina sagte, man könne natürlich das militärische Vorgehen der israelischen Regierung kritisieren, das machten die Israelis auch selbst. Mit dem Aushang werde aber ein ganzes Volk ausgegrenzt. 

Nach der israelitischen Kultusgemeinde hat sich auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband von einem Aushang in einem Fürther Restaurant distanziert, in dem der Gastwirt »israelische Bürger« zeitweilig für nicht willkommen erklärte. »Bayern und das bayerische Gastgewerbe sind weltoffen und bieten Heimat für Menschen aller Nationen und jeden Glaubens«, sagte der Geschäftsführer des bayerischen Dehoga-Landesverbandes, Thomas Geppert. »Vielfalt ist Teil unserer DNA.« 

In der vergangenen Woche hatte ein antisemitischer Aushang in einem Flensburger Geschäft für Entsetzen gesorgt und die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Auf dem Zettel hieß es nach Medienberichten: »Juden haben hier Hausverbot! Nichts persönliches, auch kein Antisemitismus, kann euch nur nicht ausstehen«. Der Zettel wurde mittlerweile entfernt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, »dass durch das Plakat die Menschenwürde der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden dadurch angegriffen wurde, dass diese wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum böswillig verächtlich gemacht wurden«. dpa/ja

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