In den vergangenen Tagen hat Otilia Duek jeden Abend ihr Haus geputzt, um es für die Pessach-Woche und den Seder vorzubereiten. Tagsüber steht sie hinter ihrem kleinen Stand auf dem Carmel-Markt in Tel Aviv und bietet die nahöstliche Süßspeise Knafeh an. Die Geschäfte laufen nicht gut für »Malkat HaKnafeh« – die Königin des Knafeh, wie Duek sich nennt. »Obwohl die Situation nicht leicht ist, fühle ich vor allem ›orech ruach‹ – Durchhaltewillen. Ans Aufgeben denken wir Israelis nicht, diese Mission muss zu Ende gebracht und die Mullahs, die uns auslöschen wollen, besiegt werden. Wir sind ein starkes Volk mit einer wunderbaren Armee. Wir werden diesen Krieg gewinnen, auch mit der Hilfe von oben.«
Die Studentin Achinoam Bitan lebt mit ihrem Freund Joris Van Dorpen in Jerusalem: »Wir finden die aktuelle Situation äußerst frustrierend. Unsere Arbeit und unser Studium stehen still, es herrscht große Unsicherheit, da sich Richtlinien und Einschränkungen ständig ändern. Anfangs haben wir auf einen Regimewechsel im Iran gehofft, doch wir waren unsicher, wie real die nukleare Bedrohung tatsächlich war und ob ein sofortiger Militärschlag notwendig war. Mit der Zeit haben wir mehr und mehr das Gefühl, dass dieser Krieg eher den Interessen der aktuellen Regierung als dem Wohl unseres Landes dient. Wir fühlen uns zunehmend ohnmächtig, und das Gefühl wird nur stärker.«
»Spätestens nach Pessach muss Schluss sein«
Or Simanbur lebt in Tel Aviv, seine Vorfahren stammen aus dem Iran. Vor mehr als fünf Jahrzehnten kam sein Großvater nach Israel. »Ich hoffe, dass das iranische Volk endlich in Freiheit leben kann. Zwar bin ich einerseits der Meinung, dass wir den Kampf bis dahin nicht aufgeben sollten, andererseits muss spätestens nach Pessach Schluss sein. Die Menschen hierzulande sind erschöpft – sowohl emotional als auch wirtschaftlich. Ich bin es auch. Für die Zeit nach dem Krieg wünsche ich mir, dass der ganze Nahe Osten eine gemeinschaftliche und friedliche Union wird, in der man frei umherreisen kann. Europa sollte das Vorbild sein.«
Die Oberschullehrerin Oschrat Cohen aus Kiryat Ata in der Nähe von Haifa wünscht sich vor allem, dass die Kinder bald wieder in die Schule gehen können: »Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft für unsere Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren der Unterricht ausgefallen ist. Nicht selten mehrere Wochen lang. Wir sehen die Auswirkungen deutlich im Verhalten und bei den Leistungen der jungen Leute. Ich hoffe, dass dies der letzte Krieg ist. Hoffentlich fällt das Regime in Teheran, damit die existenzielle Bedrohung aufhört. Ich bin mir sicher, dass sich die meisten Menschen in unserer Region ein normales Leben in Ruhe und Frieden wünschen. Und so sollte es sein.«
Moshe Van Dyke stammt aus den USA und lebt in Beit Schemesch. Für den religiösen Mann ist Pessach ein wichtiger Feiertag. Normalerweise kommt dazu die gesamte Familie zusammen, auch seine Mutter aus den USA. Dieses Mal aber wird der Seder klein. »Der Geist von Pessach ist der Kampf gegen die Sklaverei, und wir tun im Moment unseren Teil dafür, dass die Iraner gegen ihre Unterdrücker kämpfen können. Ich hoffe, dass wir schnell echte Resultate erreichen, damit wir nicht in einigen Jahren noch einmal dasselbe tun müssen. Aber ich möchte auch, dass der Krieg schnell endet, denn fast jeden Tag stirbt ein Soldat im Libanon. Ich wünsche mir, dass alle Piloten und Soldaten – auch mein Sohn, der Reservist im Norden ist – gesund nach Hause zurückkehren.«
»Pessach werden wir im Schutzraum feiern.«
Der Gymnasiast Shaqued Sarig aus Tel Aviv hatte eigentlich andere Pläne, als die gesamte Ferienzeit nur zu Hause zu sitzen: »Meine Eltern, mein Bruder und ich wollten in den Pessach-Ferien zusammen nach Italien fliegen und so richtig Urlaub machen. Wir hatten vor, durch das ganze Land zu reisen, in Restaurants jede Menge Pizza und Pasta zu essen und Spaß zu haben. Aber wegen des Krieges wurde alles storniert. Jetzt müssen wir bei meinen Großeltern wohnen, weil wir keinen Luftschutzbunker in unserer Wohnung haben. Pessach werden wir im Schutzraum feiern.«
Betsalel Batsinowski aus Holon ist Mitglied der israelischen Nationalmannschaft in der Kampfsportart Mixed Martial Arts. »Für mich und das ganze Team hat dieser Krieg sehr unangenehme Auswirkungen, denn unsere Nationalmannschaft hätte an der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi teilnehmen sollen. Wegen der Sicherheitslage dürfen wir nun aber doch nicht mit dabei sein. Das ist ein harter Schlag, und ich bin sehr traurig darüber. So wie ich haben viele Athletinnen und Athleten sehr hart dafür gearbeitet und lange auf diese Chance gewartet. Die Politik hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Darüber sind wir sehr enttäuscht.«
Zusammen mit ihrer Familie lebt Chagit Levy in der Stadt Karmiel im Galil nahe der Grenze zum Libanon, wo Raketenbeschuss durch die Hisbollah an der Tagesordnung ist. »Unsere Soldaten sind Helden, die alles tun, um uns zu schützen. Dieser Krieg dauert so lange, wie er dauert, damit für uns die Bedrohung aus dem Iran verschwindet und die Iraner in Freiheit und Respekt leben können. Dieses Terrorregime muss verschwinden. Dafür haben wir die Geduld. Aber letztendlich wollen wir natürlich Frieden. Wir möchten das Leben wieder genießen, lachen und tanzen gehen. Und ich wünsche mir, dass alle Juden der Welt Alija machen. Denn nur hier sind sie wirklich sicher.«