Israel

IDF wollen 54.000 ultraorthodoxe Männer einberufen

Ultra-orthodoxe IDF-Reservisten bei einem Einsatz in Gaza am 26. Juni Foto: copyright (c) Flash90 2025

Die israelische Armee hat angekündigt, bis Ende des Monats 54.000 Einberufungsbefehle an ultraorthodoxe junge Männer zu verschicken. Diese würden an Religionsstudenten ergehen, deren Befreiung vom Wehrdienst nicht mehr gelte, weil das zugrundeliegende Gesetz seine Wirkung verloren habe, hieß es in einer Mitteilung der israelischen Streitkräfte.

Das israelische Militär kämpft nach 21 Monaten Krieg und anderen bewaffneten Konflikten in seiner unmittelbaren Nachbarschaft mit Personalproblemen. Wehrpflichtige und Reservisten müssen immer längere Dienstverpflichtungen für Einsätze an der Front hinnehmen. Charedim waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit.

Diese Ausnahmeregelung lief jedoch im vergangenen Jahr aus. Der rechts-religiösen israelischen Regierung gelang es bislang nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden. Der Oberste Gerichtshof erließ schließlich im Sommer 2024 ein Urteil, wonach ultraorthodoxe Männer zum Wehrdienst einzuziehen sind.

Wehrdienst als Bedrohung

Viele ultraorthodoxe Juden empfinden den Militärdienst als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem weil Frauen und Männer gemeinsam dienen. In den letzten Monaten ausgestellte Einberufungsbefehle ignorierten sie zumeist. In der israelischen Mehrheitsgesellschaft sorgt das angesichts der Kriege, in die das Land verwickelt ist, für Irritationen.

Lesen Sie auch

Die rechts-religiöse Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ringt um ein Gesetz, das die Wehrpflicht der Ultraorthodoxen regelt. Entwürfe, die ernsthafte Sanktionen vorsehen, weisen die ultrareligiösen Partner in der Regierungskoalition zurück. Sollten solche etwa mit den Stimmen der Oppositionsparteien im Parlament gebilligt werden, drohen die Ultrareligiösen mit dem Bruch der Koalition.

Die Armee will nun auf der Grundlage des Entscheids des Obersten Gerichtshofs eine große Zahl von Religionsschülern ins Militär einberufen. In der Mitteilung vom Sonntag betont das Militär, dass es die Durchsetzung von Maßnahmen gegen Wehrdienstverweigerer und Deserteure verschärfen werde.

Praktisch undurchführbar

Es ist aber fraglich, ob das Militär diese Drohung gegenüber den Strenggläubigen wahrzumachen vermag. Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte die Armee 23.000 Einberufungsbefehle für sie ausgestellt, nur wenige hundert folgten ihnen. Keiner der Verweigerer wurde festgenommen.

Israelische Medien gehen davon aus, dass es auch im Zuge der neuen Welle von Einberufungsbefehlen nicht zur Festnahme von Verweigerern aus dem Milieu der Religionsschüler kommen wird. Dies würde eine rote Linie für die ultrareligiösen Parteien der Regierungskoalition darstellen.

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur schwer oder gar nicht vollständig zerstörbar, so die IDF. Die Terroristen hätten den Tunnel für unterschiedliche operative Zwecke genutzt

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026

Jerusalem

Umfrage: 92 Prozent der Israelis sehen Iran als Kriegssieger

Nur wenige Israelis halten die Kriegsführung ihrer Regierung für erfolgreich. Die Mehrheit sieht eine geschwächte Sicherheit und unerreichte Ziele.

 21.06.2026

Jerusalem

Israel lehnt Einschränkungen im Kampf gegen Hisbollah ab

Verteidigungsminister Israel Katz kündigt an, dass die israelische Armee auch weiterhin »Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen« im Südlibanon ergreifen könne

 21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026