New York/Tel Aviv/Gaza

Nach Bericht: Hamas-Mitgliedschaft eines Arztes unbewiesen

Das Kamal-Adwan-Krankenhaus wurde als Basis der Hamas missbraucht. Bei Kämpfen zwischen den israelischen Streitkräften und der Terrororganisation wurde es weitgehend zerstört. Foto: picture alliance / Anadolu

Die Nichtregierungsorganisation »NGO Monitor« behauptet, Hussam Abu Safyia, ein Arzt im Gazastreifen, der in zwei Gastbeiträgen für die »New York Times« scharfe Kritik an Israel geäußert hatte, sei Oberst der palästinensischen Terrororganisation Hamas. Doch einen eindeutigen Beweis dafür bleibt »NGO Monitor« schuldig.

Als Beleg verbreitet die Organisation ein Foto aus dem Jahr 2016, das den Arzt bei einer Zeremonie anlässlich der Eröffnung eines neuen Flügels des Kamal-Adwan-Krankenhauses zeigt. Abu Safyia, der auch Direktor des Krankenhauses ist, trägt dabei laut »NGO Monitor« eine »Hamas-Uniform«. Allerdings sind auf der olivgrünen Uniform keinerlei Hamas-Insignien zu erkennen.

Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen, welche Beweise »NGO Monitor« dafür hat, dass es sich bei dem Outfit um eine Hamas-Uniform handelt, antwortet die Organisation mit einer Gegenfrage. »Die Frage, die gestellt werden muss, lautet: Welche Beweise gibt es dafür, dass es sich nicht um eine Hamas-Uniform handelt? Was könnte es sonst sein?« Ein Sprecher von »NGO Monitor« betonte, dass die Hamas eine Terrororganisation und keine staatliche Armee mit einheitlichen Uniformen sei.

Das vom »NGO Monitor« geteilte Foto wurde auf der Facebook-Seite des Medizinischen Dienstes im Gazastreifen veröffentlicht. Einem Beitrag der Seite aus dem Jahr 2020 zufolge ist Abu Safyia Oberst beim Militärisch-Medizinischen Dienst (MMS). Der MMS untersteht der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde und dem Innenministerium im Gazastreifen. Eine Mitgliedschaft beim MMS ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Mitgliedschaft in der Hamas.

Ein identifizierter Hamas-Terrorist ist auf dem Foto jedoch eindeutig zu sehen: Ahmed Al-Kalout sitzt zwei Reihen vor Abu Safyia. In einem Verhör mit israelischen Sicherheitskräften hat er Ende 2023 gestanden, dass er Brigade-General der Hamas ist und dass Terroristen das Kamal-Adwan-Krankenhaus als Truppenstützpunkt missbraucht haben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Abu Safyia wirft Israel »Völkermord« vor

International bekannt wurde Abu Safyia durch zwei Meinungsbeiträge in der »New York Times«, die er nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 veröffentlichte. In Texten vom 29. Oktober 2023 und vom 2. Dezember 2024 warf er Israel schwere Verbrechen im Gazastreifen vor. In einem der Beiträge schrieb er: »Wir leiden und zahlen den Preis für den Völkermord, der hier im Norden des Gazastreifens an unserem Volk verübt wird.«

Lesen Sie auch

Der leitende NGO-Monitor-Mitarbeiter Vincent Chebat erklärte, Redaktionen müssten sich ernsthaft fragen, warum sie »die Propaganda eines buchstäblichen Hamas-Terroristen« verbreitet hätten. Die »New York Times« hatte Abu Safyia in den Texten als »Kinderarzt und Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Norden Gazas« vorgestellt. Hinweise auf eine mögliche Hamas-Zugehörigkeit fehlten.

Amnesty International bezeichnete ihn als »prominente Stimme aus Gazas dezimiertem Gesundheits-Sektor« und forderte seine Freilassung aus israelischer Haft, in der er sich zeitweise befand.

Aufenthaltsort für Hunderte Terroristen

Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte bekräftigte, dass Abu Safyia ein ranghohes Mitglied der Hamas sei. Beweise dafür legte die israelische Armee allerdings nicht vor.

Nach Angaben der israelischen Armee wurde Abu Safyia im Verlauf des Krieges festgenommen, da der Verdacht bestand, er sei in »terroristische Aktivitäten« verwickelt. Eine Anklage wurde jedoch nicht erhoben, später kam er wieder frei. Zu seinem aktuellen Aufenthaltsort äußerten sich die israelischen Gefängnisbehörden bislang nicht. ja

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026