Jerusalem

Israel führt neue Regeln für den Tempelberg ein

Jüdische Gläubige am Dienstag auf dem Tempelberg Foto: picture alliance / REUTERS

Zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan hat Israel mehrere Maßnahmen rund um den Tempelberg in Jerusalem ergriffen. Dazu zählen verlängerte Besuchszeiten für jüdische Besucher, neue Zugangsbeschränkungen für palästinensische Muslime sowie umfangreiche Maßnahmen für die Sicherheit. Die Entscheidungen haben scharfe Kritik der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ausgelöst. Die »Times of Israel« und andere Medien vor Ort berichteten.

Nach Angaben israelischer Sicherheitsbehörden wurde die morgendliche Besuchszeit für jüdische Besucher auf dem Tempelberg um eine Stunde verlängert. Aktivisten, die eine stärkere jüdische Präsenz auf dem Areal fordern, hatten die Maßnahme als symbolisches Entgegenkommen begrüßt und von einem »kleinen Zugeständnis« gesprochen. Die PA verurteilte die Änderung dagegen als »gefährliche Eskalation« und warnte, dass daraus eine dauerhafte Veränderung der bisherigen Praxis entstehen könne.

Der Tempelberg gilt als einer der sensibelsten religiösen Orte der Welt: Für Muslime befindet sich dort die Al-Aqsa-Moschee, für Juden ist es der heiligste Ort des Judentums. Laut Vereinbarungen dürfen Juden das Areal besuchen, dort aber nicht beten. Diese Regelungen wurden in den vergangenen Jahren schrittweise aufgeweicht, was regelmäßig Proteste der palästinensischen Seite auslöst.

Lesen Sie auch

Parallel zu den Änderungen für jüdische Besucher verhängte Israel neue Auflagen für palästinensische Gläubige aus dem Westjordanland. Während des Ramadan sollen maximal 10.000 Menschen an den Freitagsgebeten in der Al-Aqsa-Moschee teilnehmen dürfen. Zugelassen sind nur Männer ab 55 Jahren, Frauen ab 50 Jahren sowie Kinder bis 12 Jahre in Begleitung enger Angehöriger. Alle Teilnehmer benötigen eine vorherige Sicherheitsgenehmigung und müssen nach der Rückkehr zusätzliche Kontrollen durchlaufen. Muslimische Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft sind von den Beschränkungen nicht betroffen.

Die israelische Polizei kündigte zudem an, den Tempelberg und die umliegenden Viertel während des gesamten Ramadan massiv zu sichern. Tausende Beamte sollen insbesondere an den Freitagen im Einsatz sein, wenn traditionell die größten Menschenmengen zum Gebet kommen. Auch im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wurden zusätzliche Maßnahmen ergriffen, darunter Einsätze gegen mutmaßliche Aufrufe zu Gewalt in sozialen Netzwerken sowie die Schließung einer Straße nahe der Sperranlage, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Der Tempelberg ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Jede Veränderung der Regeln oder der Sicherheitslage kann dort rasch zu Unruhen führen. Die PA beschwert sich seit Jahren regelmäßig über Sicherheitsmaßnahmen. im

Jerusalem

Isaac Herzog: Bete für Ende der Terrorherrschaft im Iran

Der israelische Präsident Herzog übermittelt dem iranischen Volk gleichzeitig »die besten Wünsche« zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan

 19.02.2026

Studie

Wachsen vegetarisch oder vegan ernährte Babys und Kleinkinder langsamer?

Müssen kleine Kinder Fleisch essen? Eine Untersuchung der Ben-Gurion-Universität wirft ein neues Licht auf weit verbreitete Vorstellungen

 19.02.2026

Nahost

Hisbollah verstößt gegen Waffenruhe

Waffenlager, Raketenabschussrampen und weitere militärische Einrichtungen im Libanon wurden getroffen. Diese sollten nach Darstellung der Armee für Angriffe auf Israel genutzt werden

 19.02.2026

Nahost-Politik

CDU könnte Stopp deutscher Zahlungen an UNRWA beschließen

Am Wochenende findet der Bundesparteitag der CDU in Stuttgart statt. Beschlossen werden könnte auch ein Antrag zu deutschen Zahlungen an die Palästinenser, der es in sich hat

von Michael Thaidigsmann  18.02.2026

Kulturerbe

Die vergessenen Synagogen

In den Straßen Tel Avivs verbergen sich Hunderte ehemalige Bet- und Lehrhäuser – Zeugen einer orthodoxen Blütezeit, die heute nur noch wenigen bekannt ist

von Henry Jakubowicz  18.02.2026

Gaza

Fallschirmjäger stirbt durch Eigenbeschuss

Der 21-jährige Stabsunteroffizier Ofri Yafe, Angehöriger der Aufklärungseinheit der Fallschirmjäger, wurde während einer Operation im Raum Chan Junis tödlich verletzt

 18.02.2026

Olympische Winterspiele

»Ganz Israel kann stolz sein«

Adam Edelman spricht im Interview über Israels Olympia-Premiere im Bob, Teamgeist und sportlichen Ehrgeiz

von Sabine Brandes  18.02.2026

Wirtschaft

Schekel auf 30-Jahres-Höhenflug

Kurzfristig könnten importierte Waren für Israelis billiger werden - für die Exportwirtschaft aber birgt starke Währung Gefahren

von Sabine Brandes  18.02.2026

Westjordanland

Rabbiner aus Siedlungen warnen vor Gewalt

Zehn geistliche Autoritäten erklärten, Übergriffe schadeten dem gesamten Siedlungsprojekt und könnten dessen Zukunft gefährden

 18.02.2026