Die israelischen Streitkräfte bereiten sich intensiv auf ein neues Eskalationsszenario mit dem Iran vor. Wie »Ynet« berichtet, hat das Heimatfrontkommando der IDF nahe der Gaza-Grenze erstmals seit dem 7. Oktober wieder umfassende Rettungsübungen an der Militärbasis Zikim durchgeführt. Dort wurde eigens ein großflächiges Zerstörungsareal errichtet, das unterschiedliche Katastrophen- und Angriffslagen simuliert.
Die Basis Zikim hatte über mehr als zwei Jahre hinweg nicht mehr ihrer ursprünglichen Funktion als Ausbildungsstätte gedient. Nach den Ereignissen vom 7. Oktober wurde sie als Sammelpunkt für Einheiten genutzt, die im Norden des Gazastreifens im Einsatz waren. Nun wertet die Armee die Rückkehr von Ausbildungs- und Trainingsbetrieb als Zeichen einer gewissen Normalisierung entlang der Grenze.
In den vergangenen Wochen absolvierte dort erstmals ein Reservebataillon des Heimatfrontkommandos aus dem westlichen Galiläa eine groß angelegte Übung. Die Soldaten trainierten die Rettung und Bergung von Verschütteten aus einem künstlich angelegten Trümmerfeld, das einem zerstörten Wohngebiet nachempfunden ist. Das Szenario sollte möglichst realistisch sein: Trümmer aus Betonplatten und Gebäudeteilen waren eigens für die Übung zusammengetragen worden – allerdings nicht aus Gaza, wie einige Teilnehmer zunächst vermuteten, sondern aus einem zivilen Recyclingprojekt der Bauwirtschaft.
Militär und Ersthelfer
Beteiligt war unter anderem das Bataillon 974, das für den Raum zwischen Karmiel und Akko zuständig ist. In die Übung eingebunden wurden auch arabisch-israelische Freiwillige aus lokalen Notfalleinheiten, unter anderem aus Bi’ina, Deir al-Asad und Majd al-Krum. Ziel war es laut »Ynet«, die Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Ersthelfern unter Extrembedingungen zu trainieren.
Offiziell orientierte sich das Hauptszenario an einem schweren Erdbeben mit massiven Schäden in einem Wohnviertel – ein Risiko, das von Israels Sicherheitsbehörden als reale Bedrohung für die kommenden Jahre eingeschätzt wird. Darüber hinaus flossen jedoch auch Lehren aus realen Angriffen ein, die Israel im vergangenen Sommer erlebt hatte. Geübt wurde insbesondere der Umgang mit großflächiger Zerstörung durch iranische Streumunition, deren Gefechtsköpfe sich in großer Höhe öffnen und zahlreiche Sprengkörper über mehrere Straßenzüge verteilen.
Solche Waffen waren nach Angaben der IDF bereits bei Einschlägen in Rehovot und Ramat Gan während der Operation »Rising Lion« zum Einsatz gekommen. Die Armee geht davon aus, dass der Iran bei einer erneuten Konfrontation erneut auf dieses Mittel setzen könnte – auch vor dem Hintergrund möglicher US-Militärschläge gegen iranische Ziele.
Während der Übung mussten die Rettungskräfte zudem mit nicht detonierter Munition umgehen, die im Trümmerfeld als akute Gefahr galt. Besonderes Augenmerk liegt dem Bericht zufolge auch auf der Erfassung von Informationen über betroffene Zivilisten, einschließlich möglicher ausländischer Staatsangehöriger unter den Verschütteten.
Zusätzlich probten die Einheiten ein besonders heikles Szenario: gezielte Folgeangriffe auf Rettungskräfte, die bereits an einem Zerstörungsort im Einsatz sind. »Das sind Dilemmata, mit denen unsere Kräfte bereits konfrontiert waren – und wieder konfrontiert sein werden«, erklärte der Bataillonskommandeur. Dazu gehöre etwa die Frage, wie Rettungsteams reagieren sollen, wenn sie sich tief in einem eingestürzten Gebäude befinden und währenddessen ein erneuter Raketenalarm ausgelöst wird.
Die Übung ging bewusst an die Grenzen des Leistbaren. Neben Raketenangriffen wurden auch ein bewaffneter Terroranschlag auf den Einsatzort sowie ein Cyberangriff simuliert, der sämtliche technischen Systeme lahmlegte. Nach Angaben des Heimatfrontkommandos sollen alle Reserveeinheiten im Laufe des Jahres vergleichbare Trainings absolvieren, um auf extreme, aber realistische Bedrohungslagen vorbereitet zu sein. im