Debatte

Geiselfamilien kritisieren Anerkennung Palästinas

Porträtbilder einiger der weiterhin vom der Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln Foto: picture alliance/KEYSTONE

Angehörige der im Gazastreifen festgehaltenen israelischen Geiseln haben Initiativen europäischer Länder zu einer einseitigen Anerkennung eines palästinensischen Staates kritisiert. Sie sei eine »Belohnung des Terrorismus«, heißt es in einer Mitteilung des Forums der Geisel- und Vermisstenfamilien (Mittwoch). Sie beklagen ein »gefährliches moralisches und politisches Versagen, das schreckliche Kriegsverbrechen legitimiert«. Zudem verstoße die Anerkennung klar gegen das Völkerrecht.

Die Angehörigengruppe fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich stattdessen den Bemühungen der USA um die Freilassung aller Geiseln und die anschließende Beendigung der Kämpfe anzuschließen. Entführungen dürften nicht die Grundlage für eine Staatsgründung sein. Sollte ein palästinensischer Staat anerkannt werden, bevor alle Geiseln zurückgekehrt sind, sei dies die »Legitimierung des Terrorismus als legitimes Mittel zur Erreichung politischer Ziele«.

Anerkennung im September?

Nach Frankreich und Großbritannien hatten am Dienstag mehrere weitere Länder erwogen, Palästina bei der UN-Vollversammlung im September in New York als Staat anzuerkennen. In einer gemeinsamen Erklärung unter anderem Australiens, Kanadas, Finnlands und Portugals forderten die Unterzeichner weitere UN-Mitglieder auf, sich anzuschließen und eine Anerkennung Palästinas »als einen wesentlichen Schritt hin zu einer Zwei-Staaten-Lösung« zu bedenken.

Israel lehnt eine Anerkennung Palästinas ab und bezeichnet sie nach dem Hamasangriff vom 7. Oktober 2023 als Belohnung für den Terror. »Ein palästinensischer Staat unter diesen Bedingungen wäre eine Startrampe für die Vernichtung Israels – nicht für ein Leben in Frieden neben Israel«, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der vorigen Woche. kna

Nachrichten

Erfrischung, Iran, Design

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Nachruf

Der Mann, der die Farben bewegte

Yaacov Agam, Israels wohl berühmtester Künstler, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Bekannt wurde der Pionier der kinetischen Kunst vor allem durch seinen Brunnen auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv

von Sabine Brandes  24.06.2026

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026