Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski, bei einem Anti-Israel-Protest in Bournemouth im Oktober 2025 Foto: picture alliance / Photoshot

Zack Polanski ist der erste jüdische Vorsitzende der Green Party in England und Wales. Im politischen Spektrum sind die britischen Grünen im Vergleich zu ihrer deutschen Schwesterpartei Bündnis90/Die Grünen deutlich weiter links positioniert. Das zeigt sich auch in der Nahostpolitik. Israel sehen die Greens als »Apartheid-Staat« an und verurteilen das Vorgehen gegen die Terroristen der Hamas in Gaza als »Genozid« an den Palästinensern. Auch Polanski liegt politisch voll auf dieser Linie.

Nun wurde bekannt, dass der 43-Jährige zu den Unterzeichnern einer Petition an Innenministerin Shabana Mahmood und Außenministerin Yvette Cooper gehört, in der strafrechtliche Ermittlungen gegen alle britischen Staatsbürger gefordert wird, die seit dem 7. Oktober 2023 in den israelischen Streitkräften (IDF) gedient haben. Die Regierung wird darin aufgefordert, eine Offenlegungspflicht einzuführen und entsprechende Listen von Personen zu erstellen. Außerdem sollen Personen, die aus Israel nach Großbritannien kommen, entsprechend überprüft werden – auch nachträglich.

Die Petition wurde vom International Centre of Justice for Palestinians (ICJP) und der Nachrichtenseite »Declassified UK« lanciert und fordert ein »Ende der Straffreiheit für britische Staatsangehörige, die in Gaza für Israel gekämpft haben«. Weiter heißt es dort: »Niemand möchte neben einem möglichen Kriegsverbrecher wohnen – nicht zuletzt Mitglieder der palästinensischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich, die Familienangehörige oder Freunde haben, die Opfer von Kriegsverbrechen geworden sind.«

Lesen Sie auch

Die Regierung von Premierminister Keir Starmer müsse »eine ausreichende Überprüfung der nach Großbritannien zurückkehrenden IDF-Soldaten gewährleisten«, so die Forderung in der Petition. Ein Sprecher Polanskis sagte dem »Jewish Chronicle«, man müsse »entschlossen gegen jeden britischen Staatsbürger vorgehen, der sich an diesen Verbrechen mitschuldig gemacht hat.«

Corbyn bringt Antrag im Parlament ein

Neben dem Grünen-Chef haben auch weitere prominente Politiker die Petition unterzeichnet, darunter der ehemalige Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn und der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Corbyn, der mittlerweile als unabhängiger Abgeordneter im Parlament sitzt, hat bereits einen Antrag zur Änderung des Streitkräftegesetzes eingebracht, in dem ein Einreiseverbot für ausländische Soldaten aus Ländern gefordert wird, gegen die der Internationale Strafgerichtshof wegen möglicher Kriegsverbrechen ermittelt.

Der Dachverband der britischen Juden verteilte die Kampagne als Versuch der Dämonisierung und Einschüchterung von Israelis. Sie trage dazu bei, auch die Stimmung gegen die Juden in Großbritannien weiter zu verschlechtern, so das Board of Deputies of British Jews.

Laut »Declassifed UK« haben fast 1700 IDF-Soldaten auch einen britischen Pass. Insgesamt geht man von 50.000 IDF-Angehörigen aus, die neben der israelischen auch noch eine andere Staatsangehörigkeit besitzen. Bislang wurden in Großbritannien Beschwerden von der ICJP und anderen Aktivisten gegen israelische Armee-Angehörige von Gerichten nicht angenommen. mth

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  30.08.2026

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 30.08.2026

Jerusalem

Netanjahu verurteilt Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland

In Kusra belagern radikale Siedler seit drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Einwohner. Erstmals hat sich nun der Ministerpräsident dazu geäußert

 30.08.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026