Israel

Gotteshaus in Flammen

Spuren des Brandanschlags Foto: Flash 90

Den Nonnen und Angestellten der Kirche steht der Schock ins Gesicht geschrieben. Erschüttert stehen sie vor den schmauchenden Resten ihres Lagerraumes. Auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genezareth ist in der Nacht vom Mittwoch ein Anschlag verübt worden. Am Morgen danach nimmt die israelische Polizei zehn Jeschiwaschüler unter dem Verdacht der Brandstiftung fest, die sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Zwei Menschen wurden mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Zwar gelang es der Feuerwehr schnell, die Flammen einzudämmern, dennoch entstand erheblicher Sachschaden. Ein Lagerraum, Büros und ein Gebetraum wurden beschädigt. Mit blutroter Farbe wurde an die Wand neben dem Feuer ein Hass-Graffiti geschmiert: »Götzenbilder werden zerschmettert«.

schändung Präsident Reuven Rivlin sprach am Donnerstagmorgen mit Abt Gregory Collins, dem Vorsteher des Benediktinerordens in Israel: »Solch eine fürchterliche Schändung einer alten und heiligen Stätte des Gebets ist ein Angriff auf die Lebensstruktur in unserem Land, wo Menschen verschiedener Glaubensrichtungen danach streben, in Harmonie, gegenseitiger Toleranz und respektvoll zusammenzuleben.«

Als Staat und Gesellschaft sei Israel verpflichtet, die heiligen Stätten aller Glaubensgemeinschaften zu schützen und zu erhalten. Er versicherte, dass die zuständigen Autoritäten das Verbrechen untersuchen und das in ihrer Macht Stehende tun würden, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Rivlin fügte hinzu: »Ich glaube, dass wenige Menschen Israel mehr Schaden zufügen als diejenigen, die solche Taten begehen.«

Sicherheitsminister Gilad Erdan verurteilte den Anschlag ebenso aufs Schärfste: »Das ist ein Akt von niedrigster Feigheit. Wir werden nicht erlauben, dass jemand die Koexistenz zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und Religionen in Israel zerstört. Wir werden keinerlei Toleranz zeigen«. Er wies die nördliche Abteilung der Polizei an, die Aufklärung des Anschlags zur obersten Priorität zu machen.

Reaktionen Zentralratspräsident Josef Schuster sagte: »Mit Entsetzen haben wir die Nachricht vom Brandanschlag auf die Kirche in Tabgha vernommen. Jegliche Angriffe auf religiöse Stätten verurteilen wir zutiefst. Sie sind durch nichts zu rechtfertigen. Wir sind sehr erleichtert, dass dabei keine Menschen getötet wurden. Dem verletzten Mönch wünschen wir rasche Genesung und hoffen, dass die Täter schnell gefasst werden. Israel ist ein sicherer Ort für Christen und wird es bleiben.«

Auch deutsche Rabbiner reagierten entsetzt auf die Nachricht vom Brandanschlag. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) verurteilte die »verabscheuungswürdige Tat aufs Schärfste«. Die Schmierereien an der Wand seien ein Zitat aus einem jüdischen Gebet.

Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Mitglied des Vorstandsbeirats der ORD, der sich zurzeit gemeinsam mit seinen liberalen Kollegen und Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz auf einer Israelreise befindet, sagte: »Damit haben die Attentäter das religiöse Selbstverständnis jedes einzelnen Juden beschmutzt. Über Jahrtausende wurden Juden wegen ihres Glaubens verfolgt, ein Jude, der anderen aufgrund derer Überzeugungen Gewalt antut, entehrt das Andenken aller jüdischen Opfer.«

Rabbiner Jonah Sivers, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK) betonte, dass Angriffe gegen Angehörige anderer Religionen dem Geist des Judentums widersprechen. Gerade das Alenu-Gebet enthalte die endzeitliche Vision, in der alle Religionen sich gegenseitig respektieren, indem sie Gottes Herrschaft anerkennen.

Die Kirche in Tabgha ist für ihre wundervollen Bodenmosaike weltweit bekannt und eines der Hauptziele christlicher Pilger im Heiligen Land. Hier soll entsprechend des Neuen Testaments Jesus 5000 Menschen mit fünf Brotlaiben und zwei Fischen satt gemacht haben.

Aggression Die katholische Kirche in Israel erklärte in lokalen Medien, dass sie die Brandstiftung als »Weiterführung der Aggression gegen christliche Stätten« ansehe. Diese hätten in den vergangenen Jahren zugenommen. Ihrer Meinung nach kümmerten sich die Sicherheitskräfte nicht ausreichend um die Aufklärung.

Der deutsche Botschafter Andreas Michaelis besuchte sofort die Kirche: »Ich bin erschüttert über den Brand in der Tabgha-Kirche gestern Nacht. Ich verurteile diese Tat. Jegliche Form von Gewalt gegen Vertreter religiöser Institutionen und gegen religiöse Einrichtungen verurteile ich scharf. Es muss sichergestellt werden, dass diese Einrichtungen in Israel, ebenso in Deutschland und Europa, geschützt sind und bleiben. Die Ursache des Brandes muss jetzt zügig und gründlich aufgeklärt werden. Vorfälle dieser Art dürfen sich nicht wiederholen.«

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Jerusalem

Israel-Libanon-Gespräche: Netanjahu kündigt Verbleib der Armee im Südlibanon an

»Die IDF wird weiterhin entschlossen handeln, um Bedrohungen für unsere Soldaten und Zivilisten abzuwehren«, sagt die israelische Regierung

 23.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

IDF: Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur sehr schwer oder gar nicht zerstörbar

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026