Debatte

»Ärzte ohne Grenzen« wegen Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen in der Kritik

Foto: picture alliance/dpa

Israel hat schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Hilfsorganisation »Medecins sans frontieres« (»Ärzte ohne Grenzen«) im Gazastreifen erhoben. Nach Angaben des Außenministeriums waren mindestens zwei dort beschäftigte Personen gleichzeitig Mitglieder palästinensischer Terrororganisationen. Der Regierung liegt eigenen Angaben zufolge belastendes Material zu den Fällen vor, wie das Jewish News Syndicate zuerst berichtete.

Demnach arbeitete Fadi al-Wadiya für die in Genf ansässige NGO, während er zugleich eine führende Rolle innerhalb des Palästinensischen Islamischen Dschihad innehatte. Al-Wadiya soll unter anderem für den Ausbau der Raketenfähigkeiten der vom Iran gesteuerten Terrororganisation verantwortlich gewesen sein. Das Außenministerium veröffentlichte dazu ein Foto, das ihn in militärischer Ausrüstung zeigt.

In einem zweiten Fall erklärte das Ministerium, Nasser Hamdi Abdelatif al-Shalfouh habe parallel zu seiner Tätigkeit für »Ärzte ohne Grenzen« als Scharfschütze der palästinensischen Terrororganisation Hamas agiert. Er sei an »Kampf- und operativen Terroraktivitäten« beteiligt gewesen.

»Überprüfung unerlässlich«

In einer Stellungnahme betonte das Außenministerium die Notwendigkeit strenger Kontrollen bei humanitären Organisationen. »Deshalb sind eine gründliche Überprüfung und echte Rechenschaftspflicht für humanitäres Personal unerlässlich. Hilfe darf niemals als Deckmantel für Terror dienen«, hieß es.

Lesen Sie auch

Bereits zuvor hatte die Organisation NGO Monitor vier Mitarbeiter von »Ärzte ohne Grenzen« als Mitglieder von Terrororganisationen im Gazastreifen identifiziert. Neben al-Wadiya nannte NGO Monitor Mahmoud Abu Nujaila, eine führende Figur der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), sowie Mazab Bashir, der laut Bericht in ein Attentatskomplott gegen den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert verwickelt gewesen sei. Zudem wurde Hani Majdalawi genannt, ein Krankenpfleger aus Gaza, der auf israelische Soldaten geschossen haben soll.

»Ärzte ohne Grenzen« hatte im Februar 2024 eingeräumt, weiterhin mit dem von Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen zusammenzuarbeiten. Dieses bezeichnete die Organisation damals als »zuständige Regierungsbehörde für das Gesundheitswesen«.

Lesen Sie auch

Vor dem Hintergrund solcher Vorwürfe setzte Israel zum Jahresbeginn ein neues Regelwerk für Nichtregierungsorganisationen in Gaza und im Westjordanland in Kraft. Lizenzen von Organisationen, die nach israelischer Einschätzung notwendige Sicherheits- und Transparenzstandards nicht erfüllen, können seither ausgesetzt oder entzogen werden. Die Maßnahme folgte auf eine ressortübergreifende Überprüfung unter Leitung des Ministeriums für Diaspora-Angelegenheiten und den Kampf gegen Antisemitismus.

In einer offiziellen Erklärung hieß es, Sicherheitsprüfungen hätten ergeben, dass Mitarbeiter mehrerer NGOs in terroristische Aktivitäten verwickelt gewesen seien. Besonders hervorgehoben wurden dabei Verbindungen einzelner Beschäftigter von »Ärzte ohne Grenzen« zu palästinensischen Terrororganisationen, darunter der Palästinensische Islamische Dschihad und die Hamas.

Das neue Regelwerk verpflichtet NGOs zu umfassender Transparenz hinsichtlich Personal, Finanzierungsquellen und Organisationsstrukturen. Als Gründe für einen Lizenzentzug gelten zudem Aktivitäten zur Delegitimierung Israels, Holocaustleugnung oder die Leugnung der Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober 2023. ja

Wissenschaft

Israels Forscher erzielen Erfolg in Alzheimerforschung

Ausgerechnet ein zelluläres »Entsorgungssystem«, das eigentlich schädliche Proteine beseitigen soll, könnte zur Weiterverbreitung der Krankheit beitragen

 06.01.2026

Sexualisierte Gewalt

Romi Gonen: »Der Hamas-Chef schlug mir einen Deal vor«

Die ehemalige Geisel der Terrororganisation berichtet in Teil zwei ihres Interviews, was nach den Übergriffen geschah

von Sabine Brandes  06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu attackiert Opposition in hitzigem Knesset-Duell

Die Aufklärung des 7. Oktobers, die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und »Katargate« wurden auf Druck der Opposition im israelischen Parlament diskutiert

 06.01.2026

Blumen und Kerzen sind als Zeichen des Gedenkens an die Opfer nach dem Brand in der Bar und Lounge »Le Constellation« in Crans-Montana.

Schweiz

Drittes jüdisches Mädchen tot

Bei der tödlichen Katastrophe im Nobelskiort Crans-Montana sind drei junge jüdische Frauen ums Leben gekommen

von Nicole Dreyfus  06.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  05.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 05.01.2026

Kommentar

Keine großen Sorgen vor Mamdani, bitte

Hannes Stein über den neuen Bürgermeister von New York und die Herausforderungen, die der Job für den Israelhasser mit sich bringt

von Hannes Stein  05.01.2026

Wintersport

Noa Szollos schreibt Sportgeschichte für Israel – Bekommt sie nun eine Katze?

Noa Szollos holt im Slalom von Kranjska Gora die ersten Punkte für Israel. Anschließend berichtet die 22-Jährige von einer kuriosen Wette mit ihren Eltern

 05.01.2026

Wetter

Phänomen am Himmel erstaunt Israelis

Meteorologen erklären das Naturschauspiel, das sich fast im ganzen Land zeigt

von Sabine Brandes  05.01.2026