Mascha Malburg

Jerusalem ist allen heilig

Mascha Malburg, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen Foto: Marco Limberg

Mascha Malburg

Jerusalem ist allen heilig

Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den israelischen Behörden. Unsere Redakteurin wünscht sich nach dem neuesten Vorfall an der Grabeskirche mehr gegenseitiges Verständnis

von Mascha Malburg  31.03.2026 12:00 Uhr

Am Sonntag sorgte eine Meldung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem binnen weniger Stunden für empörte Reaktionen von den USA bis Jordanien. Staatschefs, Kirchenvertreter und Oberrabbiner urteilten über das, was sich am Morgen an der Grabeskirche zugetragen hatte: Der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, war von der israelischen Polizei am Zugang gehindert worden.

Auch die Behörde reagierte und erklärte, dass alle heiligen Stätten der Altstadt wegen des Krieges geschlossen seien, Präsident Herzog schob nach, er bedauere den Vorfall, und schließlich stellte Premier Netanjahu klar, er habe die Polizei angewiesen, dem Kardinal den Zugang zur Grabeskirche einzuräumen.

Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den Behörden

Dass der Fall so schnell für Empörung sorgte, liegt auch an seiner Vorgeschichte. Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den Behörden, welche die Zugangszahlen zu heiligen Stätten limitieren – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen: Immer mehr Pilger quetschen sich in die Grabeskirche, in der es an Notausgängen mangelt.

Gleichzeitig ließ sich spätestens 2025 an der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen zweifeln, als ein Beamter seine Waffe auf einen Gläubigen richtete. Besonders für Ostjerusalemer Christen ist die Sperrung ihres Viertels ein Affront.

Spätestens 2025 ließ sich an der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen zweifeln, als ein Beamter seine Waffe auf einen Gläubigen richtete.

Dass die Feierlichkeiten während des Krieges nicht wie gewohnt ablaufen können, ist unvermeidbar. Die Al-Aqsa-Moschee blieb zum Zuckerfest geschlossen, die Kotel ist derzeit menschenleer. Und auch in den Kirchen wird es an Ostern ruhiger zugehen müssen. Teile iranischer Raketen haben mehrfach die Altstadt getroffen.

Gleichzeitig ist im angespannten Verhältnis wichtig, deutliche Zeichen für die Religionsfreiheit zu setzen. Aus jüdischer Perspektive sollte klar sein, dass Religion nicht auf die häusliche Praxis beschränkt werden kann – öffentliche Zeremonien, zumindest symbolisch für einzelne Vertreter, können das Gefühl von Selbstbestimmung zurückgeben. Denn Jerusalem ist uns allen heilig.

malburg@juedische-allgemeine.de

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Jerusalem

Israeli soll für Iran Anschlag auf Naftali Bennett geplant haben

Ein 22-jähriger Israeli soll für den iranischen Geheimdienst einen Anschlag auf Ex-Premier Naftali Bennett geplant und Sprengstoff hergestellt haben. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Iran-Krieg

Israel vermeldet insgesamt 31 Kriegstote und 7500 Verletzte

Nach der Waffenruhe zieht Israel eine erste Bilanz des Krieges mit dem Iran – die IDF spricht von einer erfolgreichen Kampagne

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime militärisch begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026