Automatisierter Handel

»Geistiger Schaden«: Bnei Brak will Verkaufsautomaten nachts schließen

Bnei Brak am 2. März Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Die israelische Stadt Bnei Brak verschärft ihre Regeln für nächtliche Verkaufsangebote. Künftig sollen nach dem Willen der Stadtverwaltung auch Automaten für Getränke und Snacks nach 22 Uhr außer Betrieb gehen. In der streng religiös geprägten Stadt hatte bislang bereits eine Vorschrift gegolten, nach der Restaurants und Imbissstände zu dieser Uhrzeit schließen müssen. Die Publikation »Ynet« berichtete.

Nach Angaben von Kommunalvertretern seien Verkaufsautomaten zuletzt zu beliebten Treffpunkten von Jugendlichen und Jeschiwa-Schülern geworden. Damit werde das Ziel der bisherigen Regelung unterlaufen, nächtliche Ansammlungen junger Menschen im Umfeld religiöser Einrichtungen zu verhindern.

Eingebracht wurde die Änderung von Stadtrat Rabbiner Ze’ev Lipschitz. In seinem Antrag sprach er von ökologischen, körperlichen und vor allem »spirituellen« Schäden. Junge Männer und Frauen säßen dort bis in die frühen Morgenstunden zusammen, hieß es. Dabei würden auch elektronische Geräte genutzt und aufgeladen.

»Ruiniertes Leben«

Lipschitz fragte, wie ein Vater seinen 13-jährigen Sohn zum Abendgebet in die Synagoge schicken solle, »ohne um die Spiritualität des Kindes zu fürchten«. Zusätzlich wurde beklagt, dass an einzelnen Standorten neben dem Automatenverkauf auch Zigaretten bis spät in die Nacht angeboten würden.

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An der Stadtratssitzung nahmen auch Anwohner sowie mehrere Rabbiner teil, die in der Jugendarbeit aktiv sind. Einer der Redner erklärte laut »Ynet«, die Treffpunkte würden »unser Leben ruinieren« und »unsere Kinder verderben«.

Was als praktische Einkaufsmöglichkeit begonnen habe, sei zu einem Anziehungspunkt für gefährdete Jugendliche geworden, sagte er weiter. Selbst Jungen, die lediglich auf dem Heimweg oder auf dem Weg zum Gebet vorbeikämen, würden von der Atmosphäre angezogen.

Überschrittene Kompetenzen

Nicht alle Kommunalpolitiker unterstützten das Vorhaben. Stadtrat Yaakov Vider warf der Verwaltung vor, ihre Kompetenzen zu überschreiten. »In einer Stadt, die nicht Nordkorea ist, besteht die Aufgabe einer Kommune darin, den Bürgern zu dienen - nicht sie zu erziehen«, sagte er.

Wenn es Lärmbelästigung gebe, solle die Stadt bestehende Gesetze durchsetzen. Stattdessen würden Bürger bestraft, die abends schlicht noch ein Getränk oder einen Snack kaufen wollten. Besonders betroffen seien Studenten religiöser Einrichtungen sowie Menschen mit wenig Geld, die nachts keine Möglichkeit hätten, die Stadt zu verlassen. im

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