Hintergrund

Hickhack um Friedensgespräche - und eine zehntägige Feuerpause

Israelische Panzer an der Grenze zum Libanon Foto: picture alliance / REUTERS

Die politische Dynamik zwischen Israel und Libanon gleicht derzeit einem Pendel, das sich kaum zur Ruhe bringen lässt. Während der Beschuss israelischer Ortschaften im Norden durch die Hisbollah wochenlang anhielt und die israelische Armee (IDF) in Reaktion darauf Luftangriffe auf Stellungen der schiitischen Miliz flogen, ist am Donnerstagabend von US-Präsident Donald Trump eine zehntägige Waffenruhe offiziell bestätigt worden. Sie soll um Mitternacht (Ortszeit Israel) in Kraft treten.

Zuvor hatte Trump ganz in seiner Manier mit ständig wechselnden Ankündigungen, widersprüchlichen Zeitplänen und einem hohen Maß an politischer Unberechenbarkeit für widersprüchliche Botschaften gesorgt. Währenddessen blieb die Lage für die Menschen im Norden Israels vor allem eines: gefährlich konstant.

Am Mittwoch hatte Trump verkündet, die Führungsspitzen Israels und des Libanon würden erstmals seit Jahrzehnten direkt miteinander sprechen. Ein Gespräch solle ein Schritt hin zu »etwas Luft zum Atmen« sein.

»Man versucht, etwas Luft zum Atmen zwischen Israel und dem Libanon zu schaffen. Es ist schon lange her, dass die beiden Staatschefs miteinander gesprochen haben, bestimmt 34 Jahre. Morgen wird es soweit sein. Toll!«, schrieb der Präsident am Mittwoch auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social.

Es scheint, als sei nicht einmal der Rahmen der Gespräche stabil

Doch schon die Reaktionen aus der Region zeigten, wie fragil seine Initiative war. Während Washington bereits von einem historischen Durchbruch sprach, erklärte Beirut zunächst, »von nichts zu wissen«. Das diplomatische Hickhack verstärkte den Eindruck, dass nicht einmal der Rahmen stabil war.

Ein solches mögliches Gespräch zwischen Jerusalem und Beirut hätte dabei eine historische Dimension, die weit über die aktuelle Eskalation hinausgeht: Es würde eine jahrzehntelange Phase der nur indirekten oder über Dritte geführten Kommunikation durchbrechen und könnte den Beginn eines neuen diplomatischen Kanals markieren – oder zumindest den Versuch dazu.

Ein Telefonat zwischen Aoun und Netanjahu wäre das erste direkte Gespräch von Staatschefs der beiden Länder seit mehr als drei Jahrzehnten. Die Nachbarn befinden sich offiziell im Kriegszustand. Am Dienstag waren in Washington erstmals seit Jahrzehnten Gesandte beider Seiten zu direkten politischen Gesprächen zusammengekommen. Ein Foto von dem Treffen ging um die Welt.

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Während sich Israel und die Hisbollah im Libanon im Zuge der aktuellen regionalen Eskalation erneut bekämpften, ist die libanesische Regierung keine aktive Kriegspartei und bemühte sich um Deeskalation. Zugleich machte sie Israel schwere Vorwürfe wegen der anhaltenden Angriffe im Libanon.

US-Präsident Trump: »Es ist schon lange her, dass die beiden Staatschefs miteinander gesprochen haben, bestimmt 34 Jahre. Morgen wird es soweit sein. Toll!«

Die Gewalt hatte mit dem Angriff der Hisbollah auf nördliche Gemeinden in Israel während des Irankrieges begonnen. Die Schiitenmiliz feuert regelmäßig Raketen, während die israelische Armee ihrerseits im Südlibanon Ziele des iranischen Proxys angreift. Die Folgen sind massiv: Nach offiziellen Angaben soll es im Libanon mehr als 2000 Tote und Hunderttausende Vertriebene geben sowie eine zunehmend zerstörte Infrastruktur in beiden Grenzregionen. Auf israelischer Seite leben viele Bewohner des Nordens unter dauerhaften Sirenenalarm, Evakuierungen und der ständigen Angst vor neuen Angriffen.

In diesem Umfeld wirken die diplomatischen Vorstöße aus Washington oft wie ein paralleles politisches System, das nur lose mit der Realität verbunden ist. Trump präsentiert dabei regelmäßig geändert Zeitpläne, neue Gesprächsformate und angebliche Durchbrüche – oft nur Stunden, nachdem frühere Aussagen bereits relativiert wurden.

Hinzu kommt, dass selbst innerhalb der beteiligten Staaten keine einheitliche Linie erkennbar ist. In Israel wird einerseits militärischer Druck fortgesetzt, andererseits über mögliche Gespräche mit Beirut gesprochen. Im Libanon wiederum steht die Regierung unter massivem innenpolitischem Druck seitens der Hisbollah, jede Form direkter Normalisierung mit Israel zu vermeiden.

Dann, am Donnerstagabend, die Nachricht in israelischen Medien, dass ein »ein möglicher Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah noch am selben Abend verkündet werden könnte«.

Diplomatische Bemühungen der USA deutlich ausgeweitet

US-Präsident Donald Trump habe dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun demnach signalisiert, eine Einigung werde erwartet. Die Entwicklung folgt auf intensivierte diplomatische Bemühungen der USA, die in den vergangenen Tagen deutlich ausgeweitet wurden, unter anderem gab es ein Telefonat zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Aoun, in dem die Notwendigkeit eines sofortigen Waffenstillstands betont wurde.

US-Vertreter hatten zuvor versucht, ein direktes Gespräch zwischen dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und Aoun zu arrangieren, in der Erwartung, dass dies eine Waffenstillstandserklärung nach sich ziehen könnte. Netanjahu habe sich angeblich jedoch nicht zu einer entsprechenden Zusage bereit gezeigt, woraufhin Aoun das Gespräch abgelehnt habe.

Libanesische Medien berichteten anschließend, Trump selbst habe direkt mit Aoun telefoniert und dessen Position angehört. Aus dem Umfeld des Weißen Hauses hieß es gleichzeitig, Netanjahu könnte weiterhin in die Gespräche einbezogen werden.

Dann schließlich die Ankündigung um 19 Uhr aus Washington, dass es eine zehntätige Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon geben wird - und sowohl Netanjahu als auch Aoun hätten zugestimmt.

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